30.07.2019 17:27 |

Alarmierende Studie

Schutzkleidung schützt relativ wenig vor dem Tod

Dass Motorradfahrer gefährlicher Leben als Autolenker, liegt auf der Hand: Sie haben einfach keine Knautschzone und keinen Blechkasten um sich herum. Doch zwei Ergebnisse einer aktuellen Studie geben richtig zu denken: Biker haben bezogen auf die gefahrenen Kilometer ein 21 Mal höheres Risiko, im Straßenverkehr ums Leben zu kommen und: Ab Tempo 50 kann im Straßenverkehr auch die beste Schutzkleidung schwerste Verletzungen nicht verhindern.

Auch wenn sich die Angaben in der Studie der UDV (Unfallforschung der Versicherer) auf Deutschland beziehen, gelten die Ergebnisse inhaltlich doch auch für Österreich.

„Schon bei Geschwindigkeiten von mehr als 25 Kilometern pro Stunde können die üblichen Jacken mit Protektoren bei einem Aufprall auf ein Hindernis lebensbedrohliche Verletzungen nicht mehr verhindern“, sagt UVD-Chef Siegfried Brockmann und verweist auf eine detaillierte Auswertung der Unfallverletzungen und umfangreiche Simulationen am Computer. Die im Handel angebotenen Airbagjacken verschieben den Bereich demnach auf etwa 50 km/h. Am Rechner haben die Forscher zudem ermittelt, dass eine Erweiterung des Airbagvolumens von derzeit zwölf auf 120 Liter den Schutz bis auf 70 km/h erweitern würde.

Rennstrecken sind sicherer
Besonders stark betroffen sind bei den Unfällen mit Todesfolge Brustkorb (94,2 Prozent) und Kopf (63,5 Prozent) der motorisierten Zweiradfahrer. Auch aus diesem Grund warnt Brockmann davor, sich auf die Rückenprotektoren zu verlassen. „Die helfen auf der Rundstrecke. Doch die Bilder von Motorradrennen, bei denen die Fahrer nach schweren Stürzen und Rutschpartien wieder aufstehen und sogar weiterfahren, sind fatal. Auf Landstraßen gibt es keine Auslaufzonen.“

Anders als oft angenommen wird der überwiegende Teil der tödlichen Unfälle der Studie zufolge von den Motorradfahrern selbst verschuldet. „67 Prozent aller Todesfälle von Fahrern und Mitfahrern bei Unfällen mit bis zu zwei Beteiligten wurden vom Motorradfahrer verursacht“, betont Brockmann. Das gelte ebenso für die leicht- und schwerverletzten Motorradfahrer.

In Gruppen rammen sich Fahrer gegenseitig
Untersucht haben die Unfallforscher zudem, ob das Fahren in Gruppen ein besonderes Risiko darstellt. Von insgesamt 2345 schweren Unfällen mit motorisierten Zweirädern fanden lediglich 357 und damit 15 Prozent während einer Gruppenfahrt - mindestens zwei Personen - statt. Damit birgt die Fahrt in einer Gruppe kein besonderes Sicherheitsrisiko.

Generell unterscheidet sich die Unfallkonstellation bei Allein- oder Gruppenfahrten wesentlich. Während bei Alleinfahrten Zusammenstöße mit Autos oder Lkw an Kreuzungen und Einmündungen häufig sind, kommt es bei Gruppenfahrten vorwiegend zu Kollisionen mit den Gruppenmitgliedern. Als Hauptgrund haben die Forscher den oft viel zu geringen Sicherheitsabstand ausgemacht. „Bei der gern angewandten Abstandsregel vom halben Tachowert aber würde jede Gruppen- zur Alleinfahrt.“

Das größte Sicherheitspotential liegt im Kopf des Fahrers: Vorausschauendes Fahren und eine exzellente Fahrzeugbeherrschung können Leben retten. Regelmäßiges Training, auch beim einem echten Fahrsicherheits- bzw. Fahrtechniktraining hilft. Ein „so etwas habe ich nicht nötig“ nicht.

(SPX)

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