31.07.2019 09:45 |

Salzburg Inoffiziell

Retourkutsche? Ärger über Prüfbericht

Der Rechnungshofdirektor übt herbe Kritik an der Buchhaltung des Landes und zieht damit den Unmut der Regierungsspitze auf sich.

Landeschef Wilfried Haslauer und sein Vize und Finanzchef Christian Stöckl (beide ÖVP) sind stinksauer auf Rechnungshofdirektor Ludwig Hillinger. Grund ist ein aktueller Prüfbericht zur Umstellung vom veralteten System der Kameralistik, das aus dem 17. Jahrhundert stammt, auf die doppelte Buchführung (Doppik). Der finanzielle Neustart des Landes, der nach dem Finanzskandal mit 2018 beschlossen wurde, sei ein „holpriger“ gewesen, fasst Hillinger zusammen.

Auf mehr als 200 Seiten listen seine Prüfer unzählige Mängel in der Eröffnungsbilanz des Landes auf: falsche Eingaben, Fehler in der Bewertung des Anlagevermögens oder bei Personalrückstellungen. Fazit: „Fast die gesamte Buchhaltung musste neu erstellt werden.“

Dass Hillinger seine Kritik so offen äußert, erzürnt Haslauer und Stöckl, für die die Einführung der Doppik ein „Jahrhundertprojekt“ ist: „Das ist kein gemeinsamer, konstruktiver Weg. Das habe ich ihm auch gesagt“, so der Landeschef. Vor allem, da im Vorfeld ein gemeinsames Pressegespräch Regierung und Rechnungshof vereinbart war.

Hinter den Kulissen ist von einer Retourkutsche Hillingers zu hören: Dieser wolle sich revanchieren, weil ihm Haslauer nicht mehr Personal zugesteht: „Sollte es eine Retourkutsche sein, erreicht er damit genau das Gegenteil“, so der Landeschef. Hillinger will „kein Junktim“ herstellen. Aber: „Seit drei Jahren rede ich über mehr Personal, und es tut sich nichts. Die Frage ist schon, wer Interesse daran hat, dass der Landesrechnungshof so klein bleibt, wie er derzeit ist.“

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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