30.07.2019 06:47 |

Geiseln, Enthauptungen

Häftlingsrevolte in Brasilien: Dutzende Tote

Kämpfe zwischen rivalisierenden Häftlingsgruppen in einem Gefängnis im Norden Brasiliens haben am Montag Dutzende Tote gefordert - am Dienstag war von 57 getöteteten Menschen die Rede. Laut Medienberichten wurden auch 16 enthauptete Leichen entdeckt. Zwei Wärter waren zwischenzeitlich als Geiseln genommen worden, sie kamen aber später frei.

Die Kämpfe in der Haftanstalt von Altamira (Bundesstaat Para) hatten am Montagmorgen (Ortszeit) begonnen und dauerten den ganzen Vormittag an. Laut Informationen der BBC stürmten Mitglieder einer Bande in den Trakt, wo Mitglieder einer verfeindeten Bande untergebracht sind und legten dort Feuer. Der Ausgang sei wiederum blockiert worden. 41 Häftlinge seien an den Rauchgasen erstickt, hieß es. Aufnahmen in brasilianischen Medien zeigten Rauchwolken über dem Gefängnis und zahlreiche Häftlinge auf den Dächern.

„Es handelt sich um einen Krieg zwischen den Banden“, sagte der Leiter der Strafvollzugsbehörde, Jarbas Vasconcelos. Mitglieder des Verbrechersyndikats Comando Vermelho (Rotes Kommando) seien von Anhängern der regionalen Bande Comando Classe A angegriffen worden. Diese Gang hatte sich zuletzt mit dem Primeiro Comando da Capital (Erstes Kommando der Hauptstadt) verbündet, das mit dem Comando Vermelho um die Kontrolle der Gefängnisse in Brasilien ringt.

Häftlinge ließen gefangen genommene Beamte rasch wieder frei
Zunächst nahmen die Häftlinge auch zwei Strafvollzugsbeamte als Geiseln. Nach Verhandlungen mit der Polizei wurden die Wächter später allerdings freigelassen. „Das war eine gezielte Aktion. Die Häftlinge ließen die Beamten schnell wieder gehen, um zu zeigen, dass sie eine Rechnung mit der anderen Gang begleichen und nicht eine Rebellion gegen den Strafvollzug anzetteln wollten“, sagte Vasconcelos. Nach der Tat ordnete das Amt für öffentliche Sicherheit die Verlegung von 46 mutmaßlich in den Angriff verwickelten Häftlingen in Bundesgefängnisse an.

Immer wieder Tote in überfüllten brasilianischen Gefängnissen
Brasilien hat weltweit nach den USA und China die drittgrößte Gefangenenpopulation der Welt. Die Gefängnisse des größten Landes in Südamerika sind extrem überbelegt. Derzeit sitzen rund 708.000 Häftlinge in den Haftanstalten mit einer Gesamtkapazität für nur etwa 416.000 Insassen. In den überbelegten Haftanstalten kommt es immer wieder zu tödlichen Auseinandersetzungen, Meutereien und Ausbruchsversuchen. Ende Mai waren in vier Gefängnissen binnen zwei Tagen mindestens 55 Häftlinge getötet worden.

Oft werden Haftanstalten faktisch von Drogenbanden kontrolliert. Immer wieder kommt es auch hinter Gittern zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Zahlreiche inhaftierte Gangbosse steuern die Geschäfte ihrer kriminellen Organisationen aus dem Gefängnis heraus

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