30.07.2019 08:00 |

Zapfsäulen-Vergleich

Transit-Flut durch billige Dieselpreise provoziert

Wie ein Magnet ziehen Billigtankstellen abseits der Autobahn die Transit-Lkw an. Die Preisunterschiede sind enorm. Das Transitforum fordert endlich ein Umdenken.

AP-Tankstelle Brixlegg am Montag um 8.45 Uhr: Etwa 15 Lkw stehen an den Zapfsäulen Schlange, im gefühlten Minutentakt kommen weitere hinzu. Sicherheitsmann Hans weist die Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Polen, Litauen, Rumänien, Bulgarien usw. ein: Man staunt, als er sagt: „Heute ist es eh recht ruhig.“ Nicht selten stauen sich die Lkw nämlich hinaus bis zum A12-Zubringer zwischen Brixlegg und Kramsach. Ein Kollege von Hans springt dann auf diese Straße und winkt die Transitfahrzeuge weiter. Die Folge: Sie fahren häufig bis zur nächsten Billigtankstelle in Radfeld und retour – insgesamt weitere rund 15 Kilometer abseits der Autobahn.

Bis zu 300 Euro abseits der Autobahn gespart
Solche Szenen spielen sich täglich an den 13 Billigtankstellen abseits der Autobahn ab. Die Rechnung ist simpel: 20 oder 30 Cent erspart sich der Lkw-Betreiber pro Liter abseits der Autobahn. Bei 1000 Liter, eine gängige Menge, ist die Tankrechnung also 200 bis 300 Euro niedriger. „Das ist mehr als das Doppelte der Maut von Rosenheim bis Verona. Diese kostet nämlich nur rund 125 Euro und ist ohnehin die billigste im Vergleich zu Schweiz und Frankreich“, weiß Transitforum-Chef Fritz Gurgiser. Noch größer ist die Tank-Ersparnis im Vergleich zu Italien (siehe Fotos rechts).

Weitere „Zuckerln“ für die Lkw-Betreiber
Unberücksichtigt beim Preisvergleich ist, dass es bei Jahresverträgen mit den Tankstellen noch Boni gibt, die locker 10 Prozent ausmachen können. Ein weiteres Zuckerl: Der italienische Staat zahlt den Frächtern 21 Cent pro Liter zurück. „Die Dieselpreise sind jedenfalls weit niedriger als für Pkw, der damit den Lkw quersubventioniert“, wettert Gurgiser. Kaum einer der jährlich 2,5 Millionen Transit-Lkw verlässt Tirol, ohne eine Billigtankstelle angefahren zu haben. Möglich wurde dies mit „Sonderwidmungen Tankstelle“, die an der Transitrout zum wohl dichtesten Tankstellennetz in der EU führten. „Getankt wird bei uns, der Diesel wird zu 90 Prozent woanders verfahren, aber zu 100 Prozent unserer Schadstoffbilanz zugerechnet“, betont Gurgiser.

„Gleiche Bedingungen“
Die Folgen. Lärm, Abgase und Staus schränken die Regionalwirtschaft, Pendler und Blaulichtorganisationen ein.„ Klar sei auch, dass die “Lkw-Anlockung„ die Verhandlungsposition Tirols mit der EU und Nachbarländern schwäche. Das Transitforum fordert erneut gleiche Bedingungen an allen Alpenübergängen, was Umwegverkehr reduzieren würde. Gurgiser ist trotz “Transit-Anarchie„ Optimist: “Verkehr vor Mensch, diese Ära geht zu Ende."

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