22.07.2019 13:09 |

Ouverture Spirituelle

Arvo Pärt als Meister der Reduktion gefeiert

 Ouverture spirituelle im Mozarteum:  Intendant Hinterhäuser für Schostakowitsch-Sonate gefeiert

Am Ende kam der Meister der Reduktion, der Schöpfer der Welten aus wenigen Tönen selbst auf die Bühne und nahm bescheiden die Standing Ovations des Publikums im Salzburger Mozarteum entgegen: Der große Arvo Pärt hat am Sonntag jenes Konzert im Rahmen der angelaufenen Ouverture spirituelle besucht, in dem zwei seiner Chorwerke eine zentrale Stellung einnahmen.

 Schließlich fügt sich das Oeuvre des Esten nahtlos in das der Spiritualität verpflichtete Präludium der Salzburger Festspiele ein. Neben seinem „Magnificat“ für gemischten Chor übernahm vor allem das für Pärt-Verhältnisse monumentale, 1989 geschriebene „Miserere“ die Hauptrolle des gemischten Abends. Neben dem Chor des Bayerischen Rundfunks arbeitet der Tonsetzer hier auch mit fünf Solisten, einem Instrumentalistenensemble in ungewohnter Besetzung sowie Orgel.

Und doch entwickelt der Kreateur des Tintinnabuli-Stils, der auf größtmögliche Einfachheit und Rückführung des musikalischen Materials zielt, seine Sprache aus den Solostimmen, die zunächst in Dialog mit einem Einzelinstrument treten. Lange wird der Ausbruch ins Tutti hintangehalten. Und nach dieser Eruption klingt doch das wilde Treiben am Ende wieder in einem schwebenden Ton aus.

  Dabei standen die beiden Pärt-Werke, die um eine Überraschungszugabe des Chores ergänzt wurden, nicht alleine an diesem Abend. Wie sein estnischer Kollege, war auch Alfred Schnittke ein Komponist, der sich erst im Laufe des Lebens sukzessive der russischen Orthodoxie zuwandte. Seine „Drei geistliche Gesänge“ waren eine schwere Geburt und sind der Hartnäckigkeit des russischen Dirigenten Valery Polyansky zu verdanken, der das Chorwerk lange urgierte. Der deutsch-russische Tonsetzer verknüpfte schließlich auch in diesem dreiteiligen Werk die drei Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft meisterhaft miteinander, wobei die Kirchenmusik seiner Wahlreligion hier eindeutig Pate stand.

  Wermutstropfen bei den geistlichen Werken Pärts und Schnittkes war einzig die trockene Akustik des großen Mozarteumssaales, die für diese religiösen Vokalwerke nur bedingt geeignet scheint. Zu schnell verläuft sich der eigentlich auf Nachhall angelegte Klang. Umso idealer hingegen war diese Akustik für den Abschluss des Abends, mit dem sich der Kreis zum Auftakt der Ouverture am Samstag schloss.

 Wie tags zuvor in der Kollegienkirche das „Lagrime di San Pietro“ von Orlando di Lasso, ist auch Dmitri Schostakowitschs Sonate für Viola und Klavier das letzte Werk ihres Komponisten. Der Russe vollendete es erst kurz vor seinem Tod 1975. Und für dieses Abschiedswerk zwischen Reminiszenz an eigene Jugendarbeiten und Vorbilder wie Beethovens „Mondscheinsonate“ zeichnete am Klavier Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser gemeinsam mit Antoine Tamestit als Bratscher persönlich verantwortlich. Bevor das Festival mit der offiziellen Eröffnung am Freitag Fahrt und Trubel aufnimmt, nahm sich der Kulturmanager als Pianist nochmals die Muße für eine musikalische Reflexion auf einen Abschied von der Welt, auf das Testament eines Tonsetzers, der anders als seine beiden am Abend ebenfalls gewürdigten Kollegen der Spiritualität oder zumindest Religiosität denkbar fernstand.

  Bis Freitag waten die Festspiele nun also noch durch das Tal der Tränen - gemäß dem heurigen Motto des Vorfestivals „Lacrimae“, „Tränen“. Dann wird am 27. Juli der offizielle Startschuss mit der Eröffnung am Vormittag durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie Festredner Peter Sellars gegeben, bevor am Abend mit dem „Idomeneo“ in der Interpretation von Sellars und Teodor Currentzis die erste große szenische Premiere der Salzburger Festspiele 2019 gefeiert wird.

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