21.07.2019 07:13 |

Schlagfertig

Grüß Gott, liebe Leser der „Krone“

Die Salzburger Festspiele benötigen in nächster Zeit zusätzliches Geld. Und um hier gleich keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Diese Forderung nach mehr Geld ist richtig, überfällig und dringend notwendig. In recht regelmäßigen Abständen bin ich als Musiker bei den Festspielen zu Gast. Ich bin also ganz sicher nicht objektiv - will ich auch gar nicht sein. Denn diese Kolumne wird ein leidenschaftliches Plädoyer für die Festspiele.

Die Festspiele zeigen und bieten Weltklasse. Und das nicht nur in der Festspielzeit, sondern in all ihren Facetten vor und hinter der Bühne das ganze Jahr über. Ich erinnere mich, als der unvergessene Gerard Mortier einmal sinngemäß sagte: Die wahre Kraft der Festspiele kommt von seinen Mitarbeitern, die mit ihrer Kompetenz, Leidenschaft und ihrem Fleiß dieses alljährliche Wunder möglich machen. Und diese großartigen „Künstler“ haben gute und professionelle Bedingungen verdient. Und darum geht es - jeder, der in den Festspielhäusern ständig oder auch nur temporär zu tun hat, weiß, dass diese Infrastruktur völlig veraltet ist und einem Festival von Weltrang einfach nicht entspricht. Warum aber geben wir in Österreich Geld für Kunst und Kultur aus? Wer braucht denn das?
Es ist die oft gestellte Frage von jenen, die gar nicht verstehen können, dass dafür öffentliche Gelder verwendet werden.
Die Kunst öffnet uns den Blick und schärft in uns die Sinne, wofür uns noch die Worte fehlen. Sie ist der Indikator in die Zukunft und zeigt zugleich auf, wie eine bessere Welt aussehen könnte. Sie lässt uns träumen - sie entfaltet in uns ungeahnte Kräfte und balsamiert zugleich unsere Seele. Und wenn uns Künstler in dem einen oder anderen Moment die Muse küsst, dann entstehen in ihrer Einfachheit und Direktheit zugleich unvergessene Momente.

Wollen wir uns nur noch mit Profitabilität, Effizienz, Wachstum und wirtschaftlichem Gewinn beschäftigen, oder entfachen wir in uns weiterhin Kreativität und die Magie des Augenblicks?
Klar, zuerst geht es hier jetzt ums Geld. Es ist aber auch ein guter Gradmesser, zu sehen, welchen Stellenwert dieser österreichische Leuchtturm für uns alle hat. Kunst und Kultur sind DIE österreichischen Botschafter in der Welt.
Das können wir. Darin sind wir Weltklasse.
So selbstbewusst dürfen wir Künstler im Verbund mit Institutionen wie den Festspielen auch sein. Für den Staat, somit für den Steuerzahler, sind das wirklich gute Investitionen.
Denn Menschen aus der ganzen Welt kommen, um dieses alljährliche Spiel zu erleben. Und ganz ketzerisch gesagt: Wegen des österreichischen Fußballs ist bis jetzt kaum extra einer zu uns gekommen.
Bleibt zuletzt die Frage nach der Akzeptanz in der Bevölkerung. Und hier haben die Salzburger Festspiele Nachholbedarf. Da sind andere Festivals dieser Größe und Bekanntheit schon viel weiter.
Möglicherweise ist es ungeschickt, einfach nur Geld zu fordern. Damit einher könnte ein ganzheitliches Konzept erarbeitet werden, um eine Öffnung der Festspiele zu erreichen. Mehr Demokratie wagen sollte das Motto sein. Liederabende der Starsänger im Pinzgau, Orchesterkonzerte im Flachgau, Theateraufführungen im Lungau, neue Musik in den Pongau und ein Opernprojekt in den Tennengau. Festspiele also auch für jene, die dieses einzigartige Festspiel mitermöglichen.
Mit der Sichtbarkeit steigt sicherlich auch die Akzeptanz. Dann haben die gerechtfertigten Bitten nach mehr Geld gleich viel mehr Kraft.
Ihr Martin Grubinger

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