15.07.2019 07:00 |

Gemeinwohlökonomie

Der Machtverlust der nackten Umsatzzahlen

Wachstum, Gewinnmaximierung oder Ausschüttung an die Aktionäre sind Parameter, die den Erfolg eines Unternehmens messen. Immer mehr Menschen fordern allerdings das Einfließen des Gemeinwohles in die Firmenbeurteilung. Die so genannten Gemeinwohlökonomie könnte die Marktwirtschaft auf den Kopf stellen.

Geld regiert die Welt, vor allem die Wirtschaftswelt. Doch unter der ökonomischen Oberfläche köchelt es: Für immer mehr Unternehmer ist die reine Vermehrung von Geldkapital nicht mehr befriedigend. Sie wenden sich der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) zu. Die auch in Tirol wachsende Bewegung treibt den Aufbruch zu einer ethischen Marktwirtschaft voran, für die das „gute Leben für alle“ im Zentrum steht. Dieser unkonventionelle Ansatz, ausgelöst durch das revolutionäre Buch von Christian Felber, gipfelt im Erstellen einer Gemeinwohlbilanz .

„Was uns als Mensch gut tut, kann man auch in das Geschäftsleben einflechten"
Zu den Tiroler Pionieren zählt Martin Sanoll, Chef der gleichnamigen Bio-Kosmetikfirma in Stams mit zwölf Mitarbeitern: „Laut einer Umfrage wünschen sich 80 Prozent der Menschen das Wirtschaftssystem sozialer, ökologischer und gerechter. Was uns als Mensch gut tut, kann man auch in das Geschäftsleben einflechten“. Er sei keineswegs Feind des Geldes, aber es sei bei Gott nicht das einzige Kriterium. Sanoll erstellte 2014 die erste Gemeinwohlbilanz (GWB).

Werte wie Gerechtigkeit und Menschenwürde
Die Grundlage der GWB ist die GW-Matrix: Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner werden unter den Aspekten Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung beurteilt. Sanoll: „Im dazugehörigen Handbuch finden sich die detaillierten Erläuterungen zu den 20 Gemeinwohlfaktoren. Es ist eine Selbstbeurteilung, die in der Gruppe erstellt wird, Punkte verteilt und von Profis auditiert wird.“ Sanolls erfolgreiches Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,4 Millionen Euro gibt keinen Cent für Werbung aus.

Internationale Vernetzungstreffen
Der Ansatz des Wertewandels schwappte auch auf die kommunale Ebene über. Mit den Freiwilligenzentren leistet die Regionalentwicklung in den Bezirken ihren Beitrag. In internationalen Vernetzungstreffen trug beispielsweise Marlies Trenkwalder von Regio Imst den Samen des Gemeinwohlgedankens in andere Länder, um dort zu keimen.

GWÖ fordert Vorteile bei Steuern und Krediten
Er keimt aber auch hierzulande. „Ich kann mir vorstellen, dass wir bei Projektvergaben Elemente des Gemeinwohles einbauen“, so Regio-GF Markus Mauracher. Als weiteren Schritt fordern nun GW-Unternehmen rechtliche Vorteile bei Steuern, Krediten und öffentlichen Aufträgen. Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU hat die GWÖ bereits anerkannt!

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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