Wilhering:

Dem Bösen ins Gesicht lachen

Alles stimmte bei der Premiere von Felix Mitterers „In der Löwengrube“ beim theaterSpectacel Wilhering: Das kraftvolle Stück über einen Juden, den die Nazis für einen Tiroler halten, inszenierte Joachim Rathke so, dass man dem Bösen ins Gesicht lachen konnte, ohne dabei den Ernst der Lage zu vergessen.

„Ein beispielloser Skandal“, polterte das „Wiener Montagblatt“, als 1936 herauskam, dass der Jude Leo Reuss sich als arischer Bergbauer auf die große Bühne geschmuggelt und alle an der Nase herumgeführt hatte. Felix Mitterer formte aus dieser wahren Geschichte sein Stück „In der Löwengrube“, das nun in Wilhering seine Premiere feierte.

Cleveres Bühnenbild
Schon die Ausgangssituation, in der sich das Publikum vorfindet, ist sehr clever: Kurt Pint baute eine stilisierte Wiener Josefstadt in die Wilheringer Scheune und lässt die Hälfte der Zuseher gleich auch das Josefstadt-Publikum darstellen. Die andere Hälfte bekommt mit, was hinter den Theaterkulissen passiert...

Nazis im Theater
Dort traut sich der sorgenvolle Theaterdirektor Meisel (herrlich zerstreut: Andreas Pühringer) kein Machtwort sprechen, als Darsteller Strassky (Jakob Hofbauer ist ein allzu klischeehafter Obernazi) und die Mitläufer-Kollegen Jakschitz (Matthias Hack) und Polacek (Alfred Rauch) für arische Verhältnisse auf der Bühne sorgen.

Gruseliger Goebbels
Star des Abends war natürlich Sven Kaschte, der den aus dem Theater vertriebenen Juden Arthur Kirsch mal duldend, mal rachsüchtig porträtiert und schließlich als Schein-Tiroler Benedikt Höllrigl zurückkehrt und mit seinem komödiantischen Talent das Stück komplett an sich reißt. Regisseur und Intendant Joachim Rathke lässt ihm viel Raum für die Groteske, und es funktioniert. Es wird viel gelacht, und doch findet das Stück zurück zum Schrecken der Geschichte. Das ist auch Rudi Müllehner zu verdanken, der sich als gruseliger Goebbels an Kirschs Frau Helene (Hemma Clementi) heranmacht und Olga (Nora Dirisamer) gütig einen Arier-Nachweis ausstellt...

Eine klug gemachte Theatersatire!

Jasmin Gaderer/Kronen Zeitung

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