08.07.2019 10:38 |

Nicht genug Kontrollen

Verhungerte Frauen: Vorwürfe gegen Jugendamt

Nach dem Hungertod einer Mutter und ihrer beiden erwachsenen Zwillingstöchter in Wien erhebt die Volkanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen die zuständige Behörde: „Aufgrund eindeutiger Hinweise auf eine schwere psychische Erkrankung der Mutter hätte die Kinder- und Jugendhilfe von sich aus regelmäßig kontrollieren und mehr unterstützende Maßnahmen ergreifen müssen“, so Volksanwalt Bernhard Achitz.

Die Tragödie hatte im Mai für Entsetzen gesorgt: In Wien-Floridsdorf wurden die Leichen von drei Frauen entdeckt, die im Zeitraum von Ende März bis Anfang April verhungert waren. Die psychisch erkrankte Mutter wurde nur 45, ihre Töchter nur 18 Jahre alt. Die Zwillinge hätten laut Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) unter einer „Entwicklungsverzögerung“ gelitten, seien aber nicht hilflos gewesen. Die Behörde hatte die Familie vor der Tragödie betreut, allerdings ab März 2017 keine Maßnahmen mehr ergriffen.

Volksanwalt: „Mehr Ressourcen müssen bereitgestellt werden“
Das sei laut Volksanwaltschaft ein fataler Fehler gewesen, wie die Institution in einer Aussendung nach einer Prüfung in der Causa festhält. Es gebe österreichweit immer wieder Lücken in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen vor Eintritt in den Kindergarten bzw. nach Ende der Schulpflicht. Achitz fordert daher, die aufsuchende Elternarbeit generell zu stärken: „Mehr Ressourcen müssen bereitgestellt werden, damit die Behörden frühzeitig und begleitend auf Gefährdungspotential reagieren können.“

Auch die Stadt Wien gibt in ihrer Stellungnahme an die Volksanwaltschaft Versäumnisse zu und kündigt Verbesserungen an: Künftig soll bei jedem Verdacht einer psychischen Erkrankung der psychologische Dienst eingebunden werden, die Richtlinien für die Soziale Arbeit werden überarbeitet. Achitz: „Die Volksanwaltschaft stellt bei der Überarbeitung der Richtlinien gerne ihre Expertise zur Verfügung, um gemeinsam mit der Stadt Wien solche Tragödien künftig zu verhindern.“

Miriam Krammer
Miriam Krammer
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen