07.07.2019 13:18 |

Schlagfertig

Grubinger: „Unser Land hat großartige Töchter“

Am vergangenen Donnerstag war es dann soweit. Nach vielen Monaten Vorbereitungszeit mit langen und intensiven Proben konnten wir endlich unser neuestes Konzert-Programm live auf ORF2 präsentieren.

Es gibt Konzertabende, die bleiben unter den vielen Konzerten, die man in einem Künstlerleben auf der Bühne verbringt, in Erinnerung. Das Konzert auf dem Linzer Domplatz war so ein seltener und gleichzeitig wunderbarer Moment. Ich sehe das mit fortlaufender Konzertdauer auch in den Gesichtern meiner Mitstreiter auf der Bühne. Es ist der ultimative Flow, wie wir Jüngeren auf Neudeutsch sagen. Es ist ein Sog, ein Zustand der Trance. Ein Genuss, der einem nur selten in dieser Form vergönnt ist.

Wenn plötzlich alles zu einer gemeinsamen musikalischen Mission verschmilzt und man es im besten Sinne einfach passieren lassen kann. An diesem Konzertabend haben wir viele tausende Töne gespielt, hunderte Schlaginstrumente auf die Bühne gestellt und uns mehr als 120 Minuten emotional und körperlich verausgabt. Und doch bleibt mir ein Moment in ganz besonderer Erinnerung: Im Winter des vergangenen Jahres habe ich ein neues Werk für dieses Konzert in Auftrag gegeben. Die „Ode an die Heimat“. Eine musikalische Neuinterpretation dreier Hymnen aus der Feder meines Freundes Daniel Schröckenfuchs. Das oberösterreichische „Hoamatland“, das österreichische „Land der Berge“ und die europäische „Alle Menschen werden Brüder“. Es ist unsere musikalische Botschaft zum oft missbrauchten Begriff Heimat. Patriotismus ist für mich vielschichtig.

Das beginnt mit dem morgendlichen Blick auf den Traunstein und endet mit der Freude darüber, frei diesen faszinierenden Kontinent bereisen zu dürfen. Während also die wunderbaren Sängerknaben aus St. Florian die österreichische Bundeshymne interpretierten, kam es zu diesem kurzen, unvergesslichen Moment, als die neue Textstelle mit „großer Töchter und Söhne“ gesungen wurde und plötzlich ganz spontan Applaus im Publikum zu hören war. Ich sehe, wie unserem Stargast auf der Bühne, Dirk Stermann, ein Lächeln über das Gesicht huscht und wir vermutlich in diesem Moment ganz ähnliche Gedanken haben.

Unser Land hat so viele großartige Töchter, dass wir sie mit Stolz in dieser Hymne hochleben lassen sollten. Es war höchst an der Zeit, das in diesem offiziellen musikalischen Dokument unserer Republik auch sichtbar zu machen. Ich weiß schon, jetzt kommen wieder jene, die sagen: „Ja, haben wir denn keine anderen Probleme und Sorgen?“

Das mag schon sein. Und trotzdem wird eine moderne, gerechte und aufgeklärte Gesellschaft auch über diese symbolischen Schritte Kraft für neue Wege in die Zukunft daraus ziehen.

Mein achtjähriger Sohn fragte mich nach dem Konzert, warum die Leute plötzlich so spontan geklatscht hätten. Ich konnte ihm daraufhin auf diese Art erklären, wie das in der Vergangenheit war und wie teilweise hart erkämpft dieser symbolische Schritt erstritten werden musste. Er war fasziniert. Und die legendäre Aktion von Maria Rauch-Kallat und ihren Mitstreiterinnen im damaligen Nationalrat hab ich ihm gleich noch miterzählt. So gab es für ihn Musik, Parlamentarismus, Zeitgeschichte und Emotion in einem. Nicht schlecht, oder? Und so ganz nebenbei: Musikalisch passt der neue Zusatz ganz wunderbar und grooven tut das rhythmisch auch. Und da - mit Verlaub - kenn ich mich aus. Und so wird mir dieses Konzert sehr lange in Erinnerung bleiben.

Falls Sie das Konzert noch sehen wollen: Bis Donnerstag Abend kann man es in der TV-Thek des ORF noch erleben.

Ihr Martin Grubinger

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