06.07.2019 06:00 |

„Krone“ im Irak

Sinnlose IS-Zerstörung der Wiege der Menschheit

Während ihrer Herrschaft zerstörten die Terroristen des Islamischen Staats zahlreiche Kunstschätze und Weltkulturerbe. Manches wollte man die Welt aber nur glauben machen.

Dort, wo die Flüsse Euphrat und Tigris zusammentreffen, nahe der südirakischen Stadt Querna, soll der Legende nach der Garten Eden gewesen sein. Das Paradies. Die Wiege der Menschheit. Mag man glauben oder auch nicht. Vieles spricht zumindest dafür. Die Stadt Ur, in der die Schrift erfunden wurde, liegt nicht weit weg. Ebenso die erste bekannte Siedlung, die einer Stadt gleichkam: Nippur. Die Hauptstädte des assyrischen Reichs - das erste bekannte Großreich - waren Nimrud und Assur, sie liegen - bzw. lagen - im Umland von Mossul, ebenso wie Hatra. Bis der IS kam.

Die Bilder der Zerstörung unschätzbarer und unwiederbringbarer Kulturgüter in den Museen von Mossul oder den bekannten Ausgrabungsstätten gingen um die Welt. „Mit ihrem Feldzug gegen das Kulturerbe zerstören die Fanatiker auch das Einzige, was die Iraker über die ethnischen und religiösen Gräben hinweg eint: Ihr Stolz, die Wiege der Menschheit zu sein“, schrieb Inga Rogg folgerichtig in der „Neuen Zürcher Zeitung“. Lange war keiner mehr dort, die Stätten Sperrgebiet.

Mutwillige Vernichtung - oder cleverer Coup?
„Tretet nur da hin, wo ich hintrete“, mahnt der Soldat. Ich leiste Folge. Er deutet im Gestrüpp auf eine nicht explodierte Granate. „Wir wissen nicht, was hier noch alles liegt.“ Hier, das ist Nimrud. 2015 hat der IS eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten der Welt mit Planierraupen und Fassbomben dem Erdboden gleichgemacht.

Der Anblick der mutwilligen und sinnlosen Zerstörung ist fürchterlich. Ähnliches versuchten die Terroristen auch in Assur und Khorsabad. Mit weniger Erfolg. Zu groß, zu weitläufig war das Gebiet. Teile Hatras wurden vernichtet. Im Stadtteil Ninive von Mossul sprengte der IS das mutmaßliche Grab des Propheten Jonah, bekannt aus der Bibel-Geschichte „Jonah und der Wal“. In Kirkuk zerstörten sie eine Moschee, in der sich das Grab des Propheten Daniel befinden sollte. „Hass auf alles Heidnische“ soll den IS angetrieben haben. Aber hat er das wirklich?

Über Banken in Katar machte der IS Deals
Unter anderem über diverse Banken in Katar machte der IS Deals. Internationale Geschäftsleute verhandelten mit Vertretern des IS über den Verkauf und Weiterverkauf von Öl (unter anderem in die Türkei). Der IS verlangte nur ein Drittel des handelsüblichen Preises. Und nicht selten sollen als „Zuckerln“ verloren oder zerstört geglaubte Kunstwerke aus den geplünderten Gebieten in die Wohnzimmer der Verhandlungspartner gewandert sein.

Aber der Irak ist, was Plünderungen betrifft, ohnehin ein gebranntes Kind. Schon nach dem Sturz von Saddam Hussein war es den westlichen Alliierten kein Bedürfnis, die jahrtausendealten Kunstwerke im Nationalarchiv oder im Nationalmuseum zu beschützen. Vieles wurde unwiderbringlich - und gezielt - geraubt. Das Nationalarchiv bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Weswegen es auch im irakischen Nationalmuseum keine Erinnerungen an die jüngere Geschichte gibt. Es wurde alles zerstört. Wie auch die Wiege der Menschheit.

Clemens Zavarsky, Kronen Zeitung, berichtet aus dem Irak. Lesen Sie hier den ersten, zweiten und dritten Teil seiner Reportage.

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