03.07.2019 09:30 |

Betrugsprozess

Afrika-Deals rissen Tiroler in den Abgrund

Er handelte mit Lebensmitteln und hatte große Supermarktketten als Partner. Dann setzte ein Unterländer (51) auf dubiose Geschäfte in Afrika, erhoffte sich Millionen. Als alles schief ging, zerbrach auch das heimische Geschäft. Übrig blieben Schulden und ein Prozess.

„Ich war wie in einem Drogenrausch und habe immer weiter auf Geld gehofft“, blickte der Angeklagte auf seine Geschäfte mit Commodity (frei übersetzt: Allerweltsprodukte) zurück. In afrikanischen Ländern wie Mali fädelte der Unterländer große Deals mit Produkten wie Speiseöl oder Reis ein. An 39,2 Millionen Euro Gewinn, so sagte er später bei der Polizei aus, habe er geglaubt.

Fatale Folgen in Heimat
Die fehlenden Einnahmen wirkten sich dann auch in Tirol fatal aus. Das Geschäftsmodell des 51-Jährigen bestand nämlich darin, Supermarktketten mit kleinen Lieferanten zusammenzubringen, die als „Einzelkämpfer“ mit einem einzigen Produkt kaum eine Chance erhalten hätten. Doch der Angeklagte kannte die Einkäufer der Ketten. So organisierte er, dass ein Bekannter (gleichzeitig Großhändler) Geflügelfleisch an den Supermarkt liefern durfte. In der prekären Finanzlage kassierte der Angeklagte dann von den Supermärkten ab, blieb das Geld aber seinem Bekannten schuldig. So lange, bis dieser Anzeige erstatten musste.

„Löcher gestopft“
„Ich habe damit Löcher gestopft, Leasingraten, meine Assistentin und Miete bezahlt“, räumte der 51-Jährige ein. „Sie haben es ernsthaft für möglich halten müssen, dass sie nie zahlen können“, plädierte der Staatsanwalt auf schweren Betrug. Dies sah auch der Schöffensenat so (nicht rechtskräftig). Wegen des geringen Einkommens des Tirolers betrug die Geldstrafe nur 480 Euro. Rund 28.000 Euro werden vom Geschädigten im Zivilrechtsweg eingeklagt.

Andreas Moser

Andreas Moser
Andreas Moser
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