28.06.2019 12:00 |

Nationalpark

Im Untersulzbachtal fließt das Wasser noch wild

Im Nationalpark Hohe Tauern gibt es 342 Gletscher, 279 Bäche, unzählige Wasserfälle und 551 Bergseen. Aus diesem Grund wird das Gebiet auch als „Wasserschloss der Alpen“ bezeichnet. Im Untersulzbachtal im Pinzgau fließt das Wasser noch wild.

Während vor dreißig Jahren im Nationalpark noch gegen den Bau von Kraftwerken gekämpft wurde, sind die Herausforderungen heute stattdessen vom Klimawandel beeinflusst, erklärt Ferdinand Lainer, stellvertretender Nationalparksdirektor Salzburg. Immer häufiger komme es zu Erdrutschen und Hochwassern. „Wir wurden in den letzten Jahren immer mehr vor die Herausforderung des Umganges mit den Gewässern nach einem Hochwasser gestellt. Wo wir vorher gekämpft haben, dass die Bäche frei fließen können, ohne dass sie in ein Kraftwerk laufen, ist es jetzt der Rückbau nach Katastrophen, dem wir uns stellen.“

  So auch im Wildnisgebiet Sulzbachtäler im Salzburger Teil des Parks, wo ein Erdrutsch infolge eines nächtlichen Gewitters aus der Fahrbahn entlang des Obersulzbaches einen Geröllhaufen und die Weiterfahrt unmöglich gemacht hat.

  „Ein Nationalpark ist immer ein Spannungsfeld“, so Lainer. Einerseits gelte es, „die Natur zu schützen und zu bewahren, andererseits zu Erholung und Erbauung zu nützen.“ Der Nationalpark Hohe Tauern gliedert sich deshalb in drei Teile: eine Außenzone, in der traditionelle Alm- und Landwirtschaft betrieben wird und die der Erhaltung heimischer Nutztierrassen dient, eine Kernzone und letztendlich ein Wildnisgebiet, das frei von menschlichen Einflüssen ist.

Ab in die Wildnis

  Der Untersulzbach zieht sich durch alle drei Zonen. Je weiter man ins Tal vordringt, umso weiter bleibt die Zivilisation zurück. Schritt für Schritt wird aus der Straße ein Schotterweg, aus dem Schotterweg ein Wanderpfad, bis man nur noch ab und zu Spuren eines Weges findet.

  Das Bewässerungskonzept der beiden Sulzbäche sieht vor, den Flüssen Raum zu geben und somit einerseits Hochwasserschutz durch Vorbeugung zu leisten, andererseits ein natürliches Ökosystem zu erhalten. Der Talboden im Untersulzbachtal gehört hier ganz dem Fluss, von den Felswänden und Berghängen plätschert immer wieder Wasser hinunter.

  Doch auch im Untersulzbachtal geht es nicht immer so friedlich zu, wie man beim Eintritt in die Wildniszone in 1.600 Meter Höhe merkt. Hier sucht man vergeblich nach Trampelpfaden, zu wenige Wanderer dringen bis hierher vor. Monatelang wird dieser Teil des Nationalparks von keinem Menschen betreten, das sei über die Wintermonate „lebensgefährlich“, betont Lainer. An einem Ufer des Untersulzbaches liegt noch Schnee - vor wenigen Tagen ist hier eine Lawine heruntergekommen, hat meterhohe Felsblöcke mitgerissen und unter anderem das Schild, das den Beginn der Wildniszone kennzeichnet, unter Eis begraben. „Alles ist im Fluss“, zitiert Lainer die alten Römer: Das Wasser lässt sich seinen Weg nicht vorgeben.

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