20.06.2019 18:06

Springfestival Graz

Soap&Skin: Bewegendes Heimspiel für Anja Plaschg

Was für ein Heimspiel! Viele Jahre hat die gebürtige Gnaserin Anja Plaschg alias Soap&Skin kein Konzert mehr in ihrer steirischen Heimat gespielt. Mittwochabend hat sie das heurige Springfestival mit einem grandiosen Auftritt eröffnet, bei dem sie sich selbst und ihrer Band, aber auch dem Publikum einiges abverlangt hat.

Umringt von schwarz gekleideten Musikern betritt Anja Plaschg ganz in weiß die Schloßbergbühne Kasematten. „I was an angel, living in the garden of evil“ wird sie im Laufe dieses Abends in einem Cover von Lana del Rey noch singen und damit das Bild auf der Bühne klanglich vollenden: ein weißer Engel im Garten des Bösen - ängstlich, wütend, furios!

Fremdkörper in der Spaßgesellschaft
Plaschg ist kein logischer Opening-Act für das Springfestival, das ja eher für seine Partystimmung bekannt ist - und genau deshalb ist sie perfekt dafür. Sie ist ein - mal schüchtern flüsternder, mal wütend aufschreiender - Fremdkörper in der Spaßgesellschaft und verlangt nicht nur sich selbst und ihrer Band einiges ab.

„Ein bisschen leiser bitte“
Zweimal unterbricht sie etwa ihr Cover von „Voyage, Voyage“, weil das laute Gequatsche im Zuhörerraum sie stört. Nur fair, immerhin gibt sie auf der Bühne alles, um jene Wellen der Emotion zu erzeugen, von denen sich ihre Fans weltweit bei Konzerten überschwemmen lassen möchten. Dafür verlangt sie aber eben auch ein Mindestmaß an Konzentration.

Grandiose Band
Im Gegenzug bietet sie ein Konzerterlebnis, das einem Crescendo gleicht: Zu Beginn dominieren die zarten Töne, die Verzweiflung, die in vielen ihrer Songs und Coverversionen (von Robert Johnson bis Velvet Underground) ohnehin immer mitschwingt. Einige Nummern bestreitet sie alleine am Klavier, nur langsam, so scheint es, traut sich auch ihre grandiose Band (Streicher, Bläser, Schlagwerk) aus der Deckung, um beim bewegenden Trauerlied „Vater“ erstmals die Geschütze aufzufahren.

Große Wandlungsfähigkeit
Es ist der traurige Starschuss für die zweite Hälfte, in der sie ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Scheinbar mühelos wechselt sie die Genres und macht sie ihr eigen: Auf „Italy“ und „Heal“, ein hymnisches Song-Duo, in dem sie die Eltern-Kind-Beziehung besingt, folgt mit „Surrounded“ ein stählerner Elektro-Kracher und mit „Mawal Jamar“ ein syrisch-kurdischer Art-Rap, bei dem Plaschg zur kämpferischen Tänzerin (à la Billie Eilish) mutiert.

Und wenn zum Finale die letzten - mitunter schrägen - Töne ihres Covers von „Wonderful World“ verklungen sind, weiß man: Soeben hat man die Welt in all ihrer erschreckenden Hässlichkeit aber auch in all ihrer fragilen Schönheit erlebt.

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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