16.06.2019 06:44 |

Schlagfertig

Grüß Gott, liebe Leser der „Krone“!

Bei einer gemeinsamen Bergtour auf den oberösterreichischen Schafberg, mit herrlichem Blick auf das Salzkammergut, hab ich mit dem berühmten österreichischen Dirigenten Franz Welser-Möst über die heimische Musikerseele gesprochen. Franz kann das wahrscheinlich besser beurteilen als jeder andere. Er ist Chefdirigent des amerikanischen Cleveland Orchestra und war viele Jahre Musikchef der Wiener Staatsoper.

Den Unterschied zwischen den Musikern hier in Österreich und seinen Musikern in Amerika hat er mir so erklärt: „In Amerika bekomme ich Musik in technischer Perfektion geboten. Alle Musiker spielen nahezu perfekt und auf spieltechnisch höchstem Niveau. Doch in Österreich bekomme ich das Musikantische. Da spürt und fühlt man, dass viele Musiker den tschechischen, ungarischen, deutsch-österreichischen Musiktraditionen entstammen. Im besten Sinne echte Musikanten, die ihre Wurzeln in der Blasmusik, der Tanzmusik, der familiären Hausmusik oder der böhmischen Hochzeitsmusik haben.

Bürgerliche Traditionen, die oft über Generationen in der Familie weitergegeben wurden. Der Opa, der Onkel, die Tante, die Schwester und der Nachbarbub spielten alle die Geige. So ergab sich eine lange gewachsene Spieltradition: Der besondere Schmelz im Ton, der unvergleichliche musikantische Spielstil der Musik aus Österreich, auch inspiriert durch die vielen musikalischen Strömungen des vergangenen Habsburger Reiches. Das macht die Einzigartigkeit aus.“

An die so sympathische Analyse von Franz Welser-Möst musste ich denken, als ich vor einigen Tagen für Fernsehaufnahmen in Oberösterreich unterwegs war. In Bad Ischl habe ich den Besitzer der Kaiservilla, Markus Emanuel Habsburg-Lothringen, getroffen, der mir begeistert von seiner Liebe zur Musik erzählt hat. In St. Martin im Innkreis durfte ich an der örtlichen Musikschule mit einem jungen Schlagzeugkollegen, der an der dortigen Musikschule seinen Unterricht bekommt, musizieren.

Der Kapitän der Fähre Ottensheim ist leidenschaftlicher Perkussionist, speziell bei Gipsy Musik spürt man seinen Groove.

Der oberösterreichische Technologie-Primus Voest-alpine ließ mich in dessen Stahlwelt lostrommeln und in der Landesgartenschau von Stift Aigen-Schlägl traf ich eine Damenrunde, die für mich spontan ein Ständchen gesungen hat.

Wunderbare Begegnungen. Das Land lebt und atmet Musik. Wir dürfen uns aber auf dieser Tradition nicht ausruhen. Musik zu machen, ist etwas Einzigartiges, das wir unseren Kindern in den Schulen und Kindergärten nicht vorenthalten dürfen. Singen, tanzen, kreativ sein und musizieren zu können, sind wichtige Facetten in der Entwicklung unserer Kinder, damit sie ihre Fantasie ausleben können und diese später auch in ihrem (Berufs-)Leben nutzen können.

Dass beispielsweise Schüler einer HTL oder auch HAK keinen Musikunterricht haben, halte ich für einen veritablen Skandal. Das darf nicht sein! So etwas kann sich ein Musikland nicht leisten.

In diesen Tagen denke ich gerne an meinen kürzlich verstorbenen Blasmusikkollegen Albert Muss. Ein Musikant, dessen Liebe zur Musik ich immer bewundert habe. Noch vor einigen Jahren habe ich ihn, zu sehr später Stunde, beim Gstanzl Spielen mit Kollegen beobachtet und erstaunt festgestellt, wie jung und vital ihn die Musik machte. In diesen Momenten sah ich keinen alten Mann – die Musik hat ihm seine Jugendlichkeit wiedergeschenkt.

„Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“, sagte einst Richard Wagner. Und wenn man sich ihr öffnet, genießt man eventuell den Kuss der Musen.

Ihr Martin Grubinger

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