Augenprothetiker:

„Ich gebe Menschen die Lebensqualität zurück“

Nikolaus Kerbl hat einen wahrlich außergewöhnlichen Beruf. Er ist so selten, dass er der Einzige ist, der ihn in Wien ausführt: Augenprothetiker. Er stellt künstliche Augen aus Glas oder Kunststoff her. „Mit meinem Beruf kann ich Menschen etwas sehr Gutes tun, weil sie durch das Tragen eines Glasauges wieder normal am Leben teilnehmen können“, sagt Nikolaus Kerbl beim City4U-Besuch in seinem Institut.

Eine eigene Berufsausbildung gibt es für den Augenprothetiker nicht. „Ich habe Apparateglasbläser gelernt. Die Spezialisierung kam dann im Betrieb. Bereits mein Großonkel und Onkel waren in diesem Beruf tätig“, erzählt der 49-Jährige. Seit 1990 führt er nun seinen Beruf aus und ist mittlerweile der Einzige in diesem Feld in Wien. „Es gibt noch einen in der Steiermark und einen in Niederösterreich. Das war es dann aber.“

Die Prothesen, die Kerbl anfertigt, werden aus Glas oder Kunststoff gemacht. Die Herstellung eines Glasauges dauert etwa zwei Stunden. „Zuerst wird der Rohling ausgesucht, dessen Färbung der Iris des gesunden Auges am meisten gleicht. Danach wird er über der Gasflamme verarbeitet. Zum Schluss werden noch feine Äderchen und andere Verfärbungen aufgebrannt, damit es so natürlich wie möglich aussieht.“ Die Kosten für eine Augenschale betragen etwa 150 Euro und werden von der Krankenkasse übernommen.

Österreichweit gib es etwa 5000 Prothesenträger. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: „Zu mir kommen Versehrte vom Kleinkind bis zum Greis. Manche haben eine Missbildung von Geburt an, andere litten an einem Tumor oder hatten einen Unfall. Durch meine Arbeit kann ich ihnen etwas Gutes tun und sie können wieder normal am Leben teilnehmen. Die Augenprothese gibt ihnen die Lebensqualität zurück.“ Vor allem junge Menschen würden oft mit diesem Schicksal hadern und sich die Frage „Warum ich?“ stellen. „Natürlich nehme ich auch Anteil an den Schicksalen“, sagt Kerbl. Doch das Positive an seiner Arbeit überwiege.

Die Augenschale muss zwar regelmäßig mit lauwarmen Wasser gereinigt werden, kann aber stets ohne Unterbrechung getragen werden. „Nach etwa zwei Jahren sollte man die Prothese dann wechseln.“ Abhängig von der Schwere der Verletzung gelängen die Prothesen laut Kerbl oft so gut, dass sie einem Laien kaum als solche auffallen würden, wenn man nicht ganz genau hinsehe. „Auch beim Augenarztbesuch ist es schon vorgekommen, dass nicht nur das gesunde Auge eingetropft wurde, sondern auch das Glasauge“, schmunzelt der Wiener und ergänzt schnell: „Aber vielleicht geschah das auch einfach nur aus Gewohnheit.“

Juni 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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