So, 16. Juni 2019
09.06.2019 11:56

AMS für „Maßnahmen“

Mangel trotz Zuwanderung: Wettlauf um Facharbeiter

Die Arbeitslosenraten sinken nicht nur in Österreich. Denn der Bedarf an gut ausgebildeten Kräften ist trotz Zuwanderung aus der EU derzeit nicht abzudecken.

Es sieht auf den ersten Blick nach einer schlechten Nachricht aus: Österreich belegte, was die Arbeitslosenraten betraf, jahrelang Spitzenränge in der EU. Diese Zeiten sind vorbei. Aktuell liegen wir mit 4,8% nach Eurostat-Berechnung nur noch auf Platz 13, obwohl die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung auch bei uns deutlich abgenommen hat.

Doch andere waren besser, vor allem Tschechien, Deutschland und Holland. Allerdings fällt auf, dass es vor allem die Länder Osteuropas sind, die uns in dieser Statistik überholt haben. Für den AMS-Chef und Arbeitsmarkt-Experten Johannes Kopf liegt die Erklärung auf der Hand: „In den letzten Jahren sind Hunderttausende EU-Bürger, vor allem aus dem Osten, zu uns gekommen. Da waren vor allem viele Facharbeiter darunter, die bei uns so dringend benötigt werden.“

Ähnliches gilt für andere westeuropäische Länder. Das erklärt, warum z. B. Polen, Tschechien oder Rumänien auf einmal so niedrige Arbeitslosenraten haben und dort auf einmal die Fachkräfte ausgehen. Kopf: „Dieser Wanderungsprozess hat den Wirtschaftsstandort Österreich gestärkt, weil unsere Betriebe dadurch wettbewerbsfähiger geworden sind.“

Viele offene Stellen trotz Zuwanderung aus der EU
IT-Kräfte, Metallverarbeiter (Dreher, Fräser), Mechatroniker oder Köche sind nach wie vor sehr gefragt, trotz der EU-Zuwanderung können viele offene Stellen im Inland nicht besetzt werden. Doch das Problem wird sich weiter verschärfen. „Die Mangelberufsliste wird jedes Jahr länger“, gibt Kopf zu. Für Berufe, die sich darauf befinden, dürfen auch Nicht-EU-Bürger angeworben werden. Der Zugang zur Rot-Weiß-Rot-Karte soll vereinfacht werden. Zusätzlich versucht das AMS, mit einem Bündel an Maßnahmen die Situation in Österreich zu verbessern.

Nachfrage im Westen zehnmal höher als Angebot
Zum einen gibt es das regionale Problem, das schon bei den Lehrlingen beginnt: Im Westen ist die Nachfrage zehnmal so hoch wie das Angebot. Ähnliches gilt auch für die Tourismusberufe. Kopf: „Da haben wir jetzt z. B. eine Kooperation zwischen der Wachau und dem Pongau gestartet, damit die einen nach Saisonende gleich dort anfangen können.“ Viel Potenzial sieht der AMS-Chef auch bei den 60- bis 65-Jährigen. „Wenn ein Firmenchef klagt, er kriegt keine Facharbeiter, und gleichzeitig gehen seine im Schnitt mit 62 in Pension, dann stimmt etwas nicht. Da muss er sich bemühen, die zu behalten.“

Wettbewerb um Facharbeiter wird sich weiter verschärfen
Auch bei der Frauenbeschäftigung sieht Kopf noch viel Potenzial. Österreich hat die zweithöchste Teilzeitquote in der EU. „Wenn man es z. B. durch bessere Kinderbetreuung ermöglicht, dass Frauen nicht 20, sondern 30 Stunden arbeiten können, profitieren alle.“ Dazu müsste man manchmal auch Arbeitszeitmodelle in den Betrieben umstellen. Denn eines ist klar: Die Zahl der 15-Jährigen ist bei uns gesunken, daher wird sich der Wettbewerb um die Facharbeiter weiter verschärfen.

Manfred Schumi, Kronen Zeitung

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