Di, 25. Juni 2019
07.06.2019 14:16

Cooles Projekt

Eisberge sollen Kapstadts Wasserkrise lösen

Bereits seit Jahren kämpft die südafrikanische Hafenstadt Kapstadt aufgrund einer anhaltenden Dürre mit Wasserknappheit. Mit einer nicht ganz neuen Idee will nun der Bergungsexperte Nick Sloane die Metropole mit kühlem Nass versorgen. Seine Idee: Er will Eisberge aus der Antarktis vor die Küste der Metropole schleppen und das geschmolzene Wasser über Leitungen nach Kapstadt transportieren.

Sollte die südafrikanische Regierung grünes Licht für das Projekt geben, könnten die ersten Lieferungen bereits im kommenden Frühjahr in der Küstenstadt eintreffen, verspricht Sloane, der sich für das kühne Projekt mit dem norwegischen Glaziologen Olaf Orheim zusammengetan hat.

Jährlich brechen in Antarktis 140.000 Eisberge ab
Die Idee klingt einfach: Jedes Jahr brechen in der Antarktis rund 140.000 - mehr oder weniger große - Eisberge ab und treiben durch den Südlichen Ozean. Mithilfe von Satelliten sollen diese Eisriesen lokalisiert werden, Sonar- und Radarscans sollen bei der Auswahl helfen. Anschließend soll ein passender Eisberg eingefangen und an den Zielort geschleppt werden. In den Eisberg soll dann eine Mulde gegraben werden, in der sich das geschmolzene Wasser sammelt. Dieses soll dann in Tanker gepumpt, mit diesen den Hafen von Kapstadt transportiert und in das Trinkwassernetz der Stadt eingespeist werden.

„Wir wollen solche Eisberge abschleppen, die sehr weit im Norden treiben - doch wir können die Beschaffung nicht davon abhängig machen. Manchmal geschieht es von selber, dass die Eisberge sehr weit nördlich treiben. Vor ein paar Jahren war ein Eisberg nördlich von Buenos Aires“, weiß Gletscherexperte Orheim. Eine Technik, mit der sich Eisberge einfangen lassen, gibt es bereits: Spezialschiffe schützen so Bohrplattformen im Nordatlantik vor Treibeis.

Eisberg soll mit Strömung nach Kapstadt driften
„Wir werden nicht in der Lage sein, einen Eisberg mit einem Gewicht von 100 Millionen Tonnen abzuschleppen, wir müssen nur seinen Kurs ändern. Man kann den Kurs bis zu 30, 40 Grad ändern und versuchen, ihn in eine andere Strömung zu bugsieren. Es ist wie mit zwei Bahnstrecken. Eine geht zum südlichen Ozean, eine führt nach Kapstadt“, sagt Bergungsexperte Sloane, der schon einen sinkenden Öltanker vor Mexiko gerettet und das vor der Insel Giglio auf Grund gelaufene italienische Kreuzfahrtschiff Costa Concordia geborgen hat.

Ein Eisberg mit einem Gewicht von etwa 100 Millionen Tonnen könnte rund ein Viertel des Wasserbedarfs von Kapstadt decken, erkläutert Sloane, der derzeit Geldgeber für das kühne Projekt sucht. Es handle sich dabei nicht um irgendein Wasser, denn Wasser aus einem Eisberg sei das qualitativ beste weltweit, so der 58-jährige Südafrikaner.

Auch Emirate wollen Eisberg vor Küste ziehen
Ganz neu ist der Plan nicht: Zuletzt hatte ihn im Mai 2017 ein Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über ein ähnliches Projekt diskutiert. Die Firma will einen Eisberg von der Antarktis bis vor die Küste der VAE schleppen, um so für Trinkwasser und besseres Klima ebendort zu sorgen. Experten gehen davon aus, dass die gesamte Golf-Region spätestens in zwei Jahrzehnten an chronischem Wassermangel leiden wird.

Neuesten Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge haben weltweit mehr 2,1 Milliarden Menschen keine reguläre Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Die Vereinten Nationen befürchten, dass bereits im Jahr 2030 die weltweite Nachfrage nach Wasser das Angebot um 40 Prozent übersteigen könnte.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder

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