01.06.2019 06:01 |

Simmeringer Brandopfer

„40 Jahre meines Lebens gingen in Rauch auf“

Ihre Wohnung, Kleider, Kinderfotos des Sohnes, Möbel, Erinnerungsstücke: Binnen einer Stunde verlor Margit Frei ihr gesamtes bisheriges Leben. Ohne Zutun, völlig schuldlos. Die Berufs-Chauffeurin (58) ist eine der 370 Brandopfer von Simmering. Am Sonntag kicken Fußballlegenden für sie und sammeln Spenden.

Nach einem anstrengenden Nachtdienst hatte sich die Wienerin ins Bett gelegt, als die Flammen in der Wohnhausanlage am Enkplatz Mitte Mai zu wüten begannen. „Als ich aufwachte, standen plötzlich zehn Feuerwehrleute vor der Tür und schrien: ,Rennen Sie!‘“

Video: 123 Wohnungen bei Großbrand in Simmering zerstört

„Binnen einer Stunde war alles zerstört“
Die Chauffeurin konnte sich gerade noch ihre Handtasche schnappen und floh im Nachthemd durch das verrauchte Stiegenhaus ins Freie. Ihre Wohnung direkt unter dem Dach ist vom Brand besonders betroffen. „Von unten konnte ich mit ansehen, wie 40 Jahre meines Lebens in Rauch aufgingen. Binnen einer Stunde war alles zerstört.“ Heute sind von den 60 Quadratmetern nur noch ein klaffendes Loch und stark verkohlte Außenmauern übrig.

Mehr als ein Jahr wird Margit Frei nicht in ihr altes Zuhause zurückkehren können. So lange dauert der Wiederaufbau. Die Stadt Wien spricht von einem „besonderen Härtefall“ und hat der 58-Jährigen eine Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Heute weiß man: Weder Brandstiftung noch Unachtsamkeit hatte die Katastrophe ausgelöst, sondern ein technischer Defekt.

Elektro-Defekt löste Katastrophe aus
Die Polizei hat Halogenlampen, gelagerte Altbatterien und einen alten Laptop als „Missetäter“ geortet. Eine verhängnisvolle Mischung, die eine „punktuelle Kontakterwärmung“ zur Folge hatte. Kurzum: Es hätte jeden treffen können. Brandopfer oder nicht, alles eine Frage des Zufalls.

Fußballlegenden - unter anderem Michael Helm, Günter Schießwald, Julius Simon und Günther Jerabek -  helfen und laden am 2. Juni zum Benefizspiel auf den Sportclub-Platz (17. Bezirk, Alszeile 19). Start: 14.15 Uhr. Auf den Tribünen werden Spenden gesammelt. Der Erlös kommt Margit Frei zugute.

Alex Schönherr, Kronen Zeitung

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