29.05.2019 09:58 |

Muss man sehen...

Concorso d‘Eleganza: Autos, Schampus, Wolkenbruch!

Wenn Geld de facto abgeschafft ist, trennt sich auch unter den Superreichen der Pöbel von der Eleganz der Gesellschaft. Die einen ziehen Linien am Tisch, versuchen Zeitungen zu infiltrieren und der Gesellschaft zu schaden, die anderen stecken das, wovon sie am meisten haben, in wunderschöne Autos und feiern Tradition im besten Sinne. So am vergangenen Wochenende auf dem supereleganten Concorso d‘Eleganza Villa d‘Este am Comer See. Ob es stürmt oder schüttet.

Dieses Jahr floss nicht nur der Champagner in Strömen, die wertvollen Oldtimer standen stundenlang im strömenden Regen. Doch das tat der ausgelassenen Stimmung auf einem der wichtigsten Schönheitswettbewerbe für historische Autos keinen Abbruch.

Wenn es ins Glas regnet, muss man einfach schneller trinken, könnte man sagen, aber das war das geringere Problem. Viele der Pretiosen besitzen kein Dach! Doch keiner der Besitzer, die auf Einladung ihr Fahrzeug zur Schau stellen durften, musste sich auch nur annähernd nachsagen lassen, wasserscheu zu sein. Man spannte einfach den Regenschirm auf! Wasser im Auto? Trocknet wieder! Wer sagt da, Geldadel sei verweichlicht?

Die Hautevolee feierte jedenfalls ausgelassen, die Gäste saßen ja im Trockenen und bekamen am Nachmittag die Kandidaten für die Preisverleihung in mehreren Kategorien einzeln vorgeführt. Im Trockenen. Und über jedes Auto und seinen Besitzer wurde die Geschichte erzählt. Etwa die von einem Ferrari 250 GT California Spyder SWB, der jahrelang unter Stapeln von Automagazinen in einer Scheune vor sich hin verrottete, wobei nicht einmal der Hersteller wusste, dass es das Fahrzeug gab - es wurde in den Ferrari-Aufzeichnungen als Coupé geführt, obwohl es ein Cabrio ist.

Traumhafte Location am Comer See
Bis zum Samstagnachmittag glänzten die Exponate an den beiden Austragungsorten Villa d‘Este (ein ehemaliger Bischofspalast mit Park) und Villa Erba (Drehort u.a. von „Ocean‘s Twelve“) noch in strahlender Sonne. Man wusste kaum, wohin man zuerst schauen sollte, so viele unterschiedliche Fahrzeuge aus verschiedensten Epochen boten sich den Blicken an.

Vom Ufo-artigen Ferrari 512 S Modulo mit seiner aufschiebbaren Pilotenkanzel über den einspurigen Gyro-X, der während der Fahrt die Balance mit einem Kreiselinstrument (Gyroskop) hält bis zum BMW 507, der einst Elvis Presley gehört hat und hier im Zentrum der Anlage auf einer überdimensionalen Schallplatte gezeigt wird.

Alfa Romeo gewinnt Hauptpreise
Eine Teilnahme am Concorso d‘Eleganza kann sich für Autobesitzer regelrecht auszahlen: Wer einen der begehrten Preise verliehen bekommt, kann sich dadurch zugleich über eine Wertsteigerung freuen. Und es wurden viele Preise vergeben, darunter der für den besten Motorsound (Ferrari 275 GTB Competizione, Baujahr 1966). Die beiden Hauptpreise, die Publikumswertung Coppa d’Oro sowie die Trofeo BMW Group als „Best of Show“, gingen an den Alfa Romeo 8C 2900B.

Eines der auffälligsten Fahrzeuge, bei dem man sich nicht wundern würde, wenn es seitlich Tragflächen ausfahren könnte, erhielt den Preis für das am besten erhaltene Nachkriegsauto: der CD Panhard LM64, angetrieben von einem 78 PS starken Zweizylinder-Boxermotor.

Ältestes Motorrad 118 Jahre alt - und fährt!
Auch Motorräder haben seit Jahren ihren Platz auf dem Concorso. Das älteste ausgestellte war eine Holcroft mit 213-ccm-Einzylinder aus dem Jahr 1901, die den Weg aus Österreich zwar nicht auf Achse angetreten hatte, vor Ort aber unter dem Jubel der Gäste durch den Regen fuhr.

Den Best-of-Jury-Preis erhielt aber eine 1929er-Koehler-Escoffier, ein 980-ccm-Zweizylinder. Dem Publikum gefiel die BMW R68 am besten.

Tradition trifft Moderne
BMW fiel noch mit einem weiteren Boxer-Motorrad auf, das auf den ersten Blick aus einer ähnlichen Zeit zu stammen scheint: die BMW Concept R18. Diese Studie mit einem riesigen 1,8-Liter-Boxer soll nächstes Jahr in Serie gehen - mit nur leichten Änderungen. Direkt daneben präsentierten die Münchner das Design-Vorbild der R18, die BMW R5 aus dem Jahr 1936, die bis in die 1950er-Jahre richtungsweisend für den Motorradbau bei BMW war.

Doch es gab noch mehr Modernes zu bestaunen, es wurden einige Fahrzeug-Studien gezeigt. Vom 16,7 Millionen Euro teuren Bugatti La Voiture Noire (den angeblich nun doch nicht Fußballstar Ronaldo gekauft hat) über den Peugeot e-Legend bis hin zu zwei weiteren Motorrad-Studien, von Ducati und MV Agusta.

Verlorener Sohn einfach neu geboren
Außer Konkurrenz zeigte BMW noch ein Auto: den BMW Garmisch 2002ti, der 1970 gezeigt wurde und eine Art Blaupause für das Design der ersten 5er- und 7er-Generation war. Der Wagen ging allerdings verloren - nun wurde er auf Basis einer Handvoll Fotos und unter Mitwirkung des damaligen Bertone-Designers Marcello Gandini neu geschaffen.

Nicht nur anschauen, kaufen!
Alljährlich ging es am Comer See aber nicht nur ums Sehen und Gesehenwerden, sondern auch ums Einkaufen: RM Sotheby‘s versteigerte wertvolle Autos und Memorabilia. Jedoch blieben die meisten Kaufpreise hinter den Schätzwerten zurück, für fast die Hälfte der Fahrzeuge wollte nicht einmal jemand den Startpreis bezahlen.

Die höchsten Preise erzielten ein 1954er Ferrari 500 Mondial Spider um 3.717.500 Euro sowie ein Porsche 550A Spyder um 3.380.000. Viele Superklassiker, darunter der Mercedes-Benz 300 SL Roadster von 1963, die Shelby Cobra 427 von 1965 oder der Maserati Ghibli 4.7 Spyder von 1970 blieben stehen.

Alle Jahre wieder
Ursprünglich war der Concorso d‘Eleganza im Jahr 1929 als alljährlicher Tummelplatz für herausragende Neuerscheinungen ins Leben gerufen worden. Diese klassische Form der Veranstaltung endete im Jahr 1952. Mitte der 1980er-Jahre wurde die Veranstaltung mit dem heutigen Konzept zur Prämierung von edlen Oldtimern wiederbelebt. Im Jahr 1999 übernahm die BMW Group die Schirmherrschaft. Seit 2005 tritt sie gemeinsam mit dem Grand Hotel Villa d‘Este als Veranstalter auf.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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