Besonders sensibel

Neue Studie: Kröten könnten vor Erdbeben warnen

Wissen
31.03.2010 10:41
Eine kleine, braune und schrumpelige Amphibie könnte sich als verlässliches Frühwarnsystem für Erdbeben erweisen: Männliche Erdkröten reagieren laut einer Studie sehr sensibel auf erste Anzeichen für Erschütterungen der Erdkruste. Laut einer neuen Studie brachten sich die Tiere bereits fünf Tage vor dem schweren Erdbeben in den italienischen Abruzzen im April vergangenen Jahres in Sicherheit.

Die Autorin der am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Journal of Zoology" veröffentlichten Untersuchung, die Biologin Rachel Grant von der britischen Open University, war zehn Tage vor dem Erdbeben für eine wissenschaftliche Beobachtung von Kröten an den See San Ruffino gereist, der 74 Kilometer nördlich von L'Aquila liegt. Während sich am 28. März mehr als 90 männliche Kröten zur Laichzeit um den See versammelt hatten, nahm die Zahl zwei Tage später rapide ab. Am 1. April, fünf Tage vor dem Erdbeben, hatten sich 96 Prozent der männlichen Kröten aus dem Staub gemacht.

Kröten kehrten nach Beben zurück
Wenige Tage nach dem Erdbeben vom 6. April kamen Dutzende Erdkröten zum Vollmond, einem Höhepunkt der Paarungszeit, an den See zurück. Die Zahl lag aber um 50 bis 80 Prozent niedriger als in den Vorjahren und nahm dann sofort wieder ab. Erst zwei Tage nach dem letzten schweren Nachbeben nahm die Zahl der beobachteten Erdkröten wieder deutlich zu. Zudem waren drei Tage vor dem Beben alle Kröten-Paare verschwunden. Zwischen dem Erdbeben und dem letzten schweren Nachbeben wurde außerdem kein frischer Krötenlaich entdeckt.

Das Verhalten der Kröten ist Grant zufolge äußerst ungewöhnlich: Normalerweise würden männliche Kröten eine bestimmte Gegend bis zum Ende der Laichsaison nicht verlassen. Der Biologin zufolge könnten die Kröten Anzeichen für Erdbeben wie bestimmte Gase oder elektrisch geladene Partikel ausmachen und so gewarnt werden. 

Lange Suche nach Frühwarnsystem
Auf der Suche nach einem Frühwarnsystem für Erdbeben wurden bereits Tiere wie Elefanten, Pferde, Wölfe, Schlangen und Fische als mögliche Kandidaten genannt. Diese Studie ist Grant zufolge aber eine der ersten, in der das Verhalten von Tieren vor, während und nach einem Erdbeben dokumentiert wird.

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