28.05.2019 11:09 |

Eine Rezension

„Katanga - Diamanten“: Eine heikle Geschichte

Die gnadenlose Ausbeutung von Mensch und Land in Katanga, einer ehemaligen Provinz der Kolonie Belgisch-Kongo, wird in dem packenden Polit-Thriller zum Thema gemacht. Inmitten von sauber aufbereitetem geschichtlichen Hintergrund geht es um die Leute, um das Überleben und um den Kampf um Unabhängigkeit. Wir haben uns den Comic, der für Gesprächsstoff sorgt, genauer angesehen.

Es gibt wenige Comics, die sich problematischer präsentieren. Ein Duo aus Europäern zeichnet und erzählt mit einer Mischung aus tatsächlichen Fakten und fiktiven Gestalten die Geschichte einer afrikanischen Provinz nach, die ehemals eine von vielen Kolonien Belgiens war. Begeisterte Rezensionsstimmen loben den Zeichenstil und die spannende Geschichte rund um Charlie und eine Handvoll Diamanten. Doch was hat es mit dem Comic eigentlich auf sich und woher kommt das ungute Gefühl in der Magengrube beim Lesen?

Die Geschichte beginnt in einer der ehemaligen Kolonien des belgischen Königs. Nach brutalen Ausschreitungen und Massakern unter der Bevölkerung tritt auch nach der erklärten Unabhängigkeit keine Ruhe ein. Milizen arbeiten für verschiedene Auftraggeber in der Provinz und sowohl die UNO als auch die UMHK (Union Minière du Haut Katanga, eine englisch-belgische Minengesellschaft, die maßgeblich an der Ausbeutung der Provinzs beteiligt war) üben Druck auf Katanga aus. Die Unabhängigkeit Katangas ist wiederrum dem Kongo ein Dorn im Auge, dieser erklärte 1960 seine Unabhängigkeit und statt mitzuziehen, kapselte sich die Provinz Katanga selbst vom sogenannten „Mutterland“ ab.

„Die Wege (...) waren von menschlichen Skeletten gesäumt“
Nach einem kurzen Ausflug in die Historik landen wir im Jahr 1960. Katanga, unabhängig und hart umkämpft, scheint nur noch von Außen gesteuert zu werden. Armand Orsini, Berater des Innenministers, heuert europäische Söldner an, um einerseits die Blauhelme der UNO zu umgehen und andererseits, um selbst Kontrolle ausüben zu können. Der gefährliche Felix Cantor, seines Zeichens Mann fürs Grobe, bekommt inmitten von Explosionen und abgehackten Gliedmaßen den Auftrag, in einem Flüchtlingslager einen jungen Schwarzen zu finden, der angeblich Diamanten schmuggelt. Diamanten im Wert von 30 Millionen Dollar. Während sich die erste Hälfte des Comics mit dem geschichtlichen Hintergrund auseinandersetzt, handelt die zweite Hälfte von Machenschaften, Intrigen und ausschweifenden Gewaltdarstellungen.

Das Problem dahinter
Frankobelgische Zeichenstile leben oft von einer übertriebenen Darstellung der Zeichnungen. Doch leider muss man sagen, dass gerade die körperlichen Merkmale der schwarzen Charaktere im Falle der Frauen übermäßig sexualisiert wirken und am Beispiel der Männer an die menschenverachtenden Zeichnungen der Jim-Crow-Gesetze erinnern. Gerade die Tatsache, dass man wenig Unterschiede zwischen den einzelnen schwarzen Menschen erkennen kann und nur zu oft Hinweise auf Kannibalismus, Verrat oder Sexfantasien fallen gelassen werden, spricht wieder einmal dafür, dass man in Geschichten besser mit einem Team aus Leuten mit mehreren kulturellen Hintergründen arbeiten sollte.

Nury/Vallée, ISBN: 978-3-96219-131-3, Splitter Verlag

Tipp: Eine Leseempfehlung zu der Problematik der Comicreihe ist „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge erschienen bei Klett-Cotta.

Anna Krupitza
Anna Krupitza
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