20.05.2019 08:42 |

Schockierendes Finale

„Game of Thrones“: So endet der Krieg um den Thron

Bereitet euch vor, die empörten Reaktionen kommen! Nach acht Staffeln ist in der Nacht auf Montag die epische HBO-Serie „Game of Thrones“ mit einem schockierenden und zugleich berührenden Finale zu Ende gegangen. Wer zuletzt am Eisernen Thron sitzt, wenn sich die Asche des Kriegs gelegt hat, wird viele Fans überraschen, wenn nicht sogar über die Maßen empören. Ob die Serie, die für ihre tragischen Tode und dramatischen Wendungen berüchtigt ist, Daenerys Targaryen und Jon Schnee einen krönenden Abschluss vergönnt hat, oder doch zur von vielen befürchteten Entthronung wurde, lesen Sie hier. Mit Spoiler-Warnung für all jene, die sich noch nicht auf die letzte Reise nach Königsmund begeben haben. 

Was schreibt man über das Ende der größten Serienproduktion der Filmgeschichte? Auf dem Finale von „Game of Thrones“ lasteten die enormen Erwartungen der Millionen Fans rund um den Globus. Die Fantasy-Serie polarisierte von Anfang an mit seinen Wendungen und den mittlerweile berüchtigten Toden. Nein, in der Welt von Westeros war acht Staffeln lang niemand seines Lebens sicher, auch kein prominenter Hauptdarsteller.

Und dennoch spaltete die sechs Folgen lange finale Staffel der HBO-Serie das Publikum wie noch nie zuvor in der Geschichte über das titelspendende Spiel um den (Eisernen) Thron. Das Schicksal der vielschichtigen Figuren, von Daenerys Targaryen über Tyrion, Jamie und Cersei Lennister, Arya und Sansa Stark bis zu Jon Schnee, war es, was die Serie so vielen Menschen ans Herz wachsen ließ. Das und die spektakulären Bilder, die es so noch nie im Fernsehen zu sehen gab. Da fällt der Abschied erwartungsgemäß schwer.

Feuerspeiende Drachen am Himmel und blutige Schlachten am Boden, Mittelalter-Leben mit einer Prise Fantasy, aber nicht zu viel. Die Realitätsnähe und mythologischen Elemente hielten sich meist die Waage - zum Vorteil für „Game of Thrones“, das im Laufe der Jahre mit Lob und Preisen regelrecht überhäuft worden ist.

Das Ende der acht Staffel langen Reise durch die Sieben Königslande - und zahlreiche eindrucksvolle Schauplätze nördlich und östlich von Westeros - konnte angesichts des Hypes wohl nur enttäuschen. Bereits seit Beginn der finalen sechs Folgen, die im XXL-Format in Überlänge aktuellen Hollywood-Blockbustern um nichts nachstehen, regte sich Widerstand gegen die Entscheidungen der Serienmacher David Benioff und D.B. Weiss. Die Art und Weise, wie die Produzenten das Königsdrama rund um Daenerys Targaryen, Jon Schnee und der - zuletzt stark dezimierten - geliebten ebenso wie verhassten Riege an Figuren zu Ende gehen ließen, sorgte für äußerst emotionale Reaktionen.

Groß war die Empörung vor dem Finale darüber, dass Daenerys Taragaryen offenbar das Erbe ihres verrückten Vaters Arys II antritt und als „Mad Queen“ in der schockierenden fünften Folge „Die Glocken“ auf dem Rücken ihres Drachen Drogon Königsmund in Schutt und Asche legt. Ängstlich und wütend sah angesichts solch fragwürdiger, aber irgendwie doch nachvollziehbarer Wendungen ein beachtlicher Teil der Fans dem Ende entgegen, wie an den teils überzogenen Reaktionen in sozialen Netzwerken unmittelbar nach der US-Ausstrahlung deutlich herauszulesen war.

Dabei kann es eigentlich nicht wirklich überraschen, dass „Game of Thrones“ auch im Abgang den Zusehern noch ein letztes Mal den Boden unter den Füßen wegzieht. Zur Erinnerung: Es handelt sich um jene Serie, die immer schon mit einer Schock-Strategie von sich reden machte, angefangen von der Enthauptung von Ned Stark (Sean Bean) in der ersten Staffel bis hin zum Big Bad höchstpersönlich, dem Nachtkönig, dessen weltenbedrohende Gefahr letztlich mit einem einzelnen Messerstich beseitigt wurde. Das Finale folgt jedenfalls genau dieser altbewährten Formel und wird die Fans der Serie wohl in absehbarer Zukunft beschäftigen.

Achtung, hier wird das Ende gespoilert!
Wer die sechste Folge noch nicht gesehen hat, sollte hier aufhören zu lesen! Nach dem Inferno der fünften Folge gleicht das einst prächtige Königsmund einem Trümmerfeld. Überall liegen die teils verkohlten Leichen von Menschen herum, es sind Soldaten aber auch Frauen und Kinder unter den Toten. Daenerys hat Missandeis letzte Forderung erfüllt und in einem selbstgerechten Hass alles und jeden in der Hauptstadt der Sieben Königreiche niedergebrannt.

Die überlebenden Soldaten Cerseis werden von Grauwurm und den Unbefleckten an Ort und Stelle hingerichtet, das kann auch Jon Schnee nicht verhindern, der ebenso fassungslos durch die Asche der Zerstörung schreitet wie Tyrion Lennister und Arya Stark. Daenerys schaut als Herrscherin, mit den Flügeln des Drachen als gigantisches Symbol hinter ihr, von den Trümmern der Roten Burg auf ihren Sieg hinab.

Da ist keine Spur von Selbstzweifel, keine Reue für den Mord an tausenden Zivilisten in ihrem Blick. An dessen Stelle ist ein Wahnsinn in ihre Augen getreten. Die Drachenmutter ist vollkommen von sich und ihrem Handeln überzeugt: sie ist die Befreierin, die Brecherin von Ketten - und ihr Krieg ist noch nicht vorbei, wie sie ihren Untergebenen verkündet. Um es mit ihren eigenen Worten aus früheren Tagen zu sagen: „Ich bin Daenerys Sturmtochter vom Blut des alten Valyria, und ich nehme mir, was mein ist! Mit Feuer und mit Blut werde ich es mir holen!“

Ihrer „Hand“ ist das zu viel. Tyrion Lennister, der die Leichen seiner Geschwister Jamie und Cersei in den Katakomben der Roten Burg beweinen muss, tritt von seinem Posten als Berater der Königin ab - und wird umgehend von Daenerys wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, hat er doch seinem Bruder zur Flucht verholfen. „Ich habe meinen Bruder befreit, Ihr zerdrücktet eine Stadt“, sind Tyrions letzte Worte an seine Königin, der er nicht mehr folgen kann, bevor er abgeführt wird.

Hält Jon Schnee „seiner Königin“ die Treue?
Die allesentscheidende Frage: Was wird Jon Schnee machen? Wird der Mann, der sich als Targaryen-Erbe entpuppen sollte, der Machtpositionen nur widerwillig angenommen und jede Forderung, er solle doch über Westeros herrschen, ausgeschlagen hat, seiner Königin die Treue halten? Seine Schwester Arya erinnert ihn daran, dass er aus Sicht „seiner Königin“ immer eine Gefahr darstellen wird. Daenerys sei „Jedermanns Königin“, erwidert er.

Aber glaubt Jon wirklich noch an diese Königin? Hätte er die Stadt niedergebrannt, fragt ihn Tyrion. Glaube und Liebe ist, was am Ende von „Game of Thrones“ übrigbleibt, wie ein Gespräch in der Zelle zwischen Jon und Tyrion klarmacht. „Daenerys glaubt an ihr Schicksal, die ganze Welt zu befreien. Sie tötet überall böse Männer und wir bejubeln sie dafür. Und Sie glaubt noch mehr an ihre Gütigkeit“, formuliert der letzte der Lennister-Geschwister das Dilemma. Und die Liebe? Die ist für den gescheiterten Königsberater „stärker als die Vernunft“, warnt er Jon vor der falschen Entscheidung. „Liebe ist der Tod der Pflicht“, antwortet Jon mit einem Zitat von Maester Aemon.

Daenerys blickt indessen voller Sehnsucht auf den Eisernen Thron, der sich nun angesichts des gewaltigen Ausmaßes der Zerstörung in der Roten Burg vor freiem Himmel präsentiert - ein beeindruckendes Bild der Drachenmutter vor dem Thron, von dem sie ihr Leben lang geträumt hat. Als Jon sich - mit freundlicher Erlaubnis von Drogon - zu ihr gesellt, scheint für Daenerys alles in Erfüllung gegangen zu sein. Die Vorwürfe, die ihr Jon entgegenschmettert, wischt sie mit religiöser Überzeugung beiseite. „Ich weiß was gut ist“, ist sie sicher und wünscht sich, das Rad mit Jon gemeinsam zu brechen.

Dieser Moment empört die Fans
Doch der hat sich anders entschlossen - und sorgt für den wohl empörendsten Moment in der empörungsreichen Geschichte der Serie: Die beiden küssen sich ein letztes Mal und Daenerys Herrschaft ist mit einem letzten Atemzug zu Ende. Jon hat ihr in der Umarmung das Kurzschwert in den Bauch gerammt, die Drachenmutter verblutet in den Armen ihres Geliebten. In einer berührenden letzten Szene für die Königin, schwingt sich Drogon mit ihrer Leiche in seiner Klaue in die Lüfte und fliegt davon.

Das war also die Geschichte von „Daenerys aus dem Hause Targaryen, der Ersten ihres Namens, Königin von Meereen, Königin der Andalen, der Ersten Menschen und der Rhoynar, Regentin der sieben Königslande, Beschützerin des Reiches, Mutter der Drachen, Khaleesi des großen Grasmeeres, Khaleesi des Dothrakischen Meeres“ - ein blutiges Ende durch die Hände von Jon Schnee!

Die Frage, wer am Ende am Eisernen Thron sitzen wird, erscheint angesichts des tragischen Todes der beliebten Figur, nach der viele Fan-Eltern gar ihre Kinder benannt haben, nur noch Nebensache - und kann im eigentlichen Sinne auch nicht wirklich beantwortet werden. Denn bevor sich Drogon mit Daenerys davonmacht, schmilzt der Drache in seiner Raserei den Thron von Westeros - aber nicht Daenerys‘ Mörder Jon - mit seinem Feuer zu einer Lacke flüssigen Metalls, dass die Burgmauer herunterrinnt.

Abschied von beliebten Figuren
„Game of Thrones“ ist nach dem empörenden Tod von Daenerys im letzten Drittel des Finales damit beschäftigt, die Scherben aufzusammeln und sich von den noch verbliebenen Figuren gebührend zu verabschieden. Wirklich dramatische Momente kommen dabei keine mehr zustande, wenn das letzte Kapitel der Saga zugeschlagen wird. Die Entscheidung der mächtigsten Lords und Ladys von Westeros, der Erbmonarchie ein Ende zu setzen und künftig einen König durch Wahl zu bestimmen, folgt der von der Serie transportierten Botschaft von der Bedeutung des „Kleinen Mannes“.

Der erste gewählte Monarch wird auf Vorschlag von Tyrion Bran Stark, der als „Bran der Gebrochene“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Er herrscht aber nicht über die Sieben sondern nur noch über die Sechs Königslande, denn Sansa Stark erklärt den Norden zu einem unabhängigen Königreich, wie es immer schon eines gewesen sei. Sie ist am Ende mit einer Krone am Kopf auf ihrem eigenen Thron in Winterfell zu sehen, während Schwester Arya Westeros mit einem Lächeln im Gesicht den Rücken kehrt, auf einem Schiff Richtung Westen.

Der Kreis schließt sich
Und der Königinnenmörder? Jon darf am Leben bleiben, muss aber für den Rest seines Lebens dorthin, wohin es ihn am Beginn seines Abenteuers verschlagen hat: Zur Nachtwache. Somit schließt sich der Kreis, „Game of Thrones“ endet genau dort, wo es angefangen hat, wenn Jon Schnee zusammen mit Tormund und einer Schar Wildlinge vom freien Volk in die Wälder jenseits der Mauer im hohen Norden von Westeros reitet.

Seinen treuen Gefährten, den Schattenwolf Geist, hat Jon dabei zur Freude der Fans wieder an seiner Seite …

Harald Dragan
Harald Dragan
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