Auf Instagram

Kein Platz für Postings über psychische Probleme

Über psychische Erkrankungen wird immer noch nicht gerne geredet. Viele Betroffene machen aus ihrem Problem ein Geheimnis, weil sie in vielen Bereichen noch immer stigmatisiert werden. Jene, die allen Mut zusammen nehmen und offen darüber sprechen, um sich und anderen zu helfen und die Bevölkerung zu sensibilieren, haben in den sozialen Medien allerdings keinen Platz. Instagram löschte vor kurzem mehrere Postings von diesen Usern, weil auf Fotos heilende Narben von früheren Selbstverletzungen zu sehen waren. Der Grund? Man möchte nicht, dass dieses schwierige Thema glorifiziert wird.

Instagram wurde öfters mit den Vorwürfen konfrontiert, nicht streng genug gegen problematische Inhalte vorzugehen. Vor allem Bilder, die Selbstverletzungen und Suizid verherrlichen würden, müssten ausnahmslos entfernt werden, so die Kritiker. Ein besonders aufsehenerregender Fall in diesem Zusammenhang war jener der 14-jährigen Molly Russel im Jahr 2017. Die Schülerin begingt Selbstmord, weil sie an Depressionen litt. Ihre Eltern hatten davon aber keine Ahnung und fanden nach ihrem Tod heraus, dass ihre Selbstverletzungsfantasien wohl auf Plattformen wie Instagram genährt wurden.

Also wurden im Februar diesen Jahres die Richtlinien verschärft. Bilder mit Selbstverletzungen und Narben sollten nicht mehr gezeigt werden. Man wolle Menschen aber nicht isolieren oder stigmatisieren. Das ist vor kurzem aber einigen Usern passiert, wie der deutschen Bloggerin Saskia. Auf ihrem Instagram-Profil spricht sie offen über ihre psychische Erkrankung, in deren schlimmster Phase sie zu selbstverletzendem Verhalten neigte. Nun geht es ihr aber besser und sie möchte anderen Betroffenen Mut machen und ihnen die Angst nehmen, über psychische Probleme zu reden. Trotzdem wurde nun ihr Posting gelöscht, da auf dem Foto dazu ihre verheilten Narben zu sehen waren.

Es ist ja lobenswert, dass Instagram Inhalte löscht beziehungsweise löschen will, die Suizid und Selbstverletzungen glorifizieren. Es ist aber schlecht, wenn nicht richtig differenziert wird und Beiträge, die sensibilisieren und helfen wollen, mitentfernt werden. Auf das konkrete Vorgehen bei Saskias Posting spricht Instagram in einer Stellungnahme von einem „Versehen“. Es ist sicherlich ein schwieriges Thema, wie man damit umgehen soll. Natürlich müssen problematische Inhalte wie die Aufforderung zur Selbstverletzung gelöscht werden. Das heißt aber nicht, dass jedes Foto von Menschen mit Narben entfernt werden soll, nur weil sie sich trauen, offen über ihre Erkrankung zu sprechen.

Mai 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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