14.05.2019 06:31 |

Die Buhlschaft:

„So ein Hype um eine Rolle ist mir neu“

 Buhlschaft Valery Tscheplanowa - die Chemie mit Jedermann Tobias Moretti stimmt, und Veronika Ferres fand sie als Buhle bezaubernd

Die auch aus Fernsehen und Kino bekannte russisch-deutsche Schauspielerin ist die neue Buhlschaft in Hofmannsthals Klassiker. Im „Krone“-Gespräch verrät die 39-jährige, wie sie sich auf ihren Auftritt auf dem Salzburger Domplatz vorbereitet, warum sie die Gefahr liebt und worauf sie sich in Salzburg am allermeisten freut.

Frau Tscheplanowa, Sie geben im Sommer bei den Festspielen die Buhlschaft im Jedermann. Erst unlängst waren Sie bei einer Geschäftseröffnung in Salzburg, Medienrummel inklusive. Wie gehen Sie mit der „neuen“ Aufmerksamkeit um Ihre Person um?

Es ist etwas Besonderes. Ich hab in den letzten Jahren für meine Arbeit Anerkennung vor allem in Form von Preisen oder Kollegen bekommen. So einen Hype, schon bevor ich überhaupt auf der Bühne gestanden bin, zu erleben, ist neu, aber keineswegs unangenehm.

Als Jedermann steht Ihnen Tobias Moretti zur Seite. Hatten Sie schon das Vergnügen?

Noch bevor wir uns offiziell vorgestellt wurden, sind wir uns zufällig in einer Hotellobby in Frankfurt über den Weg gelaufen. Er hat mich zunächst gar nicht erkannt. Also bin ich hin und sagte: Guten Tag, wir arbeiten bald zusammen (lacht). Daraufhin haben wir uns zusammengesetzt und kennengelernt – die Chemie stimmt.

Wie werden Sie die Rolle der Buhlschaft anlegen?

Mit Regisseur Michael Sturminger habe ich natürlich schon viele Dinge besprochen, und wir wollen auch etwas wagen und ausprobieren. Aber Genaueres darf ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie sich auf jede Rolle äußerst intensiv und diszipliniert vorbereiten. Wie legen Sie es bei der Buhlschaft an, zumal die Rolle nicht unbedingt die Tragweite von Ihren bisherigen Engagements hat? Sie brillierten unter anderem. in Castorfs „Faust“ an der Berliner Volksbühne oder letzten Sommer in Ulrich Rasches Inszenierung von „Die Perser“ bei den Festspielen.

Ich weiß nicht, ob man unbedingt von diszipliniert sprechen muss. Ich interessiere mich einfach auch um das ganze Drumherum, vom Autor des Stücks angefangen, bis hin zu den Darstellern. Für den Jedermann hab ich mir nahezu alle Aufführungen der letzten vierzig Jahre angesehen. Das hat mich umgehauen. Zudem sieht man, was Schauspieler aus diesem Stück rausholen können, aber auch wie sich die Inszenierungen im Laufe der Zeit verändert haben.

Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Absolut faszinierend fand ich Gert Voss, weil er das Stück auf eine ganz eigene Art angepackt hat. Auch Brandauer gefiel mir sehr gut. Als österreichischer Paradeschauspieler wusste er natürlich perfekt mit dem typischen Schmäh – so sagt man doch? –, aber auch mit der langen Tradition des Stückes umzugehen.

Und bei den Buhlschaften?

Da fand ich Veronika Ferres ganz bezaubernd. Mit ihrem wunderbar fraulichen Körper, war sie einfach perfekt. Sie gab der Rolle mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrer Schönheit eine enorme Tragweite.

Sie wirken im Vergleich dazu eher zierlich.

Ich hätte ja auch niemals damit gerechnet, dass man mich dafür in Betracht zieht (lacht). Ich war völlig überrascht, als mich letzten Herbst Schauspieldirektorin Bettina Hering damit konfrontierte und hab’ gleich gefragt, wer dahinter steckt. Dann war es tatsächlich dieser Sturminger (Anm. Regisseur). Bei unserem ersten Treffen dachte ich mir, das ist ja wirklich ein merkwürdiger Geselle. Ich hab mich natürlich vorher über seine Arbeit erkundigt und war zum einen überrascht, dass er unter anderem schon mit John Malkovich gearbeitet hat. Völlig umgehauen hat mich aber, als ich erfahren habe, dass er auch mit Chulpan Khamatov, sie ist die einzige russische Schauspielerin, die wie ich aus Tatarstan kommt, eine Theaterproduktion gestaltet hat.

Mittlerweile hat sich Ihre Meinung über ihn aber bestimmt geändert?

Mir gefällt seine Herangehensweise, dass man mit dem Stück etwas „anstellen“ kann, ohne seine 100-jährige Tradition direkt anzugreifen. Ich gehe mit dieser Tradition auch sehr respektvoll um und schaue, wie ich mich in sie einfügen kann.

Sie sind mit acht Jahren nach Deutschland gekommen, und Ihre Mutter, eine Dolmetscherin, hat ab diesen Zeitpunkt kein Wort Russisch mehr mit Ihnen gesprochen. Mit 17 sind Sie von zu Hause ausgerissen und haben auf der Straße gelebt. Waren Sie immer schon ein Revoluzzerin und Kämpferin?

Ich hab’ schon Scheu, aber ich liebe es dennoch, mich in Gefahr zu begeben. Mir ist, als ich eineinhalb Monate auf der Straße lebte, auch nicht wirklich was passiert. Im Gegenteil, die Menschen haben mir geholfen und ich habe beeindruckende Sachen erlebt.

Sie haben mit Größen wie Frank Castorf („Faust“) oder Dimiter Gotscheff („Hamletmaschine“, „Volpone“) zusammengearbeitet. Waren die Beiden Ihre Lehrmeister?

Die Begegnung mit Gotscheff war fast märchenhaft. Ich kam direkt nach meiner Ausbildung zum Vorstellungsgespräch ans deutsche Theater Berlin und er hat mich gleich auf Russisch mit „Guten Tag“ begrüßt. Ich war vollkommen überrascht, zudem ich natürlich nicht erwartet hätte, dass er von meiner russischen Herkunft wusste. Bei beiden, Gotscheff und Castorf, kann man durchaus von meinen Lehrmeistern sprechen.

Welche Pläne schmieden Sie für Ihre Zukunft?

Ich kann mich sehr glücklich schätzen, zumal sich schon Vieles, speziell am Theater erfüllt hat. Deshalb möchte ich mich zukünftig mehr mit Film, auch auf internationaler Ebene, beschäftigen. Aktuell drehe ich gerade den Kinofilm „Trümmermädchen“. Außerdem möchte ich mich in meiner Theaterkarriere auch weiterhin großen literarischen Männerrollen widmen (Anm. sie spielte unter anderem den Franz Moor in Schillers „Räuber“). Kleists „Penthesilea“ wäre so ein Stück. Jetzt muss ich nur noch den passenden Regisseur dafür finden (lacht).

Was schätzen Sie besonders an Salzburg?

Ich liebe das Café Bazar und die Salzburger Nächte. Diese merkwürdige Stimmung inmitten dieses Kessels fasziniert mich. Ganz besonders freue ich mich aber auf die Menschen, mit ihnen nach der Vorstellung zu sprechen. Dass man mich auf der Straße erkennt und anspricht, hatte ich bis dato nämlich noch nicht. Darauf freue ich mich.

Die obligate Frage zur Farbe des Kleids erübrigt sich vermutlich?

Ich kann nur sagen, mir gefällt es wunderbar.

Tina Laske
Tina Laske
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