So, 19. Mai 2019
06.05.2019 06:35

„Der letzte Krieg“

„Game of Thrones“: Wird Wahrheit alles zerstören?

„Wir haben den Großen Krieg gewonnen, jetzt ist es an der Zeit, auch den letzten Krieg zu gewinnen“: Nach der größten Schlachtplatte, die jemals im TV zu sehen war, richten sich in „Game of Thrones“ jetzt alle Augen auf Königsmund. In Folge 4 der finalen Staffel der epischen Fantasy-Serie dreht sich alles um Tyrannen und „gute Männer“, und darum, dass das Geheimnis um Jon Schnees wahre Herkunft das Schicksal von ganz Westeros besiegeln könnte. Daenerys, Jon, Sansa, Arya, Tyrion und auch Cersei Lennister - alle müssen folgenschwere Entscheidungen treffen. Wer am Ende am Eisernen Thron sitzen wird, bleibt weiterhin völlig offen.

Nach der wahrhaft epischen Schlacht der „Langen Nacht“ in Folge 3 der HBO-Serie, in der zahlreiche beliebte Charaktere das Zeitliche segneten, ist den Überlebenden auf Winterfell, ebenso wie den Fans vor dem Bildschirm, in Folge 4 der finalen sechs Episoden der achten und letzten Staffel eine kurze Atempause vergönnt - der überraschende Sieg über den Nachtkönig will schließlich auch ordentlich gefeiert werden. Natürlich aber erst, nachdem um die Gefallenen getrauert wurde.

Wenn sich Ritter lieben
Wenn der Alkohol in Strömen fließt, wird bekanntlich gerne philosophiert. Und natürlich auch den fleischlichen Lüsten gefrönt - für einen ganz besonderen Ritter gar zum ersten Mal. Was für ein wundervoller Moment, wenn Jamie Lennister zu Brienne aufblickt, die beiden sich in die Arme fallen, leidenschaftlich küssen und sich endlich das Bett teilen. Bester Satz der ganzen Episode: „Ich habe noch nie mit einem Ritter geschlafen.“

Doch nicht alles ist so rosig wie es nach der Rettung von ganz Westeros vor den untoten Horden zunächst scheinen mag. Da werden zwischen Trinksprüchen und Lobliedern in der großen Halle von Winterfell vielsagende Blicke, nicht nur zwischen Jon Schnee und Daenerys Targaryen, ausgetauscht. Etwas Unausgesprochenes hat sich zwischen die beiden Liebenden gedrängt, die Spannung in der Luft ist regelrecht greifbar.

„Die Wahrheit wird uns zerstören“
Mittlerweile ist klar, dass Jons wahre Herkunft zu einem entscheidenden Faktor im Kampf um den Eisernen Thron geworden ist. Während Daenerys sich wünscht, Jon hätte ihr die Wahrheit nie verraten, und ihn anfleht, das Geheimnis zu bewahren - um als ihr Mann an ihrer Seite zu herrschen -, beharrt Jon darauf, es zumindest seinen Schwestern anzuvertrauen. „Die Wahrheit wird uns zerstören“, prophezeit ihm die Drachenkönigin, bevor sie sich wenig später auf ihrem Drachen Drogon zum „letzten Krieg“ gegen Cersei in die Lüfte schwingt.

Am Ende der Folge wissen dann bereits acht Menschen in den Sieben Königreichen über Jon und seine Familiengeschichte Bescheid. „Es ist kein Geheimnis mehr, sondern Information“, wie es Varys gegenüber Tyrion Lennister trocken formuliert. Könnte Jon, der den besseren Anspruch auf den Thron hat, auch der bessere Herrscher sein? Entpuppt sich Daenerys am Ende gar als Tyrannin, die es zu stoppen gilt? Anzeichen dafür gibt es immer mehr, die Grund zur Sorge bereiten.

Während Tyrion, wenig glaubwürdig mit einem Becher Wein in der Hand, weiter an „seine Königin“ glauben will, stellt Varys klar, dass seine Loyalität stets dem Wohl des Königreichs, also den Menschen von Westeros, gilt. Der Eunuch, neben Tyrion der wichtigste Berater von Daenerys, zweifelt mittlerweile offen an, dass sie tatsächlich die richtige Wahl ist. „Warum sie?“, fragt sich auch Sansa mit Blick auf Daenerys, noch bevor sie von Jons wahrer Herkunft erfährt. Die Starks, so viel steht fest, wollen keinen Drachen auf dem Eisernen Thron sitzen sehen.

Achtung, ab hier wird wieder richtig gespoilert!
Doch dann ist die Zeit des Philosophierens über Könige und Tyrannen mit einem unerwarteten Schlag in den Magen vorbei, wenn es im letzten Viertel der Folge wieder zur Sache geht und den Zuschauern brutal in Erinnerung gebracht wird, wie gnadenlos „Game of Thrones“ sein kann. Denn als Daenerys‘ Flotte in Richtung Königsmund unterwegs ist, gibt es aus buchstäblich heiterem Himmel den nächsten tragischen Tod zu betrauern.

Rhaegal, ohne Jon als Reiter an der Seite von Daenerys auf Drogon, wird plötzlich von Pfeilen durchbohrt und stürzt tot ins Meer. Das große Sterben hat seine kurze Pause beendet und die letzte Schlacht rückt näher. Euron Graufreud höchstpersönlich hat die tödlichen Pfeile von einem seiner Schiffe auf den Drachen abgefeuert. Einem Teil von Daenerys‘ Flotte ergeht es nicht besser, Tyrion bleibt nichts anderes übrig, als sich mit einem Sprung ins Wasser zu retten.

Am Ende stehen sich Daenerys und Cersei an den Toren von Königsmund gegenüber, die eine vor der Mauer, die andere auf der Mauer. Ein letzter verzweifelter Apell von Tyrion an seine große Schwester, die „Eurons“ Kind im Bauch trägt (in Wahrheit ist es, wie schon ihre ersten drei, von ihrem Bruder Jamie), stößt auf taube Ohren. Statt wie gefordert zu kapitulieren, gibt Cersei in all ihrer perfiden Boshaftigkeit Gregor „Der Berg“ Clegane den Befehl, Missandei, die bei dem Angriff auf die Flotte von Euron gefangen genommen wurde, den Kopf abzuschlagen. Die letzten Worte der lieb gewonnenen Vertrauten der Drachenmutter: „Dracarys!“

Die letzte Einstellung zeigt Daenerys, die sich mit einem hasserfüllten Blick von Cersei und Königsmund abwendet. Die befürchtete Verwandlung in einen Tyrannen scheint immer wahrscheinlicher, es bleiben noch zwei Folgen, um es herauszufinden.

Eines wird aber immer deutlicher: Je näher das Ende rückt, desto kleiner scheint die Welt von Westeros. Die Handlung macht zwischen den einzelnen Szenen teils gewaltige Zeit- und Raumsprünge, die vormals ganze Episoden, wenn nicht gar ganze Staffeln in Anspruch genommen hätten. Eine wohl zwingende Entwicklung, um die Geschichte zu ihrem unausweichlichen Endpunkt zu treiben. Aber dennoch eine Entwicklung, die der Serie seit dem Moment, als sie die Romanvorlagen überholt hat, spürbar viel von ihrer früheren Qualität nimmt - die gerade von den gewaltigen Dimensionen der von Autor George R.R. Martin erschaffenen Sieben Königreiche gelebt hat …

Harald Dragan
Harald Dragan

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