19.03.2010 14:19 |

Alarm im Lungau

Kräfteraubender Einsatz bei Mega-Waldbrand

An die 70 Hektar Wald direkt über der Salzburger Ortschaft Muhr (Lungau) sind am Donnerstag ein Raub der Flammen geworden. Ein Landwirt hatte zuvor mehrere Reisighaufen abgebrannt. Durch Funkenflug breitete sich das Feuer aber binnen weniger Minuten unkontrolliert in alle Richtungen aus. Für 100 Einsatzkräfte begann ein kräfteraubender Kampf.

"Frau Lehrerin, was ist das, sehen Sie das?" Ganz aufgeregt umkreisten die 23 Kinder der Volksschule Muhr am Donnerstagvormittag plötzlich ihre Lehrerin Sabine Höggerl. Eine riesige Rauchwolke stieg vom Hang hinter dem Gebäude in den Himmel auf.

Schule evakuiert
"Wir hatten gerade draußen geturnt. Dann kamen auch schon einige Feuerwehrleute herüber und erklärten uns, dass wir sofort weg müssen", schildert Höggerl. "Die Kinder hatten überhaupt keine Angst. es gab auch keine Panik. Wir holten alle Rucksäcke und gingen zum Feuerwehrhaus. Dort warteten wir auf die Eltern", so Sabine Höggerl.

Wind entfacht Flächenbrand
Was war geschehen? Ein Landwirt hatte gegen 10 Uhr unterhalb der Huberwand mehrere Reisighaufen abgebrannt. Der starke Wind entfachte aber einen Flächenbrand. Und dieser breitete sich mit enormer Geschwindigkeit aus. Die Feuerwehren aus Muhr, St. Michael, Mauterndorf, St. Margarethen, Unternberg, Tamsweg und St. Andrä kamen mit 100 Mann zum Unglücksort. Zudem wurden sechs Hubschrauber angefordert.

Gefährlicher Kampf gegen die Flammen
Der Kampf gegen die Flammen gestaltete sich in der Folge mehr als nur schwierig. "Das ist ein total unwegsames und steiles Gelände. Zudem lösten sich ständig größere Felsbrocken. Am Anfang konnten wir nur mit den Hubschraubern löschen. Die holten das Wasser aus dem Stausee des Kraftwerks in Hintermuhr", schildert Abschnittsfeuerwehrkommandant Peter Löcker.

40 Mann zu Fuß zum Brandherd
Erst am späten Nachmittag wagten sich schließlich 40 Feuerwehrmänner bis zum direkten Brandherd in 1.700 Metern Höhe. "Wir mussten vom Tal aus zu Fuß hinauf marschieren. Alle Männer haben sogenannte Waldbrand-Geräte dabei. Das sind Behälter mit kleinen Spritzen, in die wir über die Hubschrauber ständig Wasser nachfüllen", erklärt Feuerwehrkommandant Hans Jürgen Schiefer aus Muhr. Seine Kameraden versuchten ein Übergreifen der Flammen auf ein noch größeres Gebiet zu verhindern.

Landwirt angezeigt
In den Abendstunden gelang es, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Auch der Wind wollte nicht nachlassen. "Das Gebiet ist zu groß. Wir werden hier wohl noch lange im Einsatz sein", glaubt Kommandant Schiefer. Der Landwirt, der den Großbrand ausgelöst hat, wurde mittlerweile angezeigt. Seine Entschuldigung: Er habe nicht mit einer derart dramatischen Entwicklung gerechnet.

"Brand aus" am Freitag?
Bezirksfeuerwehrkommandant Hannes Pfeifenberger rechnet damit, dass das Feuer am Freitag endgültig gelöscht werden kann. "Der Brand frisst sich je nach Windrichtung ins Gelände, in diesem Fall war es von West nach Ost und von Süd nach Nord", so Pfeifenberger. Es handelt sich um felsigen Boden, auf dem eine zwei bis fünf Zentimeter dicke Humusschicht liegt. "Zum Teil brennen Wurzeln, teilweise gibt es Stockbrand und zum Teil brennen auch die Bäume."

Nicht die Größe der betroffenen Fläche sei das Problem, sondern die Unwegsamkeit, schilderte der Feuerwehrchef. Dennoch werden sich die Helfer am Freitag über das 40 bis 45 Grad steile Gelände von oben nach unten durcharbeiten und alles umgraben. Zum Teil werde mit Wasser gelöscht, teils auch mit Werkzeug, so Pfeifenberger.

von Manuela Kappes, Max Grill (Kronen Zeitung) und krone.at
Bild: Roland Holitzky (
foto-studio.at)

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