20.04.2019 06:01 |

Gebote und Verbote

Zuerst das Formular, dann erst das Osterfeuer!

Ein Freudenfeuer gehört seit jeher zum höchsten Fest der Christen. Mittlerweile gelten dafür aber strikte Vorschriften. Verbote und Verordnungen gehören ebenfalls zu Ostern.

Grundsätzlich ist das Entfachen von Feuern ja verboten. Doch wie jede Regel, kennt auch diese Ausnahmen: Brauchtumsfeuer wie zur Sonnenwende am 21. Juni oder am Karsamstag können erlaubt sein, wenn folgender Instanzenweg eingehalten wird: Es muss erstens eine grundsätzliche Verordnung des Landeshauptmannes vorliegen, zweitens muss die Bezirksverwaltungsbehörde die Trockenheit beurteilen und daraufhin ihre Erlaubnis erteilen, drittens ist bei der Gemeinde das geplante Abbrennen einige Tage zuvor schriftlich zu melden.

„Löschhilfen bereitstellen“
„Die Feuerwehr kann den gemeldeten Platz der Feuerstelle kontrollieren“, erklärt Hermann Maier, der Leiter der Landesalarm- und Warnzentrale Kärnten. Denn es gilt, mindestens fünf Meter Abstand zu Gebäuden oder brennbaren Gegenständen einzuhalten und Löschhilfen bereitzustellen. Maier: „Bei großen Osterhaufen, die meist von Vereinen für den gesamten Ort aufgebaut werden, stellen wir einen Brandsicherheitswachdienst.“

An die 3000 Feuer lodern in der Nacht auf Ostersonntag allein in Kärnten. Verbrannt werden darf ausschließlich biogenes Material wie Baumschnitt und Holz. Seine Winterreifen im Brauchtumsfeuer zu entsorgen oder es mit Benzin zu entzünden, ist verboten.

Strafen von bis zu 3630 Euro
„Wirklich Schlimmes ist noch nicht passiert, aber einmal hatte einer den Haufen ausgerechnet unter einer Starkstromleitung gebaut“, erinnert sich Maier. Wer sich nicht an die Auflagen hält, muss mit einer Strafe von bis zu 3630 Euro rechnen. Nicht nur wegen der Tradition, sondern auch aus Tierliebe werden Osterhaufen erst am Karsamstag gebaut, denn Igel und andere Tiere könnten sich darin verkriechen und verbrennen.

Betrieben wird der ganze Aufwand aus einer Freude heraus. „Nach der Auferstehungsfeier in der Kirche entzündet man das Freudenfeuer. Das Licht steht für die Auferstehung, für Jesus“, so Heimo Schinnerl, der Leiter der Abteilung Volkskunde im Landesmuseum Kärnten. Nach altem Brauch wird am Osterfeuer Rosenkranz gebetet - danach gibt es wieder etwas von der am Nachmittag gesegneten Jause: Schinken, Kren, Eier, Reindling.

Immer öfter vereiteln Zündler den Brauch
 Mühsam werden Äste von Bäumen und Sträuchern zusammengetragen und aufgetürmt, um in der Nacht auf Ostersonntag ein großes Freudenfeuer entfachen zu können. Aber immer öfter vermiesen Zündler das Fest: Die Feuerwehren müssen ausrücken, die Polizei ermittelt. Denn vor der Osternacht ist ja jegliches offene Feuer verboten, oft ist das zu früh und illegal entzündete Reisig noch nicht an einer sicheren Feuerstelle aufgetürmt, sondern lagert nahe am Waldrand. 

Den Tätern drohen Verwaltungsstrafen. Sie müssen auch den Feuerwehreinsatz zahlen. Um zu garantieren, dass das Feuer wirklich erst in der Osternacht brennt, bewachen oft Vereine und Security-Mitarbeiter die Haufen.Vereine und auch Security-Dienste bewachen die Osterhaufen.

Feinstaub-Zenit beim höchsten Kirchenfest
Feinstaub, der für Atemwege, Lunge und Herz-Kreislauf-System gefährlich sein kann, ist vor allem in Beckenlagen ein Problem. Feinstaubwerte werden laufend gemessen und dürf(t)en nach einer EU-Luftqualitätsrichtlinie den Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter maximal 35 Mal im Jahr überschreiten; in Österreich werden lediglich 25 Überschreitungstage geduldet. Doch in Graz wurden im Vorjahr beide Limits überschritten - und zwar an 38 Tagen. Daher ist in der steirischen Landeshauptstadt jegliches Feuer verboten. In zahlreichen Gemeinden darf es nur einen gemeinsamen Osterhaufen geben. Damit soll eine unnötige Belastung der Umwelt vermieden werden. Messungen haben zum Teil bis zu dreimal höhere Feinstaubwerte ergeben.

Osterfeuer in Wien
Im Gegensatz zum ländlichen Raum wird das Brauchtum in der Donaumetropole kaum gepflegt. Der Grund sind die strengen feuerpolizeilichen Vorschriften, die im Stadtgebiet gelten. Wer dennoch nicht auf ein Osterfeuer verzichten will, kann zum Lebensbaumkreis am Himmel in Döbling kommen. Um 18 Uhr werden dort die Flammen entzündet und von der Auferstehung Jesu Christi künden. Am beliebten Ausflugsziel der Wiener sind sicher schöne Momente garantiert. Wer davor oder danach eine Stärkung braucht, kann ins nahe gelegene Restaurant Oktogon gehen. Serviert werden ein Osterschmaus mit traditionellem Schinken und anderen Köstlichkeiten.

Christina Natascha Kogler, Kronen Zeitung

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