17.04.2019 16:30 |

Es war ein Racheakt

20 Jahre Haft nach Messermord auf offener Straße

Es war offenbar ein Racheakt nach einer wilden Prügelei, die im Tod des Kontrahenten gipfelte und am Mittwochnachmittag mit einer Verurteilung wegen Mordes für den Angeklagten endete. Zu 20 Jahren Haft wurde der 33-Jährige verurteilt, weil er seinem früheren Arbeitskollegen im Dezember 2017 aufgelauert und den gleichaltrigen Mann gemeinsam mit einem bis dato unbekannten Komplizen auf offener Straße getötet hatte. Das Urteil gegen den Mazedonier ist vorerst nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte und sein Opfer waren einander in der Vergangenheit immer wieder auf diversen Baustellen über den Weg gelaufen und hatten sich dabei jedes Mal in die Haare bekommen. Bereits im Jahr 2008 kam es zwischen den beiden zu blutigen Handgreiflichkeiten, der Mazedonier soll den Kosovo-Albaner im Zuge einer tätlichen Auseinandersetzung mit einem spitzen Gegenstand gestochen haben.

2016 illegal nach Österreich zurückgekehrt
2011 musste der Mazedonier Österreich verlassen, da sein Asylverfahren negativ ausgegangen war. Nachdem er in seiner Heimat geheiratet hatte, kehrte er 2016 mit seiner Ehefrau illegal ins Land zurück und arbeitete seither wieder auf Baustellen. Mitte November 2017 begegnete er zufällig eines Morgens an der U-Bahn-Station Reumannplatz dem Kosovo-Albaner. Dieser soll ihn umgehend attackiert und mit Faustschlägen und Fußtritten traktiert haben. Der Mazedonier erlitt einen offenen Nasenbeinbruch und Prellungen und Platzwunden am Kopf. Nur eine mutige Passantin habe verhindert, dass er zu Tode geprügelt wird, so einer der Rechtsvertreter des 33-Jährigen.

Der gedemütigte, aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht mehr arbeitsfähige Mann dürfte daraufhin Rachegedanken entwickelt haben. Nachdem er die Adresse seines Widersachers herausgefunden hatte, lauerte er ihm am 7. Dezember 2017 gemeinsam mit einem Komplizen auf der Straße auf, bewaffnet mit einem Messer sowie einer Gartenkralle. Als wenig später der verhasste Kontrahent mit seiner Verlobten gegen 22 Uhr auf der Favoritenstraße zum Langosessen ging, kam es zum Angriff auf offener Straße.

„Stiche mit äußerster Wucht“, Messer zerbrach
„Der eine hat ihn wortlos an der Jacke gepackt und der andere zugestochen. Ich hab gesehen, wie er das Messer rausgezogen hat“, schilderte die 46-jährige Verlobte des Opfers dem Gericht. Der Komplize habe ihrem Verlobten die Gartenkralle Richtung Kopf geschlagen. Wie weitere Zeugen der Tat berichteten, sei der Schwerverletzte noch davongelaufen, doch der Angeklagte sei ihm nachgelaufen, holte sein Opfer in der Landgutgasse ein und stach weitere siebenmal auf ihn ein. Ein Messerstich traf den Kosovo-Albaner ins Herz. Die Stiche dürften mit äußerster Wucht ausgeführt worden sein - zwei durchdrangen den Oberkörper des Opfers, die Waffe, die später am Tatort sichergestellt wurde, zerbrach in mehrere Teile.

Der Schwerstverletzte wurde noch ins Krankenhaus eingeliefert, doch nur zwei Stunden danach verloren die Ärzte den Kampf um sein Leben. Am Tag nach der Tat setzte sich der Angeklagte nach Mazedonien ab, konnte aber ausgeforscht und im Vorjahr im Kosovo festgenommen werden. Über die Identität seines Komplizen schweigt der 33-Jährige bis heute.

„Besonders heimtückisch und grausam“
„Es tut mir schrecklich leid“, und: „Ich war außer Kontrolle“, erklärte der Angeklagte vor dem Schwurgericht. Er wurde schlussendlich des Mordes für schuldig befunden und zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Bei der Strafbemessung wurde die bisherige Unbescholtenheit des Mazedoniers als mildernd gewertet. Erschwerend waren demgegenüber „die besonders heimtückische und grausame Begehungsweise“, wie sich die vorsitzende Richterin Nina Steindl ausdrückte. Das Opfer sei unbewaffnet gewesen und auf offener Straße getötet worden.

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