15.04.2019 16:00 |

380-kV-Leitung

Projektleiter im „Krone“-Interview

Nach 77 Monaten Verfahrensdauer will die Verbund-Tochter APG so schnell als möglich mit dem Bau der 128 Kilometer langen Salzburg-Leitung beginnen, wie sich Projektleiter DI Wolfgang Hafner das vorstellt, darüber sprach die Salzburg-„Krone“ ausführlich mit ihm.

Es gibt erst für 100 von 128 Kilometern eine Einigung mit den Grundbesitzern. . .

Wir haben da keinen Druck, eine Einigung mit allen Grundeigentümern ist momentan auch nicht nötig. Was wir derzeit ausschicken sind Letztbriefe, ein Formalakt. Wenn es keine Antwort gibt, können wir dann ein Behörden-Verfahren starten. Hier entscheidet dann das Ministerium, nicht das Land und auch kein Bürgermeister.

Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem positiven UVP-Bescheid für die 380-kV-Freileitung eine Hintertüre offen gelassen: Möglicherweise ist er und das Land Salzburg ja gar nicht für die Bewilligung zuständig?

Wir haben da natürlich unsere Juristen gefragt und die schätzen ein solches Risiko als gering ein. Wir werden die Entscheidung darüber nicht abwarten, sondern im Herbst zu bauen beginnen. Und zwar gleichzeitig in jedem der sechs Baulose.

Sie sind selbst die gesamte Strecke abgefahren. Wurde auch die Möglichkeit einer Erdverkabelung geprüft?

Ja, ich war mit dem deutschen „Papst“ für Verkabelung unterwegs. Sein Urteil war eindeutig: Auf Grund der Topographie ist das überhaupt kein Thema. Ich kenne auch alle Erdkabel-Anlagen in Holland, Deutschland und der Schweiz. Alles nur Nebenanlagen und Pilotprojekte.

Jetzt sagen die Freileitungsgegner: Wir brauchen diese Freileitung zur Versorgungssicherheit Salzburgs nicht?

Das ist falsch: Übers Jahr gerechnet kann sich Salzburg nur etwa zu 50 Prozent selbst mit Strom versorgen. Kraftwerke sind hier kaum noch machbar. Wir bringen den Windstrom aus dem Osten hierher. Und wir betreiben in Österreich 12.000 Masten, jeder Standort ist genau geprüft. Es gibt nur diese Route. Der Weg übers Hagengebirge etwa verbietet sich schon, weil es ein Natura 2000 Gebiet ist und die Sicherheit im Hochgebirge nicht ausrechend ist.

Wenn sie die Landschaft, etwa beim Nockstein sehen: Sind da Riesenmasten nicht ein Verbrechen?

Für den Nockstein gilt, was für alle Landschaftsteile gilt: Hier gibt es kein Alleinstellungsmerkmal. Ich war selbst mit meinen Kindern am Nockstein oben. Beim Blick Richtung Salzburg wird keine Leitung und kein Mast stören.

Und die Demontage alter Leitungen?

Das ist Projektbestandteil. Sobald die 380-kV-Leitung in Betrieb geht, starten wir mit der Demontage alter 220 und 110 kV-Leitungen.Dafür veranschlagen wir etwas mehr als ein Jahr. Es wird in Summe 229 Masten weniger geben als heute.

Rechnen sie mit Widerständen beim Bau, mit Aktionen, mit denen die Bauarbeiten behindert werden?

Nein, damit rechnen wir nicht. Man sollte die Situation aus unserer Sicht nicht unnötig aufheizen.

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber
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