Mi, 22. Mai 2019
26.04.2019 10:00

Mawil im Gespräch

Cowboy auf Drahtesel: Ist das noch „Lucky Luke“?

Mit „Lucky Luke“ geht es ab auf den Drahtesel und in den Wilden Westen! Erstmalig, gezeichnet von einem deutschen Künstler: Mawil, den wir zum Gespräch laden durften. Als Schmankerl gibt es dank des Egmont Verlages die frischgedruckte Softcover-Ausgabe von „Lucky Luke sattelt um!“ zu gewinnen.

Über Comics zu reden, heißt, gerade in Europa, auch über frankobelgische Klassiker wie „Tim und Struppi“, „Asterix und Obelix“ und „Lucky Luke“ zu reden. Der Mann, der schneller schießt als sein Schatten, ist nun schon seit 1946 auf den Beinen. Die Abenteuer des rast- und heimatlosen Westernhelden begeistern Leute nicht nur in Comics, sondern auch auf der großen Leinwand und in Freizeitparks. Erfunden vom Belgier Morris war „Lucky Luke“ lange Zeit ein Gemeinschaftsprojekt von Morris und dem Franzosen René Goscinny (unter Anderem auch der Szenarist und Zeichner von „Pitt Pistol“, „Luc Junior“ und „Asterix“).

Der weltberühmte Comic-Cowboy fährt jetzt auch noch Fahrrad!
Allein das Zitat des Verlages lässt aufhorchen. Mit „Lucky Luke sattelt um“ präsentiert Egmont nun schon das dritte Hommage-Album. Diese Reihe soll den Zeichnern die Möglichkeit geben, kreativer mit der Figur „Lucky Luke“ umzugehen, aber auch neue Wendungen und frischen Esprit der Saga hinzuzufügen.

Der Berliner Zeichner Mawil, der einer breiten Masse an Lesern durch seinen autobiographischen Comic Kinderland und seine Comic-Strips für den Berliner „Tagesspiegel“ bekannt wurde, ist nun der erste Künstler innerhalb dieser Hommage-Reihe. krone.at führte mit ihm ein Gespräch.

krone.at: Nach „Der Mann, der Lucky Luke erschoss“ von Matthieu Bonhommes und Guilaume Bouzard in der Lucky Luke-Hommagereihe hattest du nun die Möglichkeit dich mit Morris‘ Westernepos auseinanderzusetzen. Wie viel „Lucky Luke“ steckt in dir und wie war es, ihn zu schreiben und zu zeichnen?
Mawil: In mir steckt ziemlich wenig von Lucky Luke. Lucky Luke ist einer dieser Helden, denen immer alles gelingt. Deshalb ist Lucky Luke auch eine Serie, die vor allem von den Nebenfiguren lebt, die gerade neben dem Helden unperfekt und chaotisch agieren müssen und können - so wie z.B. auch bei Tim & Struppi oder Asterix. Mein Lucky Luke jedenfalls muss etwas mehr leiden und schwitzen. Er muss Fahrrad fahren, und das ist ein neues Terrain für ihn, das kann er nicht mal einfach mit einem gelungenen Schuss regeln. Und das zu zeichnen und sich auszudenken, hat großen Spass gemacht.

Du bist nach Peter Menningen, der in den frühen 90ern für Bastei 15 Lucky-Luke-Hefte schrieb, der zweite Deutsche und der Erste der eine der Hommagen schreiben darf. Wie fühlt sich das an?
Der Zweite, der schreiben und der Erste, der zeichnen darf. Das fühlt sich großartig an, vor allem weil die Hommage-Bücher bis auf das kleine Wörtchen „Hommage“ rechts oben in der Ecke auf den ersten Blick nicht von den „normalen“ Bänden zu unterscheiden sind. Naja, mein Lucky sieht schon etwas anders aus, die Nase hab ich nicht so hinbekommen. Ich hoffe, es gibt keine enttäuschten Mienen, wenn die Oma mit so einem Buch ankommt: „Das ist doch nicht der echte Lucky Luke!“

Mawil, du hast Anfang der 2000er angefangen Comics zu zeichnen. Zu einer Zeit, als langsam die japanischen Manga auf den deutschsprachigen Markt schwappten und Animes bekannter wurden. Comics galten nach wie vor als Grabbelware. Wie siehst du die Entwicklung in all den Jahren und wohin denkst du, geht es?
Ich hab schon Anfang der 90er-Jahre Comic-Heftchen gedruckt. Damals gab es noch kein richtiges Internet und man hat das jahrelang gemacht, bevor man mal einen anderen Zeichner getroffen hat und sich austauschen konnte, oder geschweige denn einen Leser, der dein Comic kannte, obwohl er dich nicht kannte. Seitdem hat sich viel getan - durchs Internet kann man heute, wenn man entsprechend gut ist, schneller und weiter bekannt werden, der Anteil an weiblichen Zeichnern in der Szene ist auch stark gewachsen. Mal gucken, inwieweit die „neuen Medien“ Konkurrenz fürs Buch und den Comic sind. Aber so lange Comichefte keine Batterien brauchen und noch ab und zu irgendwo rumliegen, bin ich optimistisch.

Dein Zeichenstil ist sehr wandlungsfähig. Ob in deinem berühmten, autobiografischen Graphic Novel „Kinderland“ oder deinen sonntäglichen Comic-Strips im Berliner „Tagesspiegel.“, du passt dich immer der Geschichte an. Wie dürfen wir uns einen normalen Arbeitstag bei Mawil vorstellen und wie findest du den Stil für deine Geschichten?
Oooch, der Stil ist doch immer recht einfach. Ich mag simple, krakelige Striche und relativ aufwändige Photoshop-Farben, die aber nicht nach Photoshop aussehen dürfen. Normalerweise gucke ich immer, welche Deadline gerade am dringendsten ist, zeichne dann ganz schnell was und fummel danach bis in die Nacht ewig am Rechner an irgendwelchen Details rum, die am Ende sowieso keiner sieht. 

Die letzte Frage; was sollten dich die Leute in Interviews öfter fragen?
Ich weiß nicht. Das ist hier erst das zweite Interview zum Lucky. Bisher ist noch alles ganz spannend.

Wer nicht bis zum 6.10 auf den Vienna Comix Market warten möchte, bei dem Mawil einer der vielen Stargäste sein wird, dem sei die Comic-Premiere in Berlin empfohlen. Der Verlag Egmont macht einen schönen Melange aus Talk, Lesung und Signierstunde rund um „Lucky Luke sattelt um.“

Wo und ab wann kriegt man den Comic?
Lucky Luke Hommage „Lucky Luke sattelt um“ des Berliner Comiczeichners Mawil erscheint am 2. Mai als Hardcover in der Egmont Comic Collection (15,50 Euro) und als Softcover bei Egmont Ehapa Media (8,30 Euro).

Seine Hommage an Lucky Luke wird Mawil außerdem im Mai und Juni auf einer deutschlandweiten Lese-Tour präsentieren. Genauere Daten hierzu sowie Informationen zu Ausstellungsorten und -terminen finden Sie in Bälde auf der Verlagsseite von Egmont. Auch auf dem Comicfestival in München (20.-23. Juni) wird Mawil zu Gast sein.

Wem könnte es gefallen?
Selten hat mich ein „Lucky Luke“-Comic so mitgerissen. Die großartige Geschichte rund um eine Reise quer durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten am Sattel eines Drahtesels, gemischt mit den umwerfenden, dynamischen Zeichnungen von Mawil begeistern. Ein Comic von 0-99 Jahren!

Anna Krupitza
Anna Krupitza

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