13.04.2019 07:00 |

ÖAV-Bericht

Gletscher: Das ewige Eis mit dem Ablaufdatum

Die heimischen Gletscher gehen weiter drastisch zurück. So lautet das zwar erwartete, nichtsdestotrotz erschütternde Fazit des Gletscherberichts 2017/2018 des Österreichischen Alpenvereins. Allein das Viltragenkees in der Osttiroler Venedigergruppe verlor 128 Meter. Trendumkehr ist laut Experten keine in Sicht.

Von insgesamt 93 beobachteten bzw. vermessenen Gletschern befanden sich 89 im Rückzug, nur vier blieben praktisch gleich. Die Tatsache, dass der durchschnittliche Rückzugsbetrag von 25,2 Meter im Jahr zuvor auf 17,2 Meter sank, ist trügerisch.

Vorjahr bereits extrem
„Der Rückzug der Gletscher erscheint nur in Bezug zu den extremen Werten im letzten Berichtsjahr etwas gedämpft“, relativiert Gerhard Lieb, a.o. Univ.-Professor an der Uni Graz und neuer Leiter des ÖAV-Gletschermessdienstes. In Wahrheit handelt es sich sogar um den sechststärksten Rückgang seit dem Jahr 1960.

Dass dieser nicht noch drastischer ausfiel, liegt am schneereichen Winter. Diese Schneereserven schützten große Teile der Gletscher bis weit in den extrem warmen Sommer hinein vor dem Abschmelzen. „Man muss sich das vorstellen wie Tücher/Planen, die in den Gletscherskigebieten ausgelegt werden“, erklärt Lieb. Der Sommer selbst sei sehr abträglich für die Entwicklung der Gletscher gewesen.

Zweifelhafte Nummer 1
Die zweifelhafte Hitliste des stärksten Rückgangs führt das Viltragenkees an (128 m). Unmittelbar darauf folgt mit 86 Metern der Alpeiner Ferner nahe Innsbruck in den Stubaier Alpen vor dem Schlatenkees (67 Meter,Venedigergruppe, Osttirol). Die berühmte Pasterze in Kärnten kam mit 31,9 Metern relativ glimpflich davon.

Gleich geblieben sind nur vier Gletscher – darunter das Simonykees in der Venedigeruppe. Lieb spricht in dem Zusammenhang von einem Zufall bzw. lokalen Sondersituationen. Der Zufall spiele auch Regie, welchen Gletscher bzw. welche Gebirgsgruppe der Rückgang jedes Jahr am stärksten treffe.

Peter Freiberger, Kronen Zeitung

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