12.04.2019 20:02 |

Versprechen gebrochen

US-Kinderspital klagt Saudi-Prinz auf 3 Mio. Euro!

Eine einzige Spritze gegen die bisher unheilbare Spinale Muskelatrophie kostet 110.000 Euro. Weil sich das kein Normalsterblicher leisten kann, versprach ein saudischer Prinz der Familie eines kranken Kindes, die Behandlungskosten zu übernehmen. Doch er ließ die Eltern auf der Rechnung von drei Millionen Euro sitzen. Der Fall macht aber noch etwas deutlich: Das Buhlen von US-Krankenhäusern um wohlhabenden Patienten aus dem arabischen Raum.

Das Mittel namens Spinraza ist seit 2017 in den USA und Europa zur Behandlung zugelassen. Das neue Medikament zur Behandlung gegen spinale Muskelatrophie hatte 2017 allein 884 Millionen Dollar zum weltweiten Umsatz des Biotechnologie-Konzerns Biogen beigetragen.

Doch allein im ersten Jahr brauchen SMA-Patienten sechs Injektionen im Gesamtwert von 660.000 Euro und danach jedes Jahr weitere Spritzen für jeweils 300.000 Euro. Weil die Eltern eines an SMA Typ 1 erkrankten Zweijährigen aus Saudi-Arabien das Geld dafür nicht aufbringen konnten, hatte Prinz Abdelilah bin Abdelaziz bin Abdulrahman Al Faisal Al Saud seine Hilfe zugesichert. Er wollte für die volle Behandlungssumme aufkommen.

Prinz zahlte bislang nur 660.000 Euro
Doch bisher hat der Prinz nur umgerechnet 660.000 Euro gezahlt. Nun wollen die Anwälte des Bostoner Kinderspitals im US-Bundesstaat Massachusetts Prinz Abdelilah in den USA verklagen, um die seit November 2017 ausstehenden Kosten über drei Millionen Euro zu kassieren.

Die Spinale Muskelatrophie, kurz SMA, ist ein stetig fortschreitender Untergang von motorischen Nervenzellen im Rückenmark. Damit können Impulse vom Gehirn nicht mehr an die angeschlossenen Muskeln weitergeleitet werden, wodurch Muskelschwund, verminderte Muskelspannung und Lähmungen (Paresen) resultieren.

US-Krankenhäuser werben gezielt um internationale Patienten
Die Klage des US-Kinderspitals beleuchtet aber auch noch einen ganz anderen Aspekt: Die steigende Beliebtheit von erstklassigen US-Krankenanstalten bei internationalen Patienten - vor allem aus dem Nahen Osten zieht es immer mehr Menschen, die über ausreichenden finanzielle Mittel verfügen, um die teuren Behandlungskosten zu stemmen, in die USA.

So behandelt allein das renommierte Bostoner Kinderspital laut eigenen Angaben jährlich rund 2000 Patienten aus Übersee. Das Krankenhaus bemüht sich schon seit einiger Zeit, ganz gezielt Familien aus Saudi-Arabien und anderen Ländern des Nahen Ostens anzuziehen. Die Zahl der internationalen Patienten ist demnach in den letzten vier Jahren um 37 Prozent gestiegen. Laut einer 2016 veröffentlichten Prognose soll sich die Zahl der Kunden aus dem Ausland bis 2022 verdoppeln.

Kronen Zeitung/krone.at

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