Di, 23. April 2019
12.04.2019 10:19

Das Überfall-Protokoll

In 4 Minuten war der AUA-Millionen-Coup erledigt

Es waren dramatische Szenen für die Passagiere eines AUA-Fluges von Tirana nach Wien, die am Dienstagnachmittag hautnah Zeugen eines Überfalls wurden: Während sie auf den Start der Maschine warteten, schlugen schwer bewaffnete Kriminelle nur wenige Meter von ihnen entfernt zu und stahlen zehn Millionen Euro, die gerade in das Flugzeug verladen hätten werden sollen! In nur vier Minuten gelang der Coup, bei dem ein Räuber - der Chef der Bande - getötet wurde. Die weiteren Täter sind auf der Flucht. Die Leiche des Bandenbosses wurde von den Komplizen einfach liegen gelassen - weswegen sein Bruder Blutrache schwört.

Wie die „Bild“ vor Ort recherchierte, gelangten die fünf Täter um 15 Uhr mit einem weißen Van mit der Aufschrift „Steuerfahndung“ durch das Tor der Feuerwehrzufahrt am nördlichen Ende des Mutter-Teresa-Airports in der albanischen Hauptstadt auf das Gelände. Einer der Gangster wurde dabei gefilmt, wie er mit einem Bolzenschneider eine Kette aufzwängte. Mit dem Van fuhr die Bande zum Airbus, der mit laufenden Turbinen auf dem Rollfeld stand. Die Passagiere waren bereits an Bord - und sahen, was nur wenige Meter von ihnen entfernt vor sich ging.

Bandenboss mit Sprengstoff und Handgranate in Weste
Mit vorgehaltenen Waffen zwangen die Männer die Bodencrew, die gerade dabei war, die wertvolle Fracht zu verladen, ihnen die Geldsäcke mit den zehn Millionen Euro auszuhändigen. Mutige Insassen der Maschine filmten die schockierenden Szenen. Der Kopf der Bande, Admir Murataj, trug bei dem Überfall eine Latexmaske (siehe Foto unten). Laut Polizei soll er in seiner Kampfweste zwei Schachteln mit C4-Sprengstoff und eine Handgranate gehabt haben, wie die „Bild“ schreibt. Ausgerüstet gewesen sei er mit fünf vollen Kalaschnikow-Magazinen zu je 30 Schuss.

Anti-Terror-Einheit nahm Verfolgung auf, lieferte sich Schusswechsel mit Tätern
Nur vier Minuten später, um 15.04 Uhr, war alles vorbei, zumindest für die Passagiere: Die Angreifer rasten durch das Westtor des Flughafens davon - auch dabei wurden sie gefilmt. Eine zufällig auf dem Gelände anwesende fünfköpfige Anti-Terror-Einheit nahm die Verfolgung auf. Als die Bande die Verfolger bemerkte, fielen die ersten Schüsse - beim Umsteigen in ein zweites Fluchtfahrzeug und durch die Scheibe des ersten. Drei Minuten dauerte das Feuergefecht zwischen den beiden Gruppen, die laut „Bild“ nur 30 Meter voneinander entfernt waren. Dabei wurde Murataj erschossen.

Bande hatte mehrere Fluchtwagen positioniert
Danach rasten die vier Räuber und ein Komplize, der mit dem zweiten Fluchtwagen gewartet hatte, davon, die Leiche ihres Chefs ließen sie zurück. Doch der Van blockierte die Straße, die Verfolger mussten aufgeben. Zumindest konnte verhindert werden, dass die Täter den Wagen in Brand steckten und so Beweise vernichteten. Allerdings klappte das nur bei dem einen Fahrzeug, denn laut Staatsanwalt Kreshnik Ajazi wurden der zweite Fluchtwagen und ein weiteres Auto ausgebrannt aufgefunden. Die Bande dürfte für ihre Flucht noch weitere Fahrzeuge positioniert haben.

Räuber wussten Bescheid, dass Banken Geld per Flugzeug nach Wien schicken
Die Täter und der Komplize sind dem Bericht zufolge noch auf der Flucht - und dürften damit nicht unter jenen vier Männern sein, deren Festnahme die albanischen Behörden vermeldet hatten. Dazu wurden rund 40 Personen zu dem Coup befragt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Die Räuber wussten offenbar Bescheid, dass ausländische Banken Geld in Hartwährungen immer wieder per Flugzeug nach Wien schicken, weil die albanische Zentralbank es nicht annimmt. Der Flughafen wird inzwischen von Soldaten bewacht.

Bandenboss sorgte bereits mit Gefängnisausbruch für Schlagzeilen
Der Tote, dessen Name mit Admir Murataj angegeben wird, hatte bereits 2013 für Schlagzeilen gesorgt: mit einem um nichts weniger filmreifen Ausbruch aus einem Gefängnis im griechischen Trikala inklusive Feuergefecht und einer getöteten Zivilistin. Seither war der Mann auf der Flucht gewesen. Murataj galt auch wegen eines Überfalls auf einen Geldtransporter im Jahr 2016 als Hauptverdächtiger und soll weitere Überfälle und sogar einen Mord auf dem Gewissen haben.

Der Bruder des Gangsters, Clan-Oberhaupt Cen Marutaj, schwört der „Bild“ zufolge übrigens Blutrache - den Komplizen. „Wenn die Polizei die Täter nicht findet, die meinen Bruder auf der Straße liegen gelassen haben, dann werden wir sie finden“, soll er albanischen Medien gegenüber angekündigt haben.

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