11.04.2019 11:18 |

Sechs Wochen lang

900 Millionen Inder wählen neues Parlament

In Indien haben am Donnerstag die auf knapp sechs Wochen angelegten Parlamentswahlen begonnen. 900 Millionen Menschen sind wahlberechtigt und aufgerufen, an der größten demokratischen Wahl der Welt teilzunehmen. Mehr als eine Million Wahlmaschinen kommen bis zum 19. Mai zum Einsatz, es gibt 543 Wahlkreise. Tausende Parteien und Kandidaten treten an - nicht umsonst spricht Regierungschef Narendra Modi von einem „Fest der Demokratie“.

Der Premierminister blickt auf gute Umfragewerte. Die jüngsten Spannungen mit dem Erzfeind Pakistan haben dem 68-Jährigen innenpolitisch geholfen. Doch Modi hat auch mit Problemen zu kämpfen. Die Wirtschaft der mit 1,3 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt wächst langsamer als erhofft. Zudem wird Modi und seiner hinduistisch-nationalistischen Partei vorgeworden, Hindus zu bevorzugen - zum Nachteil der zahlreichen Minderheiten im Land.

Zwei Herausforderer aus der Gandhi-Dynastie
Herausgefordert wird Modi unter anderem von zwei Mitgliedern aus der Politikerdynastie der Gandhis: Rahul Gandhi von der oppositionellen Kongress-Partei will neuer Premierminister werden. Er hat viel dafür getan, sein Image als politisches Leichtgewicht loszuwerden. Auch seine Schwester Priyanka Gandhi Vadra ist im Rennen. Sie ist die Enkelin der früheren Regierungschefin Indira Gandhi. Bei der Wahl 2014 hat Modis Partei klar gewonnen. Diesmal dürfte das Rennen knapper ausfallen. Mit einem Ergebnis wird am 23. Mai gerechnet.

Modi nutzt Spannungen mit Pakistan für sich
Nach Niederlagen bei drei wichtigen Regionalwahlen im Dezember schien Modis Bharatiya Janata Party (Partei des indischen Volkes - BJP) auf einmal schlagbar. Dann tötete am 14. Februar ein Selbstmordattentäter im indischen Teil Kaschmirs 40 Angehörige der indischen Sicherheitskräfte. Eine pakistanische Terrorgruppe reklamierte den Anschlag für sich. Es folgte der erste Luftangriff Indiens auf pakistanischem Gebiet seit 1971. Die Spannungen zwischen den verfeindeten, nuklear bewaffneten Nachbarländern hatten sich schon lange nicht mehr derart verschärft. Seitdem nutzt Modi den patriotischen Eifer, den die Episode bei vielen Indern freisetzte, für sich.

Allerdings hatte Modi vor fünf Jahren versprochen, zehn Millionen Arbeitsplätze pro Jahr zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit ist nach den jüngsten Zahlen der staatlichen Statistikbehörde allerdings so hoch wie seit 45 Jahren nicht mehr. Viele junge Inder, die auf den Arbeitsmarkt drängen, finden keine Stelle. Die Zahlen kamen nur über die Medien ans Licht - die Regierung veröffentlichte sie nicht und nannte sie unvollständig.

Damit es überall auch genug Sicherheitskräfte und Wahlhelfer gibt, wird in sieben Phasen gewählt - am Donnerstag ging es in 91 Wahlbezirken in 18 Bundesstaaten und zwei sogenannten Unionsterritorien los.

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