30.04.2019 11:24 |

Interview & Verlosung

Asperger-Autismus in Bildern: „Schattenspringer“

Als Abschluss zum Internationalen Welt-Autismus-Monats präsentieren und verlosen wir einige Titel von Daniela Schreiter. Die Künstlerin, die selbst mit Asperger diagnostiziert ist, schreibt in ihren Comics unter anderem über ihr Leben auf dem Spektrum. 

Die talentierte Comic-Künstlerin Daniela Schreiter arbeitet nicht nur für Zeitschriften wie Spektrum Neo, das Jugendmagazin von „Spektrum der Wissenschaften“, sondern thematisiert auch ihr Leben mit dem Asperger-Syndrom in ihren Comics. Unter ihren Fans, den Meisten auch als Fuchskind bekannt, ist die kritisch denkende Illustratorin wegen ihren süßen Zeichnungen und ihren nachdenklichen, offenen Beiträgen beliebt. Für das Ende des „Autism-Awareness-Month“, der wie jedes Jahr der April ist, konnten wir sie für ein exklusives Interview gewinnen.

krone.at: Du hast selber schon in deinen Comics erwähnt, dass du nach deiner Diagnose verschiedene Phasen der Akzeptanz, aber auch des Widerstands durchgegangen bist. Wie schwer fiel es dir damit dann in der Form der Comic-Zeichnerin an die Öffentlichkeit zu gehen?
Daniela Schreiter: Am Anfang war ich sicherlich etwas naiv, mir war zwar bewusst, dass ich mich dadurch outen würde (immerhin war ich von Anfang an mit meinem Klarnamen unterwegs), aber weiter habe ich nicht gedacht. Es gibt kein Zurück, jeder, der meine Comics kennt bzw. meinen Namen googelt, wird erfahren, dass ich Autistin bin. Das war zum Teil bei neuen Bekanntschaften auch nicht immer leicht, man möchte nicht glauben, welche Vorurteile gegenüber Autisten immer noch bestehen. Ich habe am Anfang lange überlegt, ob ich die ersten Seiten online stellen soll (bevor Schattenspringer verlegt wurde, konnte man ihn als Webcomic auf meiner Seite lesen). Aber die Entscheidung war gut und richtig :).

Deine Comics sind für viele neuroatypische Leute ein Spiegel in dem sie sich wiedererkennen können und für neurotypische Leute absolut unbekannter Boden. Wenn ich jetzt eine Person bin, die mit Autismus-Asperger-Spektrum wenig bis gar keinen Kontakt hat, wo sollte ich anfangen? Bei deinen Comics, absolut, und dann?
Ich empfehle immer wieder Blogs von Autisten zu lesen! Die Innensicht ist der wichtigste Punkt, an dem man anknüpfen sollte, wenn man Autismus verstehen möchte :). Hier mal eine kleine Liste: AspergerfrauenQuergedachtesElodiy la curiousDas FotobusHobbithexeRobot in a box.

(Anm. d. Red:. Neurotypisch (kurz NT) ist ein Neologismus, der verwendet wird, um Menschen zu beschreiben, deren Entwicklung und Status mit dem übereinstimmen, was die meisten Menschen als normal bezüglich der sprachlichen und sozialen Kompetenzen erachten. Dem gegenüber gestellt ist der Begriff: „neuroatypisch.“)

Viel zu wenige Leute können ihre eigenen Grenzen einschätzen. Gerade aber neuroatypische Menschen müssen haargenau auf ihre Kapazitäten aufpassen. Du, als Künstlerin - mitten in der Selbstständigkeit, mit Autismus - kannst vielleicht da Tipps geben?
Unbedingt genügend Selfcare betreiben und auf sich achten! Ich kann es nicht oft genug sagen, gerade weil man als neuroatypischer Mensch/MmB von Klein auf darauf gedrillt wird, immer mehr geben und leisten zu müssen, als neurotypische Menschen, um sich so gut wie möglich an die Norm anzupassen. Das verbrennt einen völlig und irgendwann werden die ständige Erschöpfung, die Overloads und Co. zum Normalzustand. Zu lernen, auf sich selbst zu achten, braucht viel Zeit und Geduld (glaubt mir, ich weiß das!). Und habt den Mut, nach Hilfe zu fragen, wenn es nicht mehr geht. Seid gut zu euch, gönnt euch Pausen und baut eine Freundschaft zu euch selbst auf, mit allen Besonderheiten, Macken, special needs und natürlich auch euren vielen tollen Eigenschaften und Fähigkeiten! I know, klingt schrecklich kitschig, aber wenn ihr euch ständig selbst zu viel zumutet habt ihr schnell einen neuen schlimmsten Feind: Geist und Kopf machen das nicht auf ewig mit.

Nach „Schattenspringer“ und „Autistic Hero Girl“ zeichnest du on- und offline für Magazine, vertreibst tolles Merchandise und scheinst recht gut ausgelastet zu sein. Arbeitest du schon an einem Geheimprojekt, von dem du uns vielleicht ein bisschen was erzählen könntest bzw. woran würdest du gerne als nächstes Arbeiten?
Ich arbeite gerade an zwei Projekten, das eine ist eher ein großes Freizeitprojekt und wird keinen Bezug zu Autismus haben, allerdings ist es auch noch in der groben Planungsphase. Es soll ein Fantasy-Comic werden, den ich als Webcomic wöchentlich veröffentliche, mehr sei hier noch nicht verraten :). Das andere Projekt wird ein Kinderbuch/Kindercomic zu Autismus, so viele Leser haben es sich gewünscht und ich wollte schon immer mal ein Kinderbuch machen! Dafür werde ich, ähnlich wie in Schattenspringer 3, mit anderen Autisten und auch Eltern von Autisten zusammenarbeiten :). Ich hoffe, ich bekomme es dieses Jahr noch fertig, es wird wie meine anderen Comics bei Panini erscheinen!

Wenn ich deinen Channels glauben darf, ist eine deiner liebsten Zeichenarten mit Aquarell. Verrat uns doch ein bisschen mehr, wie wir uns den Werdegang eines Bildes vorstellen dürfen.
Ich scribbel erst ein wenig auf Papier rum (meist auf dem billigsten Kopierpapier, nicht selten mit Kugelschreiber :D), übertrage dann das Bild auf richtiges Aquarellpapier und inke es (das passiert alles per Lichtpult). Dann kommen auch schon die Aquarellfarben, manchmal gebe ich auch noch mit Farbstiften (nach dem alles getrocknet ist) ein paar zusätzliche Akzente rein :).

Die letzte Frage; was sollten dich die Leute in Interviews öfter fragen?
Oooh, good question! Tatsächlich wüsste ich gar nicht, was man mich überhaupt fragen könnte, weil mein Leben nicht gerade aufregend ist und ich freu mich jedes Mal über schöne Interviewfragen, die über den Inhalt von Schattenspringer hinausgehen! Vielleicht, was meine Lieblingsfarben bei „Magic: The Gathering“ sind (schwarz und weiß), was ich als letztes im Kino gesehen habe („Captain Marvel“) oder welche Comics und Bücher gerade in meinem Bett liegen (die Antwort ist immer viel zu viele, aber grade ist es der neue Walter Moers und mehrere X-Men-Comics). Ach, und welche Kampagne ich demnächst bei „Dungeons and Dragons“ leiten werde! Es wird „Curse of Strahd“ sein und ich freue mich schon riesig drauf! Ich bin wirklich gerne Spielleiterin und habe eine ganz tolle Gruppe (die fast komplett aus neurodiversen Menschen besteht). Aber das alles interessiert die meisten wahrscheinlich nicht, meint mein Fuchs. Er würde sich über eine Frage zu seinen Lieblingskeksen freuen (Chocolate Chip und Haferkekse).

Wem könnte es gefallen?
Die Comics von Daniela Schreiter sind nicht nur für Menschen am Asperger-Autismus-Spektrum und für solche, die sich dafür interessieren ein Must-have. Zeichnungen und Geschichten überzeugen mit Humor und lesen sich auch für Wissenschaftsinteressenten und Nerds verdammt gut.

Die Künstlerin aus Berlin findet man oft auf Twitter oder auf Tipeee. Ihre Bibliographie findet man über Panini und ihr tolles Merchandise ist über Kwimbi erhältlich.

Das Gewinnspiel ist in Zusammenarbeit mit dem Panini Verlag entstanden und wir übernehmen keine Haftung für plötzliche Horizonterweiterung oder höhere Toleranz gegenüber der eigenen Mitmenschen.

Das Gewinnspiel ist leider bereits vorbei, wir wünschen viel Glück beim nächsten Mal!

Anna Krupitza
Anna Krupitza
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