Apnoe-Taucher

Der Rekordjäger ohne Sauerstoff unter Wasser

Zehn Weltrekorde in alternativen Disziplinen des Freitauchens hat Christian Redl aufgestellt. Aktuell hält er noch immer drei davon. Das Spezialgebiet des gebürtigen Niederösterreichers ist das Eistauchen. Seinen ersten Weltrekord stellte er im Februar 2003 auf, als er eine 90 Meter lange Strecke unter einer geschlossenen Eisdecke zurücklegte - natürlich ohne die Hilfe einer Sauerstoffflasche. City4U hat mit ihm über seinen aufregenden Job, der gleichzeitig auch seine größte Leidenschaft ist, gesprochen.

Als er mit 17 Jahren den Film „Im Rausch der Tiefe“ sah, wusste er, dass er genau das auch machen will. Das Kultwerk handelt von zwei griechischen Jungen, die in ihrem späteren Leben zu Profi-Apnoe-Tauchern werden und Weltrekorde aufstellen. Genau das hat Christian Redl schließlich auch getan, nachdem er sich selbst in den Kindern im Film sah. „Ich liebe die Stille, das Dreidimensionale und den Reiz, immer Neues auszuprobieren. Außerdem den Einklang mit der Unterwasserwelt. Als Freitaucher kommt man viel näher an die Lebewesen heran“, beschreibt der 42-Jährige im City4U-Talk.

Redl hat unter anderem Weltrekorde im Eistauchen, Tieftauchen und Höhlentauchen. „Mein erster Rekord war die Hölle. Ich konnte tagelang nicht schlafen, war total nervös, weil ich mein ganzes Leben auf diesen Rekord aufgebaut habe. Als ich allerdings gewusst habe, dass ich es geschafft habe, war das der bisher schönste Moment in meinem Leben.“ Vor allem beim Eistauchen müsse man mental sehr stark sein. Doch was treibt Redl an, sich immer neue Rekorde als Ziel zu setzen? Die Gefahr, das Limit, die Anerkennung? „Es sind verschiedene Reize, aber sicher nicht die Gefahr. Es ist die Idee, das Umsetzen, das Abenteuer dabei und natürlich die mentale Herausforderung.“

In eine gefährliche Situation kam der Freitaucher in seinem Job eigentlich noch nie. „Bisher hatten mein Team und ich immer alles ganz gut im Griff. Die Kunst ist es, auch in gefährlichen Situationen die Ruhe zu bewahren. Die meisten Tauchunfälle entstehen deshalb, weil eine Kleinigkeit nicht gelöst wird, man in Panik gerät und dadurch ein größeres Problem verursacht“, erklärt der 42-Jährige und ergänzt: „Auch Angst ist immer schlecht. Angst limitiert einen. Wichtig ist aber der Respekt vor den Tauchgängen, sonst wird man zu leichtsinnig.“

Für viele wäre es eher beklemmend, ohne Sauerstoffflasche zu tauchen, für den Sportler ist es aber vor allem eines: Befreiend. „Ich denke an nichts Negatives und genieße die Stille und das Wasser um mich. Wenn ich irgendwo im Meer bin und dort freitauche, ist es für mich das Schönste. Ich liebe es mit Haien, Walen, Delfinen und Mantas zu tauchen.“ Ein Tauchgang, an den er sich immer erinnern wird, war jener vor Tahiti. „Dort sind wir mit Buckelwalen getaucht. Auf einer Tiefe von etwa zehn Metern hat einer von ihnen geschlafen. Mein Kameramann bat mich, zu ihm hinabzutauchen. Ich war nur etwa einen Meter von seinem Kopf entfernt und habe in sein geschlossenes Auge geschaut. Beim Auftauchen habe ich durch meinen Flossenschlag Wasser auf die Wange des Wals gedrückt und er ist aufgewacht. Plötzlich schaue ich ein sein schwarzes Auge, das so groß wie mein Kopf ist. Der Wal ist erschrocken, hat einen lauten tiefen Ton von sich gegeben, mein Herz ist gerast. Dann ist er abgetaucht und ich auf. Das war einfach unbeschreiblich.“

Obwohl Redl sportlich so viel erreicht hat, denkt er noch nicht ans Aufhören: „Mein tiefster Tauchgang ohne Pressluft war auf 98 Metern. Mein Traum ist es, die 100 Meter Marke zu schaffen.“ Nebenbei ist der Sportler auch als Tauchlehrer tätig und wird von Sponsoren unterstützt, aber: „Man muss jedes Monat schauen, wo man sein Geld herbekommt.“

April 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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