So, 21. April 2019
07.04.2019 16:24

Schlagfertig

Grubinger über Asylwerber in der Lehre

Unlängst habe ich in einer Zeitung einen Leserbrief von Malermeister Martin Neureiter aus Bad Ischl gelesen. Maler Neureiter hat ein AMS-Programm zur Lehrlingsausbildung unterstützt und einen Lehrling aus Afghanistan in seinem Betrieb zur Ausbildung eingestellt. Zuvor hatte eine Prüfung des AMS ergeben, dass sich kein österreichischer Lehrling für diesen Platz fand.

Weiters schreibt der Unternehmer aus Oberösterreich: „Ich habe diesen Schritt keine Sekunde bereut. Er ist ein mustergültiger Lehrling. Lernwillig, freundlich, verlässlich. Er spricht sehr gut Deutsch, fügt sich gut ins Team ein, es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten.“

Nun ist der Lehrling ins europäische Ausland abgetaucht, weil er in Österreich jederzeit mit seiner Abschiebung nach Afghanistan rechnen musste. Dazu Herr Neureiter: „Wer die politische Situation in Afghanistan beobachtet, wer Nachrichten über dieses geschundene Land verfolgt, kann - so Reste von Menschlichkeit vorhanden sind - an ein Abschieben von Flüchtlingen nicht einmal denken.“

Die Regelung, ausländische Lehrlinge während ihrer Ausbildung abzuschieben, ist eine große Dummheit. Sie schädigt viele fleißige Unternehmer in Österreich, die ihre Energie, Zeit und auch ihr Geld in die jungen Schützlinge investieren und davon verständlicherweise auch etwas haben wollen.

Sie schadet den jungen Leuten, die mit einer guten Ausbildung in ihre Herkunftsländer hätten zurückkehren können, sie schadet unserer heimischen Wirtschaft, die teils händeringend nach Fachkräften sucht und diese gerne selbst ausbildet. Und es ist schlicht unanständig, jungen Menschen die Zukunft willkürlich zu verbauen, nur weil die Regierung glaubt, das ewige Lied vom bösen Ausländer singen zu müssen, um sich selbst zu bestätigen.

Laut einer Umfrage befürworten 70 Prozent aller Österreicher eine Regelung, die in Deutschland für ausländische Lehrlinge gilt. Das Modell „3plus2“ bei Asylwerbenden in Lehre sieht vor, dass Lehrlinge während ihrer meist dreijährigen Ausbildung und den ersten beiden vollen Arbeitsjahren nicht abgeschoben werden. Das Asylverfahren läuft dabei weiter.

Oberösterreichs Landesrat Rudi Anschober bemüht sich seit vielen Monaten, die Regierung dahingehend zu bewegen, dies zu ermöglichen. Dabei wird er von vielen Unternehmern, Bürgern und bekannten Persönlichkeiten unterstützt. Wenn Menschen wie Hermann Maier, Willi Molterer, Brigitte Ederer, Wolfgang Eder und viele andere diese Initiative unterstützen, dann ist das kein parteipolitisches Projekt, sondern ein Zeichen an die Regierung.

Die Regierung aber, gefangen in Ideologie und selbstgewählten PR-Strategien, verkennt unternehmerische Notwendigkeiten und christlich-soziale Verantwortung.

Vernunft und Anstand gepaart mit Stolz auf fleißige Unternehmer: So schwer wäre das nicht. Wir konnten in Österreich immer auf eine lange Tradition des Helfens verweisen. Angefangen im Jahr 1956 beim Ungarnaufstand, als 600.000 Menschen in Österreich Unterschlupf gefunden haben, bis hin zu den Balkankriegen in den 1990er Jahren.

Ich bewundere Unternehmer, die sich nicht von der Dauerpropaganda gegen Ausländer und Andersdenkende anstecken lassen und einfach das Richtige tun wollen. Und nachdem ich ohnehin etwas Farbe in unser Zuhause bringen wollte, übernimmt diese Aufgabe bei mir jetzt Malermeister Neureiter aus Bad Ischl. Leider aber ohne seinen jungen Lehrling. Der musste, nachdem er aus Afghanistan geflohen war, nun auch seine neue Heimat Österreich verlassen.

Ihr Martin Grubinger

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