Mi, 24. April 2019
05.04.2019 21:04

Chef gibt Probleme zu

Boeing steigt bei 737-Max-Produktion auf Bremse

Nun könnte Boeing nach den fatalen Software-Problemen der 737-Max-Reihe, die zu zwei Abstürzen mit Hunderten Toten führten, endlich erste Konsequenzen ziehen. Nachdem der US-Konzern monatelang verleugnet hatte, dass das umstrittene Steuerungsprogramm MCAS ein Sicherheitsrisiko darstellen würde, gab Boeing-Chef Dennis Muilenburg am Freitag zu, dass es ein zweites Problem an einem weiteren Programm gäbe. Nun versprach er: Unfälle wie in Äthiopien und Indonesien sollen nach dem dringlich erwarteten Update „nie wieder passieren“. Boeing erwägt sogar, die Produktion des kritischen Flugzeugtyps zu drosseln.

Der Boeing-Konzernchef räumte deutlich wie noch nie ein, dass es Probleme mit MCAS gibt. Der vorläufige Ermittlungsbericht zum jüngsten Absturz lässt darauf schließen, dass die Software durch die Maschine Richtung Boden lenkte, so Muilenburg. Schon länger wurde spekuliert, dass sich das Programm durch falsche Sensordaten unnötigerweise eingeschaltet hatte. Das automatische Kontrollsystem ging in Betrieb, weil ein Sensor angab, die Maschine würde zu steil ansteigen, sodass ein Luftströmungsabriss drohen würde - deswegen wurde die Nase von der Software fälschlicherweise zu Boden gedrückt.

Im Fall des Absturzes in Äthiopien könnte ein Vogelschlag den Luftstromsensor, der den Anstellwinkel misst, beschädigt haben. Ein plötzlicher Datenausschlag, nur zwölf Sekunden nach dem Start, zeigt eine Störung an. Sechs Minuten später stürzten Hunderte Menschen in den Tod.

Die Auslieferung von Maschinen aus der Reihe 737 Max wurde bereits gestoppt, nachdem sie in den meisten Ländern weder starten noch landen dürfen. Insidern zufolge soll die Produktion des Flugzeugstyps zurückgefahren werden. Das Flugverbot soll nämlich noch Monate bestehen bleiben, schätzen Experten.

Neustart der Produktion würde sechs Monate dauern
Eigentlich hatte Boeing noch vor Kurzem vor, die Produktion seines Bestsellers im Juni auf 57 Stück zu erhöhen. Ist künftig das Gegenteil der Fall, wird das das Unternehmen hart treffen: Ein Großteil der 52 pro Monat produzierten Flugzeuge aus der 737-Reihe entfallen auf den Typ 737 Max. Wie viele Machinen von diesem Modell insgesamt bislang produziert wurden, darüber hält sich Boeing bedeckt. Ein kompletter Stopp der Herstellung dieses Typs ist jedoch unwahrscheinlich, so ein Insider. Sollte dies der Fall sein, würde das Wiederanlaufen der Produktion wegen der komplexen Zulieferungskette bis zu einem halben Jahr dauern.

Boeing will nun „alles richtig machen“
„Wir haben bereits eine Lösung dafür in Arbeit“, zeigte sich der Konzern in einer Stellungnahme zuversichtlich. Ein Update werde für die „kommenden Wochen“ bereitgestellt. Boeing verfolge einen „umfassenden, disziplinierten Ansatz, um es richtig zu machen“.

Zweites Softwareproblem bei Überarbeitung entdeckt
Fraglich ist, ob überhaupt noch genug Vertrauen in den Flugzeughersteller vorhanden ist: Die Entdeckung eines weiteren Softwareproblems dürfte wohl eher nicht dazu beitragen. Das Problem soll sich zwar nicht direkt auf das MCAS-Programm beziehen, sei aber bei dessen Überarbeitung aufgefallen. Laut „Washington Post“ hat die
US-Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet. Solange dies nicht gelöst sei, werde das Flugverbot nicht aufgehoben.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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