06.04.2019 08:36 |

Offene Tore

2000 Besucher schnupperten Landespolitik

Knapp zwei Jahre wurde der Sitz des Landtags und des Landeshauptmanns umgebaut. 6,9 Millionen Euro später erstrahlt der Chiemseehof im Kaiviertel der Altstadt in neuem Glanz und ist darüber hinaus absolut barrierefrei. Davon konnten sich die Bürger am Freitagnachmittag bei einem Tag der offenen Türe überzeugen.

„Schön, dass Sie mich besuchen!“ Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) steht vor seinem Schreibtisch und schüttelt jedem einzelnen Gast die Hand. Dahinter darf die kleine Teresa Eggner mit ihrem Papa Christoph am Schreibtisch des Landeschefs probesitzen. Mama Barbara ist eine von 13 Mitarbeiterinnen in Haslauers Büro: „Ich wollte meiner Tochter zeigen, wo ihre Mutter arbeitet“, grinst der Ehemann.

Die Schlange vor dem Büro des Landeschefs ist lange. Viola und Andrew aus England haben sich eher hierher verirrt: „We just followed the crowd - wir sind nur der Menge gefolgt“, grinsen sie. Vom Ambiente zeigen sich nicht nur die beiden beeindruckt. „Es ist schön, wie das Alte mit dem Modernen verbunden wird“, sagt eine Besucherin. Eine andere will wissen, ob die meterhohen, barocken Schränke noch benutzt werden. „Ja, da drin stehen jede Menge Aktenordner“, klärt eine Mitarbeiterin auf.

Luke im Holzboden führt zu zwei Fluchttunnel

Fremdenführer Robert Barta ist vom Kupferstichzimmer beeindruckt: „Auch ich entdecke immer wieder Neues in Salzburg. Hier hat man ja normalerweise keinen Zugang.“ Besonders interessiert ihn eine Luke im barocken Holzboden. Diese führt zu zwei Gängen. „Da konnte der Bischof von Chiemsee vor seinem Erzbischof flüchten“, meint Haslauer-Mitarbeiter Alois Putz mit einem Augenzwinkern.

500 Jahre lang war der Chiemseehof Residenz der Bischöfe von Chiemsee – daher der Name. Der Landeshauptmann kann sich übrigens nicht mehr klammheimlich aus seinem Büro stehlen: Die Fluchttunnel sind nicht mehr begehbar.

Auf der anderen Seite des Hofes – den seit Donnerstag die vier Meter hohe Skulptur „Die Sprache der Vögel“ von Anselm Kiefer prägt – begrüßen Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, ihr Stellvertreter Sebastian Huber (Neos) und Landesvize Heinrich Schellhorn (Grüne) die Besucher. Nachwuchskicker Alexander Wiesinger darf auf dem Sessel der Präsidentin Platz nehmen, die dem Schüler erklärt, wie sie auf ihrem Bildschirm die Redezeiten der Abgeordneten kontrollieren und nötigenfalls auch beenden kann.

Schauspieler lasen aus alten Landtagspapieren

Im neu gestalteten Sitzungssaal wurden die Plätze von Präsidium, Regierung und Abgeordneten um 90 Grad gedreht. Das verbessert neben der neuen Tonanlage auch die Akustik. Davon können sich die Besucher bei szenischen Lesungen von Mitgliedern des Schauspielhauses Salzburg überzeugen. Sie tragen Ausschnitte aus vergangenen Sitzungen vor - unter anderem wie 1918 über das damals neue Frauenwahlrecht debattiert wurde. „Da waren die Männer nicht so begeistert“, lacht Pallauf.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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