10.06.2004 17:47 |

Noch bleibt's warm

Klimaforscher: nächste Eiszeit in 15.000 Jahren

Die nächste Eiszeit auf der Erde kommt nach Einschätzung von Klimaforschern frühestens in 15.000 Jahren, falls der Mensch nicht zu sehr dazwischen funkt. Das ergibt sich nach Angaben des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) in Bremerhaven vom Mittwoch aus den ersten Ergebnissen der europäischen Eiskernbohrung "Epica" in der Antarktis. Es sei noch unklar, ob der Einfluss des Menschen das Kommen der Eiszeit beschleunige.
Laut AWI wurde bei der Arbeit die Klimageschichteder vergangenen 740.000 Jahre aufgedeckt. Dies sei die längstekontinuierliche Klimaaufzeichnung auf Grundlage von Eiskernen.Insgesamt registrierten die Wissenschaftler in dem Bereich jeacht Eis- und Warmzeiten.
 
Mit der bereits seit 12.000 Jahren dauernden derzeitigenWarmzeit erlebt die Erde nach Darstellung des stellvertretendenAWI-Direktors Prof. Heinz Miller voraussichtlich eine der längstenWarmperioden der vergangenen 420.000 Jahre. Die vergangenen vierZeiträume mit gemäßigten Temperaturen dauertendemnach mit 12.000 bis 15.000 Jahren nur relativ kurze Zeit an.Die kalten Perioden waren wesentlich länger.
 
Den Terminplan für die Eiszeiten fördertenWissenschaftler aus zehn europäischen Staaten bei einer bislang2500 Meter tiefen Bohrung im Inlandeis der Antarktis zu Tage.Seit knapp einer Million Jahren lagern sich dort Schneefällein dünnen Eisschichten ab. "Sie spiegeln 740.000 Jahre Klimageschichteder Erde wider", sagte Miller.
 
"Das ist Stoff für viele Doktorarbeiten"
Weitere 200.000 Jahre wollen die Forscher im kommendenWinter erkunden, wenn sie die letzten 100 Meter Eis überdem Felsuntergrund anbohren. Die Analyse der jeweils drei Meterlangen Eiskerne werde noch Jahre in Anspruch nehmen, sagte Miller:"Das ist Stoff für viele Doktorarbeiten." Die im Eis eingeschlossenenKlima-Informationen sind laut Miller wesentlich detaillierterals die Erkenntnisse, die die Wissenschaftler bei den bisher üblichenBohrungen im Meeresboden fanden.
 
Im Gegensatz zu den Bodenproben sind in den dünnenEisschichten laut Miller Spuren jener Gase gespeichert, die dasKlimageschehen maßgeblich beeinflussen. Unter anderem entdecktendie Forscher, dass die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphärefrüher in Eiszeiten bei 200 ppm (Anteil pro eine MillionTeile) und in Warmperioden bei 280 ppm lag. Seit 1750 sei derAnteil dieses Treibhausgases durch menschlichen Einfluss auf 370ppm gestiegen. Nach vorläufige Analysen sei dies der höchsteWert der vergangenen 500.000 Jahre. Welche Konsequenzen das fürdas Klima habe, könne den Eiskernen jedoch nicht entnommenwerden, sagte Miller.
 
Die Ergebnisse wurden im britischen Fachjournal"Nature" (Bd. 429, S. 623) veröffentlicht.
Freitag, 25. Juni 2021
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