Mi, 24. April 2019
04.04.2019 07:07

ABC zum Weinverkosten

Top-Stars machen einen langsamen Abgang

Steirischer Wein ist zur Zeit in aller Munde. Sommelière Anna Schachner weist für die „Krone“ den Weg durchs Verkostung-ABC. 

Jahrgangspräsentation am Mittwoch in der Grazer Stadthalle, Gala zur Steirischen Weintrophy am heutigen Donnerstag an den Tourismusschulen Bad Gleichenberg - wer zurzeit so gar kein Verkostungslatein spricht, ist arm dran. Wir „engagierten“ Anna Schachner, Diplom-Sommelière und Weinakademikerin, für einen Crash-Kurs, damit der Small-Talk klappt: „Das Reden über den Wein hat das Reden über das Wetter abgelöst!“ Aber, um mit dem Literaten und Weinexperten Reinhard P. Gruber zu fragen: Wie kann eigentlich eine Flüssigkeit einen Abgang haben? „An solche Begrifflichkeiten muss man sich gewöhnen. Die Zeit, wie lange der Wein auf dem Gaumen Eindruck hinterlässt, ist aber von Bedeutung.“ Expertentipp: „Zählen Sie nach einem Schluckerl bis 15. Hallt der Geschmack nachhaltig nach, könnte es sich tatsächlich um einen großen Wein handeln.“

So wie der Sauvignon Blanc, mit dem Johannes Dreisiebner eben erst wieder den Weltmeistertitel in die Steiermark geholt hat

Den 2018er-Jahrgang hat die Wein-Lady natürlich schon ausgiebig verkostet – und für „sehr gut“ befunden. „Interessant“ ist ihr beim Kosten – sie war auch in der Expertenjury der Steirischen Weintrophy – nicht über die Lippen gekommen, denn: „So zieht man sich diplomatisch aus der Affäre, wenn es nicht so mundet!“ Wie verkostet man richtig, damit man zu einem aussagekräftigen Urteil kommt?

Liebe auf den ersten Blick: „Über die Farbe gewinnt man schon entscheidende Erkenntnisse. Je kräftiger, desto intensiver der Geschmack. Allzu blass sollte der Wein nicht sein.“

Richtiger Riecher: „Die Nase gehört ganz tief ins Glas. Mit etwas Übung sollte dann die Sorte und etwaige Fehler erkennbar sein.“

Schlürfen erlaubt: „In der dritten Stufe rollt der Wein über den Gaumen – und wird mit Sauerstoff angereichert. Dabei sollte sich ein Gesamtpaket offenbaren und auch der – schon angesprochene – Abgang beachtet werden!“

Spucken und Schütten erwünscht: „Bei Verkostungen muss man sich in Disziplin üben und auch die besten Tröpferl wieder ausspucken. Nur so kann man mehrere Weine, bis zu 25 Proben je Sorte, ernsthaft bewerten.“

Die beste Zeit sei jedenfalls der Vormittag, „weil da der Gaumen noch jungfräulich ist“. Kaffee, Zigaretten und zu viel Parfüm sind so etwas wie Gift für Verkostungen. Der Weg zum Wein war für Schachner vorgezeichnet. Als gebürtige Südsteirerin kommt man daran ohnedies nicht vorbei – und als Gastronomin (jahrelang im Grazer Landhauskeller, jetzt Hausherrin in der Vinothek „s’Auenbrugger“ auf dem Grazer Südtirolerplatz) wollte sie mit Fachwissen punkten. „Ja – es gab und gibt immer wieder Gäste, die sich den Kork im Glas einbilden. Da wollte ich einfach ein bissl mitreden – und wissen, was wann stimmt.“

Thomas Bauer
Thomas Bauer

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