Kaffee für guten Zweck

Das erste NGO-Café der Welt hat in Wien eröffnet

Ein neues Lokal im 7. Bezirk will ein kräftiges Statement für Nachhaltigkeit und Menschlichkeit setzen. Das seit Ende März geöffnete Dirt Water ist eine Hilfsorganisation sozusagen im Gewand eines Kaffeehauses und will so zur greifbarsten NGO der Welt werden. Der komplette Gewinn des Betriebs kommt Projekten zugute, die Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. City4U hat mit dem Gründer Lars Wesener über seine Beweggründe und Ziele gesprochen.

„Nicht reden, einfach machen“ - Das ist Lars Weseners Motto. Täglich sterben Kinder, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das ist erschütternd, ärgerlich und unfair, wenn man sieht, wie viel manche haben. Andere wiederum haben nichts - so wenig, dass nicht einmal die menschlichen Grundbedürfnisse gestillt werden können. Wesener hatte genug davon und gründete „Wasser für die Welt“. Mittlerweile hat er zahlreichen Menschen zu sauberem Trinkwasser auf drei verschiedenen Kontinenten geholfen.

„Als Kleinstverein hatte ich jedoch nicht die Mittel, neue Spender zu erreichen. Werbung in Medien und auf Plakaten ist wahnsinnig teuer und meistens erreicht man damit nur jene Menschen, die sich sowieso schon für Nachhaltigkeit, Soziales interessieren und bereits für Projekte spenden. Wir wollen als Verein ja auch nicht nur Geld generieren, sondern vor allem mithelfen, zu verändern. Damit das aber geht, muss man erst zu bestimmten Menschen kommen. Kaffee oder Bier trinkt jeder, also war für mich die Gründung eines Kaffeehauses der beste Weg um das zu erreichen“, erklärt Wesener im City4U-Gespräch.

Doch das Dirt Water (7., Kandlgasse 35) ist nicht nur ein Kaffeehaus, das mit leckeren Eintöpfen wie von Oma gemacht, aufwartet, sondern zugleich auch das Büro von Lars Weseners NGO „Wasser für die Welt“. „Damit möchte ich zeigen, dass Entwicklungshilfe transparent und greifbar sein kann. Jeder Interessierte kann auf mich zukommen und mir Fragen stellen“, betont der gebürtige Deutsche und ergänzt: „Mir ist es auch wichtig, dass die Menschen auch mal ihr eigenes Weltbild hinterfragen. Ist wirklich alles so, wie ich das glaube? Oder vielleicht doch ganz anders.“

Der komplette Gewinn des Dirt Water fließt in die Projekte zur Frischwasseraufbereitung der NGO. Doch wenn Gäste ihr Geld in Österreich verwendet sehen wollen, gibt es auch dafür eine Möglichkeit: „Ein Gast kann irgendeine Speise oder ein Getränk auf der Karte kaufen. Das schreibe ich auf einen Zettel und hänge ihn an unsere Tafel. Wenn ein Bedürftiger vorbeikommt, kann er den Zettel pflücken und bekommt das, was darauf steht.“ Wesener ist teilweise überrascht, aber vor allem froh, dass das Geschäft bis jetzt „erstaunlich gut“ läuft. Das ist auch eine Genugtuung für ihn, denn: „Das Dirt Water ist sozusagen die Quintessenz aus acht Jahren Bullshit, die ich fressen musste, um Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen zu können.“

April 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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