Mo, 22. April 2019
20.03.2019 11:40

Im ersten Quartal

Privatinsolvenzen gingen um ein Viertel zurück

Der exorbitante Anstieg der Privatkonkurse des Jahres 2018 setzt sich 2019 nicht fort. Ein Rückgang der eröffneten Verfahren im ersten Quartal 2019 auf 2.428 bedeutet ein Minus von 348 Fällen oder 12,5 %. Die zu regulierenden Verbindlichkeiten sanken gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 um fast 40 % auf EUR 308 Mio.

Für Insider wenig überraschend brachte die eher schneebrettartig losgetretene Insolvenzrechtsreform 2017 eine extreme Verwerfung des Insolvenzgeschehens bei den Bezirksgerichten Österreichs. Schon im Jahr 2017 waren mit Ankündigung der Novelle die Anträge der Schuldner drastisch zurückgegangen, in manchen Bundesländern gar auf die Hälfte eines Normaljahres. Wenig überraschend warteten viele Schuldner aus dem Motiv heraus, das Inkrafttreten einer für sie so deutlich günstigeren Rechtslage abzuwarten. Folglich sprangen die Anträge ab 1. November 2017, dem Tag des Inkrafttretens dieser Begünstigungen, drastisch an und blieben bis Ende 2018 auch entsprechend hoch. Allerdings konnte schon ab November beobachtet werden, dass die monatlichen Eröffnungen unter denen des Jahres 2017 zu liegen kamen. Also eine Welle, die im Abebben begriffen war.

Dieses Abebben setzt sich nun 2019 weiterhin fort. Dazu Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner des KSV1870: „Es darf natürlich nicht überraschen, wenn Menschen sich im Rahmen des Rechts optimiert verhalten. Daher war weder das Zuwarten der Schuldner, noch der Nachholeffekt 2018 eine große Überraschung. Jetzt stellt sich die Frage, auf welchem Niveau sich die Zahlen einpendeln werden.“

Die stärksten Rückgänge im Westen

Nicht überraschend sind in jenen Bundesländern die größten Rückgänge zu verzeichnen, bei denen es von 2017 auf 2018 auch die größten Zuwächse gegeben hatte. Spitzenreiter des Rückganges ist Vorarlberg (- 35,8 %), gefolgt von Tirol (- 30,9 %) und Salzburg (- 25 %).

Die geringsten Rückgänge verzeichnen Wien (- 4,4 %) und Kärnten (- 1,7 %). Auffallend ist der Zuwachs in der Steiermark von immerhin 7,5 % auf 257 Verfahren. Dazu Insolvenzexperte Kantner: „Die Steiermark verzeichnet traditionell wenig Privatkonkurse bezogen auf die Bevölkerung des Bundeslandes. Doch haben systemische Studien des KSV1870 gezeigt, dass es auch in der Steiermark genug Schuldner gäbe, die schon lange ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können und daher als insolvent einzustufen sind. Ich kann mir vorstellen, dass diese Novelle 2017 jetzt für die Steiermark einen Aufholprozess eingeläutet hat. Natürlich ist ein erstes Quartal noch eine zu kurze Zeitspanne, um verlässliche Prognosen abzuleiten.“

Die Ursachen für Privatkonkurse

Eine jüngst veröffentlichte Analyse des KSV1870 zeigt, dass weiterhin die größte Gruppe der Schuldner Verbindlichkeiten aus ehemaliger Selbständigkeit (32 %) zu regulieren hatten. Aus der verbleibenden Gruppe der echten Privaten, die also Konsumschulden diverser Art angehäuft haben, verteilen sich die Ursachen wie folgt: Knapp 30 % der Schuldner waren fahrlässig und haben sich zu leichtfertig verschuldet. Für ein starkes Viertel verursacht Einkommensverlust (Arbeitslosigkeit oder Verschlechterung des Einkommens) die Zahlungsunfähigkeit und für je etwa ein Fünftel der Schuldner bedeuten Lebenskrisen (Scheidung, Krankheit) oder erhebliche persönliche Probleme (Alkohol, Glückspiel etc.) das finanzielle Aus. Der kleinste Bereich (8 %) sind jene Schuldner, die aus familiären Gründen (Karenz, Haftung für oder Pflege von Angehörigen) insolvent wurden.

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