Außergewöhnlicher Job

Der Mann, der die Hosenträger macht

Früher waren Hosenträger eher etwas für beleibte Männer in den besten Jahren. Mittlerweile haben sie sich zu einem Fashion-It-Piece gemausert, mit dem auch junge Herren und Frauen gern gesehen werden. Ob Trend oder nicht, für Thomas Wurzer war das nie ausschlaggebend. Seit etwa 70 Jahren ist die Firma Karlinger, in der er tätig ist, nämlich ein Familienbetrieb, in die er nach dem Studium eher zufällig geschlittert ist. Seitdem stellt er qualitativ hochwertige Gürtel und Hosenträger her. City4U hat mit ihm über seinen außergewöhnlichen Job gesprochen.

Eigentlich hat Thomas Wurzer Betriebswirtschaft studiert, um „sich alle Möglichkeiten offen zu halten“. Im Familienbetrieb ist er trotzdem mehr oder weniger aufgewachsen, hat dort bereits als Kind viel Zeit verbracht und schließlich auch sein erstes Geld verdient. Als sein Vater während seinem Studium eine kaufmännische Kraft gesucht hat, hat er sich im Jahr 2000 entschlossen, dort auszuhelfen: „Aus diesem Aushelfen wurden mittlerweile 19 Jahre, denn nachdem der Vater 2008 in Pension ging, habe ich schließlich den Betrieb übernommen.“

Bei Karlinger werden Gürtel und Hosenträger in Handarbeit hergestellt. Für den klassischen Einzelhandel und Ballausstatter, aber auch für Film, Theater und Opernhäuser. „Dadurch, dass wir so viele unterschiedliche Produkte für verschiedenste Branchen umsetzen, ist eine genaue Jobbezeichnung nicht nennbar. Von der Wirtschaftskammer werden wir als ,Produktion von Hosenträgern‘ geführt“, erklärt der 38-Jährige. Gelernt hat er die richtigen Handgriffe von seinem Vater, der wiederum von seiner Mutter gelernt hat, die das Unternehmen in den 50er-Jahren von der Familie Karlinger gekauft hat. „Meine Oma war zuvor Lederstanzerin, die Stoppeln für Fußballschuhe hergestellt hat.“

Mittlerweile hat sich einiges geändert, aber nicht alles. Bei der Herstellung von einem Hosenträger sind bis zu 30 Arbeitsschritte nötig. „Das Wichtigste ist die Qualitätsüberprüfung der Rohmaterialien. Schnallen, Bänder, Leder oder Nähgarn - alles muss qualitativ top sein. Das Leder wird übrigens noch ganz wie früher hergestellt: Die Farben werden per Hand angemischt, die Bearbeitung der Oberfläche erfolgt ebenfalls händisch. Darauf sind wir sehr stolz. Genau wie auf unsere Hosenträger.“

Die Auftragslage bleibt auch in einer Zeit, in der Mode nach einer Saison weggeworfen wird, konstant. „Wir haben den Trend zum Handwerk und zur Individualität schon vor Jahren erkannt und uns darauf ausgerichtet. Unser Publikum ist sehr gemischt, was ihnen gemein ist, ist, dass sie das Angebot der großen Ketten satt haben und Produkte mit Charakter suchen“, beschreibt Wurzer. Die findet man in seinem Betrieb auch, denn aufgrund ihrer Größe können sie sich individuell auf Kundenwünsche einstellen. „Zufriedene Konsumenten sind auch bereit ein wenig mehr zu bezahlen, wenn sie den Mehrwert erkennen“, weiß der Wiener. Ein Paar Hosenträger kosten zwischen 30 und 70 Euro, ein Gürtel schlägt mit 30 bis 120 Euro zu Buche. Gibt es auch Wünsche die nicht erfüllt werden? „Immer wieder kommen Kunden und fragen, ob wir nicht auch Lederhosen oder -jacken für sie machen könnten. Wir sind zwar keine Schuster, bleiben aber dennoch bei unseren Leisten“, schmunzelt Wurzer.

Wer beruflich viel mit Mode zu tun hat, ist natürlich auf Messen in Mailand, Paris oder Berlin unterwegs. „Ich muss sagen, dass die Österreicher bei der Mode doch etwas konservativ sind. Ich würde mir wünschen, dass sie mutiger bei der Kleiderauswahl wären - auch ich nehme mich hier nicht aus. Manchmal reicht ein cooles Accessoires wie ein Gürtel oder Hosenträger für ein gelungenes Outfit schon aus. Der Spruch ,Kleider machen Leute‘ ist vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, ein Fünkchen Wahrheit steckt jedoch dennoch darin“, bekräftigt der 38-Jährige.

März 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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