So, 24. März 2019
16.03.2019 14:38

Schauspielhaus Graz:

Skurril servierte „Götterspeise“

Es ist eine tieftraurige Geschichte im Ausmaß einer griechischen Tragödie, die Autor Noah Haidle in „Götterspeise“ oft in ein skurriles Gewand verpackt. Regisseur Jan Stephan Schmieding setzt in seiner Inszenierung am Schauspielhaus mit dem Einsatz von Masken noch eins drauf und bereitet der groß aufspielenden Julia Gräfner einen idealen Boden.

Das Leben, Gott und ihr Umfeld scheinen sich gegen Kantinenköchin Constant verschworen zu haben. Alles wird ihr genommen, auch das geliebte Kind. Doch die aus üblen Verhältnissen stammende Frau begegnet allem und jedem mit unerschütterlicher Liebe. Nur zwischendurch hat sie Ausraster, die sie schließlich in die Todeszelle bringen.

Kein kitschiges Sozialdrama
Der US-amerikanische Dramatiker Noah Haidle begeht nicht den Fehler, diese Lebenstragödie als kitschiges Sozialdrama zu zeichnen. Er setzt auf trockenen Humor, schräge Einlagen und Poesie. In Regisseur Jan Stephan Schmieding findet er einen Bruder im Geiste, allein die Schulball-Szene hebt jegliche Rührseligkeit aus den Angeln. In einem sich weitenden und doch immer enger werdenden Raum (Bühne: Rosa Wallbrecher) führt er zuerst in die „heile“ Welt einer Schulkantine, wo einander menschliche Klischees begegnen. Das betont Schmieding durch den Einsatz von Masken, die den Darstellern die Möglichkeit nehmen, vielschichtige Charaktere zu erzeugen. Erst als diese Welt aufbricht und Constant ihren Dienstgeber ins Koma prügelt, legt sie die Maske ab. Später in der Psychiatrie und im Todestrakt folgen ihr die anderen.

Julia Gräfner glänzt als Constant
Schmieding kann sich bei der Umsetzung seiner vielleicht manchmal etwas zu breit ausgelegten Ideen auf ein hervorragendes Ensemble verlassen. Allen voran natürlich Julia Gräfner, die als Constant den Abend dominiert. Unter ihrer freundlichen Oberfläche brodelt ein Vulkan, und mit ihrer scheinbar grenzenlosen Liebe lässt sie eine Gesellschaft, die diese nicht annehmen kann, an ihre Grenzen stoßen. Durch den Abend getragen wird sie von Florian Köhler, Oliver Chomik, dem herrlich trockenen Florian Stohr, Nanette Waidmann und Maximiliane Haß. Und der Musik von Bernhard Neumaier.

Die Produktion lässt einen übrigens nachdenklich zurück, hat man sich doch als Zuschauer gut amüsiert - bei Themen wie Einsamkeit, Auswegslosigkeit, Liebesverlust, Kindesabnahme, Gewalt und Mord.

Infos und Karten bekommt man hier

Michaela Reichart
Michaela Reichart

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