Do, 21. März 2019
10.03.2019 14:24

Schon seit 2015

Wiener IS-Terrorist war auf „Schwarzer Liste“!

Noch mehr Fakten zum Behördenskandal um den Wiener IS-Terrorverdächtigen und Mindestsicherungsbezieher: Der nun in Syrien gestellte Azad G. (27) lernte als Bundesheer-Grundwehrdiener den Umgang mit einem Sturmgewehr - und schon 2015 hielt die Armee den Miliz-Soldaten für derart gefährlich, dass er nicht mehr zu Übungen einberufen werden durfte. Trotzdem existierte erst ab 2016 ein internationaler Haftbefehl.

Dass Azad G. (27) sich nach einer Schusswunde von seinem ersten Syrien-Abenteuer in Wien bei einem 14 Monate dauernden „Fronturlaub“ erholen durfte und dabei auch noch 12.400 Euro Mindestsicherung kassiert hat, sorgte bereits für einige Aufregung: Die Sozialservicestelle der Stadt Wien hat offenbar trotz der sehr verdächtigen Pass-Stempel nicht die Exekutive alarmiert, und dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) dürften die Reiseaktivitäten des Terrorkomplizen total entgangen sein. 2015 ermittelte dann die Staatsanwaltschaft nach einer konkreten Anzeige gegen G. - stellte das Verfahren jedoch rasch wieder ein. Der mutmaßliche Helfer der grausam mordenden Islamisten jettete wieder zurück an die Front.

Seit 2015 für Milizübungen gesperrt
„In diesem Jahr, also 2015, kam der Tatverdächtige bei uns auf eine sogenannte Schwarze Liste, der Milizsoldat durfte nicht mehr zu Übungen eingezogen werden“, berichtete jetzt ein Sprecher des Heeres. Also ein ganzes Jahr bevor Azad G. per internationalem Haftbefehl gesucht war, wusste die Armee bereits von dessen Gefährlichkeit. Ausreisen durfte der österreichisch-türkische Islamist aber trotzdem: Im Innenministerium war diese Faktenlage nicht bekannt.

Vermutlich wussten ausländische Nachrichtendienste zu diesem Zeitpunkt schon mehr über G. als Österreichs eigener Verfassungsschutz.

Zu einer Killermaschine hat das Bundesheer den nun Terrorverdächtigen zumindest nicht ausgebildet, erfuhr die „Krone“ aus der Armeeführung: „G. leistete 2010 seinen Präsenzdienst in der steirischen Kaserne Feldbach ab, allerdings ohne Spezialausbildung.“

Küchendienst beim Bundesheer
Der mutmaßliche IS-Komplize lernte zwar in der Grundausbildung, wie man mit einem Sturmgewehr schießt, die Waffe reinigt und pflegt, aber meistens hatte Azad G. laut dem Bundesheer-Sprecher „Dienst in der Küche“.

Jetzt sitzt der türkischstämmige IS-Mittäter mit österreichischem Pass in einem Gefangenenlager kurdischer Streitkräfte. Wie berichtet, hat Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) „absolut kein Interesse, den Tatverdächtigen nach Österreich zu bringen“.

Die Chronologie des Behördenskandals
Das sind die bisher bekannten Fakten zu den Aktivitäten des in Syrien gefassten IS-Terrorverdächtigen:

  • 2010 leistete Azad G. seinen Grundwehrdienst in der Kaserne Feldbach ab.
  • 2013 reiste der Wiener mit türkisch-österreichischer Doppelstaatsbürgerschaft erstmals ins Kampfgebiet nach Syrien.
  • 2014 ist der IS-Komplize plötzlich wieder in Österreich. Er hat eine bereits operierte Schusswunde und wird in Wiener Spitälern ambulant behandelt. G. besucht AMS-Kurse und bezieht 14 Monate die Mindestsicherung (insgesamt 12.400 Euro Steuergeld).
  • 2015 wird Azad G. zweimal vom BVT befragt, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Im selben Jahr wird das Verfahren aber wieder eingestellt. Es liegt kein Beleg dafür vor, dass Exekutive oder Justiz das Magistrat Wien informiert hätten. Ziemlich gleichzeitig setzt ihn das Bundesheer als „Risiko-Fall“ auf die „Schwarze Liste“. Der Wiener kann aber erneut ins IS-Kalifat reisen.
  • Ab 2016 wird G. dann erstmals per internationalem Haftbefehl gesucht. Der Tatverdächtige bleibt verschollen - niemand weiß bis heute, wie aktiv er sich an den grausamen Morden und Folteraktionen des IS beteiligt hat.
  • 2019 taucht ein Video auf, das den Wiener Doppelstaatsbürger zeigt, wie er „reumütig“ auf eine Überstellung nach Europa hofft.
Richard Schmitt
Richard Schmitt

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