Skurriler Job

„Ich prüfe Medikamente auf ihre Qualität“

Wenn der Kopf zu schmerzen beginnt, greift man zur Tablette. Ist die Nase verstopft, hat man gleich den Nasenspray zur Hand. Zahlreiche Medikamente erleichtern uns das Leben und lindern unser Leid. Bevor sie jedoch in der Apotheke und schließlich in unserem Medizinschränkchen landen, ist es ein weiter Weg. Advance Analyst Javier Antonio Cabrera untersucht im Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim im Rahmen der Qualitätskontrolle Proben, beginnend bei den Rohstoffen über den gesamten Produktionsprozess bis zum fertigen Arzneimittel. Denn nur wenn alle Prüfungen bestanden werden, dürfen die Medikamente auch in den Verkauf. 

Boehringer Ingelheim zählt zu den 20 führenden Pharmaunternehmen weltweit. Das Regional Center Vienna (RCV) ist das Zentrum der Krebsforschung des deutschen Konzerns und entwickelt und produziert biopharmazeutische Arzneimittel. Unter den 2000 Mitarbeitern in der österreichischen Hauptstadt ist auch Javier Antonio Cabrera beschäftigt - der als Advance Analyst in der Qualitätskontrolle tätig ist: „Wir stellen hier modernste Arzneimittel mit Hilfe von Bakterien und Hefen her. Meine Hauptaufgabe ist dabei die Analyse von Proben im Rahmen der Qualitätskontrolle. Das beginnt schon bei den Rohstoffen.“ Dabei werden nicht nur die Substanzen, sondern auch die Geräte strengen Kontrollen unterzogen.

Neben Flexibilität und einem guten Auge für Planung und Prioritätensetzung braucht man vor allem auch eines: Durchhaltevermögen beim Schreiben. „Alle Schritte, die wir im Rahmen der Qualitätskontrolle und gesamten Produktion setzen, werden gleichzeitig auch dokumentiert. Der Job ist also auch mit sehr viel Schreibarbeit verbunden“, erklärt Cabrera. Nach 14 Jahren im Unternehmen hat er sich aber daran gewöhnt. Eine genau Dokumentation ist in diesem Beruf nämlich unumgänglich: „Jeder Schritt muss exakt gesetzt und festgehalten werden beziehungsweise nachvollziehbar sein. Im Standard-Produktionsprozess gibt es keine Möglichkeit, ‘etwas auszuprobieren‘. Das klingt streng, ist in diesem Bereich aber unbedingt beziehungsweise ausnahmslos notwendig.“

Um als Advance Analyst in einem Pharmaunternehmen arbeiten zu können, braucht man den Abschluss einer HTL, Fachhochschule oder ein naturwissenschaftliches Studium. Die Wichtigkeit seiner Tätigkeit ist dem 44-Jährigen bewusst: „Patienten, Ärzte sowie unsere Kunden müssen sich zu 100 Prozent darauf verlassen können, dass sie ein hochwertiges Produkt bekommen“, betont der Wiener. Bis ein hochwertiges Produkt jedoch in der Apotheke landet, ist es ein langer Weg. „Die Erforschung und Entwicklung eines Arzneimittels dauert rund 12 bis 15 Jahre. Von 100 therapeutischen Konzepten gelangt nur eine Substanz tatsächlich als Medikament auf den Markt.“

Pharmaunternehmen haben nicht bei allen Menschen den besten Ruf. Man sagt ihnen nach, sie würden auf Kosten von Kranken enorme Gewinne erwirtschaften. Dem widerspricht Cabrera: „Die Entwicklung eines Medikaments kostet bis zu 2 Milliarden Euro und dauert bis zu 15 Jahre. Der Patentschutz läuft 20 Jahre. Das heißt, dem Unternehmen bleiben nur fünf bis sieben Jahre Zeit, um die Entwicklungskosten aus dem zugelassenen Produkt abzudecken. Ein Pharmaunternehmen ist ein Wirtschaftsunternehmen. Gewinne sind dabei nicht Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit um den Weiterbestand des Unternehmens zu sichern“, beschreibt der 44-Jährige.

Durch die Arbeit der Pharmaunternehmen würden sich Patienten und Staat enorme Kosten ersparen: „Neue Medikamente verlängern das Leben von Patienten bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität. Somit entlasten sie das Gesundheitssystem durch den Wegfall von Operationen oder Spitalsaufenthalten.“ Bei der Entwicklung welches Arzneimittels wäre der Advance Analyst eigentlich noch gerne dabei? "Bei einem Krebsmedikament für Kinder. Denn wenn ein Kind von dieser Krankheit betroffen ist, ist das für mich besonders traurig und ungerecht.“

März 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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