02.03.2019 07:00 |

Jugendlandtag

Die Jungen zeigen vor, wie Politik gehen könnte

Es waren nicht wie üblich 48, sondern 63 Abgeordnete, die am Freitag in der Landstube des Landhauses tagten. Außerdem war der Altersschnitt etwas niedriger als sonst: 16- bis 20-Jährige aus 13 steirischen Regionen debattierten brennende Zukunftsthemen – und formulierten klare Aufträge an die arrivierte Politik.

„Wie ich jung war, haben die Alten auch schon gesagt, die heutige Jugend is’ a Katastrophe“, scherzte Manuela Khom zur Begrüßung. Die zweite Landtagspräsidentin hieß die (heutige) heutige Jugend willkommen im prachtvollen Machtzentrum der steirischen Politik. Die neue Generation sei sehr wohl an Politik interessiert, betonte sie – und ermunterte das Plenum, sich innerhalb des bestehenden Parteiensystems zu engagieren.

Argumente statt Klubzwang
Genau an diesem Punkt drängten sich bei den Beobachtern am Freitag jedoch leise Zweifel auf. Der Verdacht: Dass die 63 jungen Steirer so sachlich, fair und kultiviert debattierten, könnte gerade daran gelegen haben, dass sie nicht nach Fraktionen geordnet im Plenum saßen. So ging es tatsächlich um Inhalte statt Parteitaktik, um Argumente statt Klubzwänge.

Fünf Themenblöcke (siehe Fakten weiter unten!) hatten die Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren vorbereitet. Der Verein beteiligung.st hatte im Vorfeld 13 Regionaltreffen im ganzen Land organisiert, bei denen ein realistisches Feld an Themen abgesteckt wurde – Themen, die tatsächlich von der steirischen Politik umgesetzt werden können.

Schließlich spielt sich der Jugendlandtag nicht im luftleeren Raum ab: Neben den SP-Landesräten Ursula Lackner (Bildung, Gesellschaft) und Anton Lang (Verkehr, Umwelt, Finanzen) saßen etwa die Klubobleute Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ) und Lambert Schönleitner (Grüne) im Saal. Dazu lauschten auch die Jugendsprecher Michaela Grubesa (SPÖ), Lukas Schnitzer (ÖVP) und Liane Moitzi (FPÖ) den Anträgen – und streuten nach jedem der fünf Themenblöcke Ergänzungen ein.

Sorgen um den ländlichen Raum
Bei den Themen fiel auf, dass sich die jungen Steirer große Sorgen um die Zukunft des ländlichen Raums machen. Bildung, Arbeit und öffentlicher Verkehr müssten in den Regionen gestärkt werden, um die Abwanderung zu stoppen. Dazu wurden Umweltschutz, Bauernsterben und Schulsport besprochen. Besonders lebhaft verlief die Debatte um Einführung eines Ausschusses, in dem Schüler direkt politischen Einfluss auf Bildungsfragen hätten.

Am Ende wurden alle zehn Anträge mit großen Mehrheiten oder gar einstimmig angenommen. Die Landesräte versprachen, alle Anliegen zu beherzigen.

Indes wachte Präsidentin Khom streng über die Sanduhr, die während der Reden unerbittlich rieselte. Dass gerade die arriviertesten Politiker sich am schwersten taten, innerhalb der (zugegeben kurzen) Redezeit von zwei Minuten zu bleiben, sorgte immer wieder für Heiterkeit - und war ein weiterer Beweis dafür, dass die „Alten“ von den „Jungen“ einiges lernen können.

Die fünf Themenblöcke im Einzelnen:

MOBILITÄT UND INFRASTRUKTUR
Antrag 1: Verbesserung im öffentlichen Verkehr, etwa durch höhere Busfrequenzen am Land, mehr Sammeltaxis zwischen Wohnort und Haltestellen, mehr Bus und Bim zu Stoßzeiten in Graz. 
Antrag 2: „Topticket“ ausweiten - und auch Studierenden zugänglich machen.

NATUR-KLIMASCHUTZ UND LANDWIRTSCHAFT
Antrag 1: Kleine Landwirte fördern, etwa durch Bewusstseinsbildung in Schulen, Anreiz & Beratung für Hofübernahme und Bio-Umstellung.
Antrag 2: Umweltschutz und Müllvermeidung, etwa durch Pfandsystem nach deutschem Vorbild und mehr Müllsammelaktionen.

REGIONALE ENTWICKLUNG
Antrag 1: Ländlichen Raum stärken, durch Hilfe für Jungfamilien, mehr Kinderbetreuungsplätze, Jugendzentren, Arbeit und Bildung.
Antrag 2: Sport und Freizeit ausbauen, etwa mit neuen Mehrzweckhallen, mehr Geld für Breitensport, digitalen Kultur- und Sportkalendern.

PARTIZIPATION, JUGEND UND SOZIALES
Antrag 1: Ausbau der Kinderbetreuung im ländlichen Raum, damit Eltern nach der Karenz wieder Vollzeit arbeiten können.
Antrag 2: Einführung eines Landes-Schulgemeinschafts-Ausschusses, über den Schüler direkten Einfluss auf die Schulentwicklung haben.

BILDUNG UND AUSBILDUNG
Antrag 1: Die schulische Infrastruktur, etwa Lern- oder Erholungsplätze, soll überall auf hohem Niveau sein. Neue Hotline für Anregungen.
Antrag 2: Sportförderung an Schulen durch breiteres Sportangebot und vier zusätzliche Sportstunden pro Woche an VS und NMS.

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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