18.02.2019 06:05 |

Das große Interview

Heinz Schaden: „Es wird eine Richtungs-Wahl!“

Mehr als 18 Jahre lang war Heinz Schaden Bürgermeister der Mozartstadt. Am 28. Juli 2017 wurde er im Zusammenhang mit der Swap-Affäre nicht rechtskräftig zu drei Jahren Haft verurteilt, eines davon unbedingt. Während Schaden auf sein endgültiges Urteil wartet, unterstützt er die Stadt-SPÖ im Wahlkampf.

Herr Schaden, wie sehen Sie den laufenden Wahlkampf?

Harry Preuner hat als Amtsinhaber derzeit einen Vorteil. Es läuft aber alles auf eine Stichwahl hinaus. Dann wird es spannend, weil es auch eine Richtungsentscheidung ist: Ob der muffige rechtskonservative Kurs des Bundes auch in Salzburg durchschlägt. Ich wünsche mir das nicht. Salzburg ist eine kleine, aber weltoffene und kulturelle Stadt. Damit hat der amtierende Bürgermeister nicht viel am Hut. Von Bernhard Auinger erwarte ich mir insgesamt viel mehr Input. Preuner ist ja nicht gerade als Schwerarbeiter bekannt.

Wie stark sind sie persönlich engagiert?

Ich mache mit Auinger Hausbesuche, was manches Mal nicht so einfach ist. Nicht weil die Leute unfreundlich sind, sondern weil es Überwindung bedeutet, zwischen 17 und 19 Uhr irgendwo zu klingeln. Um dem Bernhard das leichter zu machen, gehe ich gerne mit. Er hat mit seinem Schulbauprogramm vorgelegt. Und ich weiß, er ist ein grundanständiger Mensch. Deshalb unterstütze ich ihn

Ist ihre Verurteilung bei den Hausbesuchen Thema?

Überhaupt nicht – im Gegenteil. Mir hat jemand gesagt: Ich habe sie zwar nie gewählt, aber wegen dem hätten sie nicht zurücktreten müssen. Die Menschen sehen das Urteil sehr differenziert und erkennen, dass ich nicht gegen die Interessen der Stadt gehandelt und mich schon gar nicht selbst bereichert habe. Ich schade der SPÖ sicher nicht.

Rechnen Sie noch vor der Wahl mit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs?

Das Urteil ging Ende des Vorjahres nach Wien. Mehr kann ich dazu nicht sagen – es handelt sich ja um ein laufendes Verfahren.

Sie waren beim Prozess sehr geknickt. Jetzt sehen Sie besser aus, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf...

(lacht) Das erlaube ich Ihnen, weil es stimmt. Das Urteil hat mich schwerst getroffen. Ich habe im Verfahren geahnt, was auf mich zukommt, aber nie gedacht, dass es so dick kommt. Aber ich habe mich erholt.

Wie sehen Sie den aktuellen Wahlkampf im Vergleich zu früheren?

Er ist zur Zeit überhaupt nicht schmutzig, sondern eher etwas ruhig, wird aber an Fahrt aufnehmen, wenn es in Richtung Stichwahl geht. Vielen Wählern ist noch nicht klar, dass es neben den Personen auch um eine Richtungsentscheidung geht. Die Rolle der Frau Unterkofler (vormals Neos-Stadträtin, jetzt ÖVP-Kandidatin – Anm.) wird derzeit nur wenig thematisiert. Preisfrage: Bei welcher Partei ist sie zur Stunde? Ich weiß es nicht. Und es geht auch darum, ob wir die finanzielle Stabilität beibehalten? Die Stadt braucht kein U-Bahn-Abenteuer.

Sie würden die Lokalbahn also nicht verlängern?

Ich habe das in meiner Amtszeit eindeutig abgelehnt und im Sommer 2016 Freund und Feind damit überrascht. Ich habe damals Willi Rehberg als Stadtbahn-Beauftragten gebeten, das durchzurechnen. Er steht wirklich nicht im Verdacht, ein Sozialdemokrat zu sein und Gefälligkeitsgutachten zu erstellen, sondern ist ein Zahlenmensch. Ich habe mich auch bei den Wiener Linien erkundigt. Dort wurde mir erklärt, unter einer Million Menschen als Einzugsbereich ist das völliger Unfug. Es gibt einfach zu wenige Passagiere für eine notwendige Takt-Dichte. Alle halbe Stunde eine U-Bahn, ist sinnlos. Oder stellen Sie sich vor, sie leben in Lehen und wollen zum Mirabellplatz: Sie werden nie mit dem Bus zum Bahnhof fahren und dann eine Station mit der U-Bahn. Wenn ich den aktuellen Wahlkampf verfolge, höre ich auch schon mehr Akzente in Richtung Ausbau der bestehenden Verkehrssysteme – sprich: Obus und Bus. Wir brauchen dichtere Intervalle in der Stadt und mehr Verbindungen ins Umland, so wie es jetzt zum Teil schon Praxis ist.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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